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Im Mainzer Theater wird „Kabale und Liebe“ aufgeführt. An der Stelle, wo der alte Miller von der finstren Nacht spricht, hört der Rezensent hinter sich im Publikum flüstern: „Jetzt isses soweit, dess iss die Stell, jetzt bringt er se um“. Lothar Schöne beleuchtet in seinem Städteporträt liebevoll-ironisch die vielen Facetten der Mainzer und fügt ein ebenso hübsches Porträt der Diva in der Nachbarschaft, Wiesbaden,
an. Das Stück gehört zur Sammlung „die Sternenfischer“ mit Essays und Porträts des Schriftstellers, der
u. a. mit seinem Roman „Das Jüdische Begräbnis“ bekannt wurde ( Die „Welt“ nannte es ein „Meisterwerk“).
Schöne beweist in dieser Sammlung seine souveräne Bandbreite – ob in der Beschreibung von Städten und Menschen, in der Befassung mit historischen oder zeitgenössischen, auch vordergründig banalen Themen. Er schreibt leichtfüßig, frech und mit Ironie, hinter der sich nicht selten Selbstironie versteckt. Unvergesslich die Schilderung seiner Anfangsjahre, als er selbst als Feuilletonredakteur in Mainz begann und kunstkritisch die Welt aus den Angeln heben wollte. Herrlich das Stück „Die Rivalen am Main“, die Schilderung des knisternden Verhältnisses zwischen der Frankfurter Eintracht und den Offenbacher Kickers. Schon als 14-jähriger spürte er hellsichtig die Rivalität und bemerkte, wie die Offenbacher Polizisten Besucher aus Frankfurt mit ihrem Auto elegant auf entlegene Parkplätze wegdirigierten. Und wie er dann die Spiele auf dem Bieberer Berg erlebte: „Wahrhaftig, Theater und Fußball sind verwandte Künste.“
In einem weiteren Stück schickt Schöne Geburtstagsgrüße an Kurt Tucholsky und merkt an: „Wieviel Schwere, auch schwere Arbeit, zu der Leichtigkeit eines Tucholsky gehört, konnten und können nur wenig ermessen. Kurt Tucholsky schrieb ein quicklebendiges Deutsch, anschaulich, prägnant,
treffsicher.
Lesenswert auch das fiktive Gespräch mit Carl Zuckmayer und die köstliche Abrechnung mit dem Literaturbetrieb unter dem Titel „Nichts für scheue Rehe.“ Darin beschreibt Schöne ebenso vergnüglich wie kritisch, was eigentlich ein Stadtschreiber macht (er hatte dieses Amt in Erfurt inne). Schöne plädiert für weniger Bescheidenheit der Schreibenden: „Die Schriftsteller sollten sich darüber im klaren sein, dass nicht sie den Apparat händeringend benötigen, sondern umgekehrt der Apparat sie braucht. Alle Literaturvermittler
und -verwalter, vom Agenten bis zum Lektor, vom Redakteur bis zum Literaturprofessor, leben vom Autor und seinen Hervorbringungen. Sie verdienen meist ein Vielfaches von dem, was er dankbar entgegennehmen darf.“
Alexander Hoffmann
Lothar Schöne: Die Sternenfischer
266 Seiten
Gollenstein Verlag
ISBN 3-935731-16-7
19.90 €
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