Frank-Lothar Kroll: "Hessen - Eine starke Geschichte"

                                                                    
Die Biographie eines "künstlichen" Bundeslandes
 

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Vor über 60 Jahren, am 19.9.1945, gründete die US-Militärregierung das Land „Groß-Hessen“. 15 Monate später wurde am 1. 12. 1946 in einer Volksabstimmung die neue Landesverfassung angenommen und gleichzeitig der erste hessische Landtag gewählt. Aus diesem Anlass ist ein schön gestalteter Bildband zum Landesjubiläum erschienen, der auch in seinen Texten überzeugt.

Wie andere Bundesländer ist auch Hessen eine Art Kunstgebilde, das 1945 aus der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau und dem Volksstaat Hessen-Darmstadt geschaffen wurde. Doch im Lauf der Jahre hat sich so etwas wie ein „Hessen-Bewusstsein“ herausgebildet. Dabei spielt auch der Stolz eine Rolle: Hessen ist das wirtschaftlich stärkste Bundesland, vergleicht man die Pro-Kopf-Leistung der Bewohner in den Flächenstaaten. Dies verdankt das Bundesland vor allem der 3,5 Millionen Einwohner zählenden Rhein-Main-Region mit Frankfurt im Zentrum. Es ist eine der prosperierendsten Regionen der EU.

Und Hessen hat seit der Gründung oft eine Rolle als Vorreiter politischer Modernität gespielt. Das Buch, herausgegeben vom CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch, würdigt sachlich-fair die Leistung der Hessen-SPD nach 1945. Als Hessen der Gegenentwurf zur Adenauer-Republik war, als das „rote Musterland“ mit wirtschaftlichen Erfolgen und gesellschaftspolitischem Fortschritt glänzte. „Hessen vorn“ hieß es damals.

Das Buch beschreibt aber auch, wie die fürsorgliche Staatsgläubigkeit der SPD an ihre Grenzen geriet, wie die grüne Bewegung aufkam und wie schließlich die CDU zur dominierenden Partei wurde. 

In 13 anschaulichen Kapiteln wird der Leser auf eine Zeitreise zu den interessanten Ereignissen und Epochen der hessischen Geschichte eingeladen. Das reicht vom kriegerischen Stamm der Chatten, die sich von den Römern nie domestizieren ließen und die für den heutigen Landesnamen Pate standen, bis heute.

Das Buch beschreibt den langen Weg zur eigenen Staatlichkeit. Vorgestellt wird die Landgrafschaft Hessen, die im 16. Jahrhundert kurz eine protestantische Großmacht war. Geschildert wird das Schicksal der Freien Reichsstadt Frankfurt, deren Bürgermeister 1866 lieber in den Freitod ging als sich der preußischen Annexion zu beugen. Und porträtiert wird der letzte Großherzog von Hessen-Darmstadt, Ernst Ludwig. Ein moderner, vom Jugendstil begeisterter Regent, dem Darmstadt die Mathildenhöhe verdankt.

Hessens Geschichte prägten viele Persönlichkeiten. Der Reigen der Namen reicht von den Brüdern Grimm, Georg Büchner und natürlich Goethe bis hin zu Justus Liebig und Paul Ehrlich, um nur einige zu nennen.

Lebendig wird Hessen als Land der Vielfalt, mit den unterschiedlichsten Kulturlandschaften wie dem Weltkulturerbe Mittleres Rheintal, der Bergstraße oder dem Norden rund um die Kunstmetropole Kassel. In einem sinnfälligen Kontrast dazu steht die Skyline von „Mainhattan“. Aber auch in Frankfurt prägt die Tradition die Zukunft. Der Band endet mit einer Fotomontage, die vermittelt, in welchem Glanz die 1909 errichtete Festhalle der Frankfurter Messe nach der Rekonstruktion von vier Kuppeln im Jubiläumsjahr 2009 erstrahlen wird. Ein starkes Bild aus einem starken Land.


Alexander Hoffmann

Frank-Lothar Kroll: Hessen. Eine starke Geschichte

Konrad Theiss Verlag

ISBN 3-8062-2004-2

224 Seiten

29,90€

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