| Alexander Masters: "Das kurze Leben des Stuart Shorter" |
| Die tragische Biographie eines Verlierers | |
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Weitere Bücher dieses Autors:
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Alexander Masters lernt den obdachlosen Stuart Shorter im Rahmen seiner Arbeiten für die Obdachlosenhilfe auf der Straße kennen und beschließt nach näherer Bekanntschaft, ein Buch über ihn zu schreiben. Dabei verzichtet er von Anfang an auf jede Fiktion oder romanhafte Ausschmückung. Das fängt damit an, dass er sich selbst mit seiner realen Identität in das Buch einbringt und die Entstehung dieses Buches in die Geschichte des Stuart Shorters hineinwebt. Damit verzahnen sich die beiden Erzählstränge einer menschlichen Biographie und des Bücherschreibens untrennbar miteinander. Außerdem wählt Masters eine zweigleisige zeitliche Anordnung: er beginnt in der realen Zeit der letzten Seiten dieses Buches, wenn er das Manuskript Stuart vorlegt - ja, er verfasst dieses Buch sozusagen zusammen mit seinem "Gegenstand" - und schraubt sich von diesem zeitlichen Gegenwartsrahmen immer wieder in ferner liegende Episoden des Shorterschen Lebens hinein. Das Buch endet schließlich mit der Schilderung von Stuarts früher Kindheit und mit seinem überraschenden (Unfall-?)Tod im Alter von 33 Jahren. Daher der Titel "Das kurze Leben....". Masters stellt sich - und Stuart - immer wieder die Frage, wie es zu
der von Gefängnis, Gewaltexzessen, Drogen, Alkohol und wieder Gefängnis
geprägten Biographie kommen konnte, nur um von Stuart zu hören, dass das
die typische Frage eines "Mittelschichtarsches" sei und ein
obdachloser Junkie und Knasti sich solche Fragen nie stelle. Doch Stück
für Stück schälen sich die fast tragisch zu nennenden Merkmale dieses
Lebens aus den Gesprächen mit Stuart und seiner Umgebung heraus. Stuart
leidet seit seiner Geburt an einer erblichen Muskelkrankheit, die den
Erkrankten irgendwann an den Rollstuhl fesseln wird und an der bereits
sein Vater verstorben ist. Der ebenso haltlose wie kranke Vater hat die
Familie früh verlassen und damit bereits einen entsprechenden Einfluss
auf den Jungen ausgeübt. Dieser wird wegen seiner anfangs leichten, aber
unübersehbaren Behinderung von anderen Kindern dermaßen gehänselt, dass
sein Komplex bereits mit elf Jahren in blinde Wut umschlägt; und als er
merkt, dass unkontrollierte Gewalt auf seine Umwelt durchaus eine gewisse
Wirkung ausübt, gewöhnt er sich an sie. Ein entscheidender Einschnitt in
seinem Leben besteht auch darin, dass ihn die Grundschule wegen dieser
leichten Körperbehinderung bereits früh in eine Behindertenschule mit
schwerstbehinderten Kindern abschiebt, die sein Weltbild nachhaltig
prägt. Die schlimmste Erfahrung muss er jedoch im eigenen Familienkreis
machen, wo sein älterer Bruder und ein angeheuerter Babysitter den
kleinen Stuart systematisch vergewaltigt. Seine frühe Flucht auf die
Straße und dann immer wieder ins Heim soll ihn vor dieser Drangsalierung
retten, doch der verständnisvolle und hoch geachtete Rektor des Heims
wird später als pädophiler Triebtäter entlarvt, der sich jahrelang vor
allem an den im anvertrauten Kindern unter vierzehn Jahren verging. Dies
alles ist dokumentarisch belegt und keine Erfindung eines fantasiebegabten
Romanautors! Masters belegt dies durch Kopien entsprechender
Zeitungsausschnitte genau wie die späteren "Ausraster" Stuart
Shorters, die man mit zunehmender Kenntnis seiner katastrophalen Jugend
immer besser versteht. |