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Anfang der
50er Jahre: Im Wettstreit um den Sitz der Bundeshauptstadt war Frankfurt am Main Bonn unterlegen, doch die Stadt nutzte ihre Chancen anderweitig. Rasch etablierte sich Frankfurt als die deutsche Finanzmetropole, als Messestadt, als internationales Verkehrszentrum. Das Buch der Frankfurter Journalistin Sabine Börchers taucht in diese Zeit ein, die Zeit, als das Wirtschaftwunder kam. Es kam nicht über Nacht, wie im Buch deutlich wird. Lange noch waren gewisse Produkte rationiert und während der Koreakrise hamsterten die Frankfurter Zucker und Öl. Doch es ging dann rasant aufwärts. Das lokale Symbol dafür war der beleibte Oberbürgermeister Walter Kolb, der so populär war wie der Vater der D-Mark, Ludwig Erhard.
Viele Frankfurter haben sich für die Autorin an diese Jahre erinnert und ihre Fotoalben geöffnet. Gerade die privaten Schwarzweiß-Fotos und die persönlichen Erinnerungen machen den besonderen Reiz dieses Lese- und Bildbandes aus und heben ihn von konventionellen Veröffentlichungen ab. Das Buch erzählt von Kindern, die noch auf Trümmergrundstücken spielten, aber bald die ersten Bananen aßen, die zu Weihnachten einen Puppenwagen bekamen oder sich nach amerikanischem Vorbild die Zöpfe abschnitten. Es erzählt von der Blütezeit des Kinos, von den Glockenröcken der Damen und von den Jungs, die sich schon damals Mühe gaben, „cool“ zu sein.
Der Band zeigt die zerstörte Stadt, wo in der Nähe des Domes Schafe grasen. Dazu die Ruine der Alten Oper, deren Betreten lebensgefährlich ist. Doch die Paulskirche ist schon wieder aufgebaut, der Kaufhof an der Zeil entsteht und zur Wiedereröffnung des Kaisersaals im Römer 1955 kommt Bundespräsident Theodor Heuß. Der Rhein-Main-Flughafen vermittelt in den Bildern noch die Idylle eines Feldflugplatzes, doch die ersten internationalen Messen erhalten bald neue Pavillons, und 1957 wird das Frankfurter Kreuz für den rasch wachsenden Autoverkehr freigegeben. Es wird gebaut und gebaut, wenn auch nicht immer ganz glücklich. Wie rasant der Wandel in Frankfurt war und ist, zeigt sich am Schicksal des AEG-Hochhauses am Mainufer – 1951 war man stolz auf den Neubau, heute ist er schon wieder verschwunden.
Eine Zeittafel veranschaulicht Jahr für Jahr den Wandel Frankfurts und seiner Bewohner. Die persönlichen Erinnerungen glänzen durch Lokalkolorit und sind doch symptomatisch für die gesamte junge Bundesrepublik. Für den Leser wird das biedere Flair der ersten „Konsum“-Läden lebendig, er erfährt, wie die 12-jährige Marika Kilius Deutsche Eiskunstlaufmeisterin wird und wie die Frankfurter Eintracht 1959 gegen die Offenbacher Kickers im Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft siegt. Der Aufbau des Zoos, die Wiederbelebung von Oper und Schauspiel werden ebenso illustriert wie Frankfurts Rolle als deutsche Jazz-Hauptstadt.
Natürlich fehlen auch die berühmten Kriminalfälle nicht, allen voran der bis heute ungeklärte Mord an Rosemarie Nitribitt 1957.
Die Autorin begleitet ihre Gesprächspartner über die Jahre hinweg, von der frühen Jugend über die Berufsausbildung bis hin zu ihren damaligen Zukunftsaussichten. So verschmelzen auf 200 Seiten Informationen, Erinnerungen und Fotografien zu einem dichten Bild Frankfurts in den 50er Jahren.
Alexander Hoffmann
Als das Wirtschaftwunder zu uns kam
Societäts-Verlag
200 S
ISBN 3-7973-0990-2
17,90 €
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