Gabriele Wolf: "Ein dunkles Gefühl"

Ein realitätsnaher Kriminalroman um falsche Verdächtigungen
 

Am 1. Mai wird ein junger Mann tot in seiner Wohnung aufgefunden. Kriminal-Oberkommissarin Friederike Weber schöpft verdacht, da der tote Markus Vierling kein Junkie und bis auf einen grippalen Infekt gesund war. Er trank keinen Alkohol, und rauchte nicht, war ein strebsamer Student und verdiente sich durch Nachhilfestunden etwas Geld hinzu. Selbstmord? Auch das war eher unwahrscheinlich.

Von Markus' Mutter erfährt die Kommissarin, dass der Tote eine Lebensversicherung abgeschlossen hatte. Liegt hier ein Tatmotiv? Friederike ist noch mitten in den Ermittlungen um den rätselhaften Todesfall, als sie schon mit dem nächsten Fall konfrontiert wird. Die dreizehnjährige Jenny zeigt ihren Stiefvater Werner Pohl wegen Vergewaltigung an. Leicht ist es für die Kommissarin nicht, an die pubertierende Jenny heranzukommen und verwertbare Aussagen zu erhalten. Beide Fälle scheinen ziemlich festgefahren zu sein. Zwischen depressiven Müttern, Familien, die keine Geborgenheit mehr vermitteln, jungen Mädchen, die in Fantasiewelten leben, weil sich die Realität nur schwer ertragen lässt,. tastet sich die Kommissarin behutsam an die Wahrheit heran. Sie erweist sich als sehr geschickt im Umgang mit der verschlossenen Jenny, und Schritt für Schritt nähert sie sich der Lösung. Doch kurz vor der Auflösung kommt es doch noch aufgrund politischer Entscheidungen zur Katastrophe.

"Ein dunkles Gefühl" ist ein packend erzählter Kriminalroman, der voller Gesellschaftskritik steckt. Hier geht es unter anderem um die Problematik von Scheidungskindern, die in ihrer Gefühlswelt oft allein gelassen werden und sich deshalb eine eigene Realität zurechtlegen müssen. Ein wunderbares Forum für ein  neues, virtuelles Leben bieten dabei die Chatrooms im Internet, die sowohl Markus Vierling als auch Jenny besucht haben.....

Das Buch ist im  Haymon-Verlag  unter der ISBN 3-85218-498-36 erschienen und kostet 19,90 €

Barbara Raudszus