Dr. med. Alexander Rümelin: „Kursbuch Arthrose“

Wie man Gelenkerkrankungen effektiv vorbeugen und behandeln kann
 

Arthrose (im Volksmund Gelenkverschleiß) ist mit zwei Millionen Patienten und schätzungsweise neun Millionen Betroffenen, die in diversen Stadien darunter leiden, mittlerweile eine Volkskrankheit in Deutschland. Wirtschaftlich schlagen die Ausfallzeiten aufgrund von Arthrose jährlich mit rund 4,5 Milliarden € zu Buche. Arthrose betrifft vor allem ältere Menschen, aber auch Kinder und jüngere Menschen können davon erfasst werden. Wie sich die Krankheit äußert, welche Therapien es gibt und wie man sich davor schützen kann, vermittelt eingängig das „Kursbuch Arthrose“ von Dr. med. Alexander Rümelin. Er ist Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin in Frankfurt am Main (www.dr-ruemelin.de).

Arthrose ist eine chronische, degenerative Gelenkerkrankung, wobei der Knorpel, der das Ganze beweglich hält, nach und nach abbaut, bis am Ende das Gelenk funktionsunfähig ist. Den Höhepunkt erreicht die Krankheit im Alter von 50 bis 60. Die Ursachen sind weitgehend unbekannt; es sind wohl endogene, enzymatische Einflüsse. Es gibt auch mechanische Knorpelschäden, z.B. durch einen Unfall. Die Krankheit kann in jedem Gelenk auftreten, doch am häufigsten trifft sie die am meisten belasteten Gelenke: Hüfte, Knie, Fußgelenke und Wirbelsäule.

„Arthrose ist kein unabwendbares Schicksal“, schreibt Dr. Rümelin, auch wenn es noch keine ursächliche Heilung gibt. Aber dem Arzt stehen wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, um die Symptome und Beschwerden zu bekämpfen und ein Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten. Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählt z.B. die Entlastung der betroffenen Gelenke, etwa durch Stöcke oder weiche Absätze. Medikamente wirken gegen Schmerzen und die entzündlichen Prozesse im Knorpel. Ziel jeder Therapie ist es, dass der Patient möglicht schmerzfrei lebt und beweglich bleibt. Es gibt auch neue Therapieformen, die hoffen lassen. Zum einen die Orthokin-Therapie, bei der ein gentechnisches Enzym das Abbau-Enzym im kranken Knorpel hemmt und so die Degeneration zumindest stoppt. Außerdem die Pulsierende Signal-Therapie, bei der ein elektromagnetisches Feld rund um das Gelenk aufgebaut wird, wobei die elektrischen Impulse das Gelenk positiv stimulieren. Beides wird derzeit allerdings von den Kassen noch nicht bezahlt. 

Im „Kursbuch Arthrose“ findet sich eine Fülle von Informationen. Etwa, dass schon jeder zweite über 35 Verschleiß in seinen Gelenken hat – ab dem siebten Lebensjahrzehnt hat praktisch jeder Mensch Einbußen am Knorpel erlitten. Im Spätstadium der Arthrose ist die Knorpelschicht vollständig abgerieben und die gelenkbildenden Knochen reiben direkt aufeinander. Dann wird das Gelenk steif und es hilft nur noch eine Operation mit künstlichem Gelenkersatz.

Rümelin rät, früh genug auf die ersten Anzeichen einer Arthrose zu achten.: „Arthrose entwickelt sich nicht von heute auf morgen.“. Viele merken es erst, wenn die Krankheit fortgeschritten ist, bisweilen wird sie per Zufall im Röntgenbild erkannt. Wenn der Knochen bereits angegriffen ist, kommen die Schmerzen, die sich im Lauf der Jahre steigern. Im Spätstadium schmerzen die Gelenke auch in Ruhe. Rümelins Tipp: Wenn Gelenke mehr als 14 Tage lang schmerzen, sollte man unbedingt zum Arzt gehen .

Weiter Tipps dienen der vorbeugenden Lebensführung. Übergewicht schadet, Sport ist gut, aber stets unter dem Motto „Bewegen, nicht belasten“. Der Ratgeber schließt mit einem Ausblick auf die Forschung. So wird beispielsweise der „Knorpel aus dem Labor“ angesprochen, die Wiederherstellung von Knochen und Knorpel durch Einbringung gentechnischer veränderter Zellen. Aber das dürfte noch etliche Jahre dauern.


Thomas Muster


Dr.med.Alexander Rümelin
„Kursbuch Arthrose“
184 Seiten
Südwest-Verlag
ISBN 3-517-066687-7
16,95 €