Simon Singh: "Big Bang"

                                                                    
Die Geschichte der Kosmologie von der Antike bis zur Jetztzeit
 

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Buchumschlag"Der Herr sprach: Es werde Licht" - und kaum 300.000 Jahre später brachen die ersten Lichtstrahlen aus der Ursuppe hervor. Die Erkenntnisse der heutigen Kosmologie bestätigen die Bibel insofern, als dass offensichtlich ein Schöpfungsakt stattgefunden hat, nur mit dem kleinen Unterschied, dass es bis zum Menschen nicht sieben Tage sondern etwa 15 Milliarden Jahre nach dem "Big Bang" gedauert hat. Dieser Begriff, im Deutschen mit "Urknall" übersetzt, hat ausgerechnet Fred Hoyle geprägt, der größte Gegner dieses Weltenmodells, der sich bis ins ausgehende 20. Jahrhundert vehement gegen das Modell eines "aus dem Nichts" und zu einem annähernd bestimmbaren Zeitpunkt entstandenen Universums gewehrt hat.

Simon Singh erzählt in seinem nach diesem eher sarkastisch gemeinten Begriff benannten Buch die Geschichte der Kosmologie, ihrer berühmtesten Vertreter und ihrer verschiedenen Theorien. Bereits im Altertum beschäftigten sich die Menschen mit den Bewegungen der Gestirne und erkannten bald mit bloßem Auge die unterschiedlichen Bahnen von Sonne, Mond - nicht weiter verwunderlich - und Sternen. Doch schon die Entdeckung der Planeten - anfangs nur Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn - erforderte ein genaues Studium der Himmelsbewegungen, musste man doch am nächtlichen Sternenhimmel die seltsamen Bewegungen dieser Himmelkörper erst einmal erkennen und von den festen Positionen der Sterne unterscheiden. Das Modell verschiedener um die Erde kreisenden Schalen mit den jeweiligen Himmelskörpern lag dabei nahe, ruhte doch die alte Mutter Erde still in der Mitte und ließ das Firmament um sich kreisen. Da erstaunt es doch, dass bereits im alten Griechenland einige Naturbeobachter aufgrund verschiedener Beobachtungen - langsam über dem Horizont auftauchende Schiffe - auf die Kugelgestalt der Erde schlossen und sogar deren Umfang recht gut berechneten. Dies war mit dem geozentrischen Modell durchaus vereinbar, doch einige gingen sogar soweit, die Sonne in den Mittelpunkt zu rücken und die Planeten um sie kreisen zu lassen. Leider fanden sie bei einer dem optischen Schein zuneigenden Menschheit kein Gehör. Erst eineinhalb Jahrtausende später sollte Kopernikus das geozentrische - auch das ptolemäische genannte - Modell hinterfragen und zum heliozentrischen zurückkehren. Kirche und konservative Wissenschaftler schafften es jedoch trotz Galileo und Kepler noch einige Jahrhunderte lang, die Erde im Mittelpunkt zu halten, bis schließlich die Aufklärung die Erde an den Rand eines kleinen Sonnensystems in der Milchstraße rückte.

Seit dieser Zeit widmeten sich die Forscher zunehmend der Vergangenheit - wo kommen wir her? - und er Zukunft - wo gehen wir hin ? - des Universums. Dieses ruhte eine Zeitlang in einer scheinbare  friedlichen Ewigkeit ohne Anfang und Ende, bis Edwin Powell Hubble Anfang des 20. Jahrhunderts aus der "Rotverschiebung" der galaktischen Spektren messerscharf auf die allgemeine Ausdehnung des Universums schloss. Wo jedoch ein Auseinanderstreben in alle Richtungen festzustellen ist, muss es auch einen Ausgangspunkt, vulgo: einen Anfangspunkt geben, und diesen datierte Hubble mit den damals verfügbaren Erkenntnissen auf einen Zeitpunkt vor über einer Milliarden Jahren, an dem das Iniversum schlagartig aus einem winzigen Materiepunkt buchstäblich explodiert sein musste. Diese Theorie stieß nicht nur auf einige wissenschaftliche Widersprüche - einige bekannte Sterne müssten dann älter als das gesamte Universum sein - sondern auch auf den heftigen Widerstand der gesamten traditionellen Wissenschaftswelt, die schon aus philosophisch-religiösen Gründen ein ewiges, sich immer gleich bleibendes Universum vorzog. Doch die Tatsachen sprachen gegen die Ideologien, und gegen Ende des 20. Jahrhunderts fügte sich nach mehreren Korrekturen des universalen Alters die prophezeite und endlich entdeckte kosmische Hintergrundstrahlung als letztes Steinchen in das Puzzle des Urknall-Modells, das jetzt gemäß der allgemein anerkannten Wissenschaftsmethodik bis zur Entwicklung eines neuen Modells als aktuelles Paradigma gilt.

Singh schildert die dramatische Geschichte der wissenschaftlichen Auseinandersetzung um diese beiden Modelle - "Big Bang" versus "Steady State Modell" - in seinem Buch auf lebendige und verständliche Weise. Sogar die allgemeine Relativitätstheorie Albert Einsteins, die außer diesem angeblich nur wenige Wissenschaftler wirklich verstanden haben, umreißt er in groben Zügen so, dass man sich zumindest ein grobes Bild dieser Theorie machen kann. Dabei leistet ihm das bekannte Analogon der Kugeln in einem gespannten Tuch gute Dienste. Zwar leuchtet damit die Theorie vordergründig ein, doch ihre Verpflanzung ins Dreidimensionale zwecks besseren Verständnisses lässt sie genau da stagnieren, wo sie nicht hingehört. Aber leider gibt es keine bessere Erklärung, weil wir uns ein vier- oder mehrdimensionales - und gar noch gekrümmtes! - Raum-Zeit-Kontinuum einfach nicht vorstellen können. Doch wie dem auch sei, Singh vermittelt eine Ahnung der Verhältnisse im Kosmos und des Geheimnisses der Gravitation, das auch heute noch nicht restlos und zweifelsfrei geklärt ist. Bei all diesen komplizierten wissenschaftlichen Beweisgängen und Theorien verliert sich Singh nie im Theoretisch-Wissenschaftlichen, sondern stellt immer wieder die Akteure mit ihren je eigenen Motiven, Vorstellungen und Eigenarten in den Vordergrund. So gewinnen all diese Wissenschaftlicher Konturen und menschliches Profil, und darunter ist auch so manche tragische Figur, die nie die ihr zustehende Beachtung oder Würdigung erfahren hat, nur weil sie zu früh oder in einer falschen Konstellation ihre Entdeckungen machte.

Wer sich für die Enstehung unseres Universums und vor allem für die Geschichte ihrer - bisherigen - Entschlüsselung interessiert, findet in diesem Buch eine informative, leicht verständliche und doch nie nur populärwissenschaftliche Lektüre, die sich in jedem Fall lohnt.

Das Buch ist im Deutschen Taschenbuch-Verlag (dtv)  unter der ISBN 3-423-34413-5 erschienen und kostet 10 Euro.

Frank Raudszus



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