Volker Ackermann: Treffpunkt der Eliten

                                                                    
Die Geschichte des Industrieclubs Düsseldorf
 

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„Deutschlands feinster Verein“ oder „Club der Millionäre“, „Ort der Verschwörung“ und „Zentrum der Industriepolitik“ - kaum eine deutsche Vereinigung ist von so vielen Mythen und auch Märchen umwabert wie der 1912 gegründete Industrie-Club Düsseldorf. In seinem Sachbuch „Treffpunkt der Eliten – Die Geschichte des Industrie-Clubs Düsseldorf“ zeichnet der Historiker Prof. Volker Ackermann ein lebendiges Bild des wohl berühmtesten deutschen Wirtschaftsclubs. Erstmals konnte er das Archiv des Industrie-Clubs auswerten.

Von Beginn an war der Club ein Treffpunkt der wirtschaftlichen, aber auch der politischen Elite an Rhein und Ruhr. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach gehörte dazu, Wilhelm Marx, August und Fritz Thyssen ebenso wie Walther Rathenau. Ein gewisser Konrad Adenauer wachte mit darüber, dass bei neuen Mitgliedern das anspruchsvolle Niveau gewahrt wurde.

Als der Club gegründet wurde, hatte sich die einst verschlafene Residenz- und Beamtenstadt Düsseldorf zum größten Marktplatz für Eisen- und Stahlprodukte im Deutschen Reich gemausert, zum „Schreibtisch des Ruhrgebiets.“ Düsseldorf war eine Großstadt geworden, mit jenem kulturellen Flair und mondänen Chic, der sie bis heute auszeichnet. 

Der Club diente als zwanglose Kommunikationsstätte für die Entscheider, zur Entspannung und für hochkarätige Vorträge. Um Mitglied zu werden, musste man nicht unbedingt ein Stahlbaron sein. Früh öffnete sich der Club auch für Künstler, Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten und Offiziere. 

Anders als so manche Firmenchronik früherer Jahre nennt Ackermann die Dinge beim Namen, auch die unangenehmen. Er schildert präzise den Realitätsverlust bei vielen Clubmitgliedern, die noch im Herbst 1918 an den gerechten Siegfrieden glaubten. Der demokratischen Weimarer Republik stand die Mitgliedschaft mehrheitlich skeptisch gegenüber. Der Industrie-Club, so schreibt Ackermann, „war kein Club ohne Republikaner, aber offenbar nur mit wenigen Republikanern.“

Dafür nimmt Ackermann den Club gegen die bis heute virulente Legende in Schutz, die deutsche Großindustrie habe sich nach der Rede von Adolf Hitler am 26.Januar 1932 im Club dem Nationalsozialismus in die Arme geworfen und eine großzügige finanzielle Unterstützung der NSDAP beschlossen. Zwar erschien Hitler nicht im Braunhemd, sondern „in Gehrock und gestreiften Hosen“, aber so ganz überzeugen konnte er die Mehrheit der 600 Zuhörer wohl nicht. Von einer nennenswerten Finanzierung der Partei durch die „Wirtschaft“ oder die „Schwerindustrie“ konnte zum damaligen Zeitpunkt keine Rede sein.

Im Dritten Reich verlegte sich der Club aufs Lavieren, auf Anpassung, auf den Rückzug ins vermeintlich neutral Bürgerliche, Nationalkonservative. Aktuelle Themen wurden möglichst ausgeblendet. Zu Barbareien wie der Reichskristallnacht 1938 findet sich in der Clubchronik kein Wort, wie Ackermann vermerkt. Immerhin kann sich der Club eine gewisse Nische schaffen und wird erst 1942 „gleichgeschaltet.“

Der Nationalsozialismus wirft seine Schatten bis in die 50-er Jahre. 1951 wird beispielsweise ein designierter Goebbels-Nachfolger in den Club aufgenommen. Clubvorsitzender ist damals Bundesinnenminister Robert Lehr. Er hält den Vorgang für korrekt, obwohl er selbst zum konservativen Widerstand gegen Hitler gehört hatte. Für Ackermann ein „Beispiel für die Kontinuität der Eliten vom NS-Regime in die Bundesrepublik Deutschland.“ 

Später modernisiert sich der Industrie-Club. Er engagiert sich für die Völkerverständigung und fördert die Beziehungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, er öffnet sich für Jüngere. Das Niveau bleibt hoch. Die Liste der Vortragenden im Industrie-Club reicht vom US-Botschafter James B. Conant 1954 über Helmut Schmidt, Jean-Claude Juncker und Wolfgang Thierse bis hin zu Angela Merkel.

Das Buch ist lesenswert für alle, die sich für deutsche Wirtschaftsgeschichte interessieren. Es illustriert augenfällig den Glanz des deutschen Großbürgertums, sein politisches Versagen und seine Verdienste.


Alexander Hoffmann

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Die Geschichte des Industrie-Clubs Düsseldorf

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