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Simon Singh: "Big Bang" |
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Die
Geschichte der Kosmologie von der Antike bis zur Jetztzeit |
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Simon
Singh erzählt in seinem nach diesem eher sarkastisch gemeinten
Begriff benannten Buch die Geschichte der Kosmologie, ihrer
berühmtesten Vertreter und ihrer verschiedenen Theorien. Bereits
im Altertum beschäftigten sich die Menschen mit den Bewegungen der
Gestirne und erkannten bald mit bloßem Auge die unterschiedlichen
Bahnen von Sonne, Mond - nicht weiter verwunderlich - und Sternen. Doch
schon die Entdeckung der Planeten - anfangs nur Merkur, Venus, Mars,
Jupiter und Saturn - erforderte ein genaues Studium der
Himmelsbewegungen, musste man doch am nächtlichen Sternenhimmel
die seltsamen Bewegungen dieser Himmelkörper erst einmal erkennen
und von den festen Positionen der Sterne unterscheiden. Das Modell
verschiedener um die Erde kreisenden Schalen mit den jeweiligen
Himmelskörpern lag dabei nahe, ruhte doch die alte Mutter Erde
still in der Mitte und ließ das Firmament um sich kreisen. Da
erstaunt es doch, dass bereits im alten Griechenland einige
Naturbeobachter aufgrund verschiedener Beobachtungen - langsam
über dem Horizont auftauchende Schiffe - auf die Kugelgestalt der
Erde schlossen und sogar deren Umfang recht gut berechneten. Dies war
mit dem geozentrischen Modell durchaus vereinbar, doch einige gingen
sogar soweit, die Sonne in den Mittelpunkt zu rücken und die
Planeten um sie kreisen zu lassen. Leider fanden sie bei einer dem
optischen Schein zuneigenden Menschheit kein Gehör. Erst
eineinhalb Jahrtausende später sollte Kopernikus das geozentrische
- auch das ptolemäische genannte - Modell hinterfragen und zum
heliozentrischen zurückkehren. Kirche und konservative
Wissenschaftler schafften es jedoch trotz Galileo und Kepler noch
einige Jahrhunderte lang, die Erde im Mittelpunkt zu halten, bis
schließlich die Aufklärung die Erde an den Rand eines
kleinen Sonnensystems in der Milchstraße rückte. Seit
dieser Zeit widmeten sich die Forscher zunehmend der Vergangenheit - wo
kommen wir her? - und er Zukunft - wo gehen wir hin ? - des Universums.
Dieses ruhte eine Zeitlang in einer scheinbare friedlichen
Ewigkeit ohne Anfang und Ende, bis Edwin Powell Hubble Anfang des 20.
Jahrhunderts aus der "Rotverschiebung" der galaktischen Spektren
messerscharf auf die allgemeine Ausdehnung des Universums schloss. Wo
jedoch ein Auseinanderstreben in alle Richtungen festzustellen ist,
muss es auch einen Ausgangspunkt, vulgo: einen Anfangspunkt geben, und
diesen datierte Hubble mit den damals verfügbaren Erkenntnissen
auf einen Zeitpunkt vor über einer Milliarden Jahren, an dem das
Iniversum schlagartig aus einem winzigen Materiepunkt buchstäblich
explodiert sein musste. Diese Theorie stieß nicht nur auf einige
wissenschaftliche Widersprüche - einige bekannte Sterne
müssten dann älter als das gesamte Universum sein - sondern
auch auf den heftigen Widerstand der gesamten traditionellen
Wissenschaftswelt, die schon aus philosophisch-religiösen
Gründen ein ewiges, sich immer gleich bleibendes Universum vorzog.
Doch die Tatsachen sprachen gegen die Ideologien, und gegen Ende des
20. Jahrhunderts fügte sich nach mehreren Korrekturen des
universalen Alters die prophezeite und endlich entdeckte kosmische
Hintergrundstrahlung als letztes Steinchen in das Puzzle des
Urknall-Modells, das jetzt gemäß der allgemein anerkannten
Wissenschaftsmethodik bis zur Entwicklung eines neuen Modells als
aktuelles Paradigma gilt. Singh
schildert die dramatische Geschichte der wissenschaftlichen
Auseinandersetzung um diese beiden Modelle - "Big Bang" versus "Steady
State Modell" - in seinem Buch auf lebendige und verständliche
Weise. Sogar die allgemeine Relativitätstheorie Albert Einsteins,
die außer diesem angeblich nur wenige Wissenschaftler wirklich
verstanden haben, umreißt er in groben Zügen so, dass man
sich zumindest ein grobes Bild dieser Theorie machen kann. Dabei
leistet ihm das bekannte Analogon der Kugeln in einem gespannten Tuch
gute Dienste. Zwar leuchtet damit die Theorie vordergründig ein,
doch ihre Verpflanzung ins Dreidimensionale zwecks besseren
Verständnisses lässt sie genau da stagnieren, wo sie nicht
hingehört. Aber leider gibt es keine bessere Erklärung, weil
wir uns ein vier- oder mehrdimensionales - und gar noch
gekrümmtes! - Raum-Zeit-Kontinuum einfach nicht vorstellen
können. Doch wie dem auch sei, Singh vermittelt eine Ahnung der
Verhältnisse im Kosmos und des Geheimnisses der Gravitation, das
auch heute noch nicht restlos und zweifelsfrei geklärt ist. Bei
all diesen komplizierten wissenschaftlichen Beweisgängen und
Theorien verliert sich Singh nie im Theoretisch-Wissenschaftlichen,
sondern stellt immer wieder die Akteure mit ihren je eigenen Motiven,
Vorstellungen und Eigenarten in den Vordergrund. So gewinnen all diese
Wissenschaftlicher Konturen und menschliches Profil, und darunter ist
auch so manche tragische Figur, die nie die ihr zustehende Beachtung
oder Würdigung erfahren hat, nur weil sie zu früh oder in
einer falschen Konstellation ihre Entdeckungen machte. Wer
sich für die Enstehung unseres Universums und vor allem für
die Geschichte ihrer - bisherigen - Entschlüsselung interessiert,
findet in diesem Buch eine informative, leicht verständliche und
doch nie nur populärwissenschaftliche Lektüre, die sich in
jedem Fall lohnt. Das
Buch ist im Deutschen Taschenbuch-Verlag
(dtv) unter
der ISBN 3-423-34413-5 erschienen und kostet 10 Euro. Frank Raudszus |
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