Eva Demski: "Das siamesische Dorf"

                                                                    
Roman über die Abgründe eines vermeintlichen thailändischen Touristenparadieses
 

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Zwei deutsche Journalisten unternehmen mit einer Reisegruppe eine mehrwöchige Reise in ein thailändisches Tourismuszentrum, um darüber eine Reportage zu schreiben. Doch anstatt über Sonne, blaues Meer, exotisches Essen, freundliche Einwohner und erotische Abenteuer zu berichten, geraten sie schon sehr bald in ein kriminelles Abenteuer, bei dem es anfangs um abgetrennte Hände und später um geheimnisvolle Klöster geht. Neben dieser auf Spannung angelegten Handlung deckt die Autorin die falschen Vorstellungen und Illusionen der Touristen auf, die in ihrer westlichen Egozentrik meinen, dass ihr Geld und ihre freundliche Urlaubsstimmung sie automatisch zu Sympathieträgern bei der örtlichen Bevölkerung machen. Dass sie für diese Menschen einfach lästige Eindringlinge eines anderen Kulturkreises sein könnten, die überdies noch in aufdringlicher Art Land und Leute wie eine Puppenstube begaffen und diese Erfahrungen - auf Fotos gebannt - als "materiellen" Wert mit nach Hause nehmen, fällt ihnen nicht ein. Die Selbstkritik des westlichen Touristen endet an der Hotelrezeption mit der Begleichung der Rechnung. 

Doch Eva Demski geht es nicht allein um die Entlarvung des westlichen Konsum- und Tourismushabitus' und seiner Folgen für die Urlaubsgebiete. Sie überfrachtet die Geschichte auch noch - ganz nach den Erfolgsrezepten amerikanischer Thriller-Literatur - mit einer geheimnisvollen Kriminalhandlung, bei der es um große Bösewichter und geheime kriminelle Strukturen geht. Am Schluss erweisen sich buddhistische Klöster als Hort der Kriminalität und als Zentren perfider Verschwörungen. Wer im Einzelnen dahinter steckt, erschließt sich dem Leser nur sehr langsam, vor allem, weil die Handlung aus zahlreichen Nebenzweigen besteht und eher für Verwirrung als für Klarheit sorgt. Offensichtlich erliegt die Autorin selbst dem Klischee des Geheimnisvollen der asiatischen Welt, das sie hier ausgiebig nutzt und bedient. Da gibt es - natürlich westliche - Investoren, die reiche Alte mit eindeutigen Gelüsten weg von Finanzamt und Erben in ein thailändisches Seniorenparadies locken wollen, da gibt es einen deutschen Kriminellen, der sich als buddhistischer Mönch in einem Kloster versteckt, da gibt es ein deutsches Hoteliersehepaar, das offensichtlich auf dubiose Weise thailändischen Aushilfen beschäftigte, die daraufhin in Thailand umgebracht wurden, und schließlich kristallisiert sich eine "großasiatische" Drogen- und Finanzmafia heraus, die vor nichts zurückschreckt. Etwas viel für einen Roman, dessen Autorin man vorwerfen muss, dass sie sich am umfassenden zeitgenössischen Asienroman versucht hat, der alle Aspekte einer fremden Welt in sich vereint und gleichzeitig den Zusammenstoß zweier Welten mit abhandelt. Um diesen "Weltenroman" zu schreiben, bedarf es jedoch anderer Handlungs- und Denkmuster als die gängigen des aktuellen kulturellen und gesellschaftspolitischen Zeitgeistes, den mittlerweile jedes Provinzblatt verbreitet. "Zu kurz gesprungen" trifft das Resultat dieses Romans wohl am ehesten, und der etwas zu schwülstige und moralisch angestrengt-aufgesetzte Stil trägt seinen Teil zu dem fragwürdigen Gesamteindruck dieses Buches bei.

Das Buch ist im Suhrkamp-Verlag unter der ISBN 3-518-41740-1 erschienen und kostet 19,80 Euro.

Frank Raudszus

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