| Harry G. Frankfurt: "Bullshit" |
| Ein intelligenter Essay über den Unsinn | |
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Harry G. Frankfurt, Philosophie-Professor an der Universität Princeton, hat sich jetzt dieses Begriffs angenommen und seinen Stellenwert wie seine genaue Bedeutung im nordamerikanischen Sprachumfeld analysiert. Dazu zieht er etliche Erläuterungen entsprechender Enzyklopädien und Wörterbücher heran und seziert diese Texte Wort für Wort. Unter anderem erwähnt er die mit "bull sessions" bezeichneten typischen Männergespräche, bei denen die Inhalte von der persönlichen Meinung entkoppelt werden (Sport, Sex, Alkohol, Autos...) und vermutet hinter dem dort verankerte "bull" eine bereinigte Version von "bullshit". Detailliert geht er weiteren Bedeutungsvarianten von "bull" auf den Grund, kommt dann zu der Motivation des "Bullshit"-Geredes, die er in einer ungezielten Täuschungsabsicht der Umwelt sieht. Im Gegensatz zur Lüge, die immer einen bestimmten Zweck verfolge und daher an Effizienz gebunden sei, diene "Bullshit" lediglich als Selbstzweck, z. B. um den so Redenden kurzzeitig in den Mittelpunkt zu rücken. Bei dieser Analyse stößt Frankfurt natürlich immer wieder auf innere Widersprüche, denn das Umfeld von "Bullshit" zeichnet sich eben nicht gerade durch Konsistenz und Konsequenz aus. Doch geht er diesen Widersprüchen auf den Grund und löst sie Stück für Stück auf. Anfangs erweckt das Buch - nicht zuletzt angesichts der Thematik - den Eindruck, selbst als satirische Variante des Phänomens "Bullshits" gemeint zu sein, also sozusagen als Selbstreferenz des "Bullshit". Doch die späteren handfesten und nachvollziehbaren Argumente rücken den Essay doch deutlich in den Bereich der Seriosität. Man fragt sich natürlich, wieso ein so renommierter Professor ausgerechnet über ein solch "unsinniges" Thema schreibt. Doch auch dazu kommt zwischen den Zeilen die Erklärung, wenn er anmerkt, dass "Bullshit" einen immer größeren Teil des täglichen Geredes in der Politik, dem Fernsehen sowie in der sonstigen Öffentlichkeit wie im privaten Bereich ausmacht. In diesem Sinne erweist sich der Essay als harsche Gesellschaftskritik. Das Buch ist im Suhrkamp-Verlag unter der ISBN
3-518-58450-2 erschienen und kostet 8,00 Euro. |