Ursula Lobert: "Cheers"

                                                                    
Satirische Kurzgeschichten über Mann und Frau
 

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BuchumschlagDie Beziehungskisten zwischen den Geschlechtern bieten unendlich viel Stoff für Komödien, Tragödien, Satiren und Anekdoten. Die noch junge Ursula Lobert hat ihre Lebenserfahrungen - gegenüber der erlebten Realität bisweilen vielleicht ein wenig zugespitzt - in einem kleinen ERzählungsband zusammengefasst. In ihren Geschichten zeigt sie einiges Talent bei der Schilderung grotesker Situationen, die sich aus dem Ablauf des normalen Berufs- und Privatleben so ergeben mögen. Auf der beruflichen Seite weist die Betonung der Werbebranche auf eine entsprechende Berufstätigkeit hin, im Privaten dekliniert sie mit Vorliebe die großen kleinen Probleme des Single-Daseins durch.

Schon der einleitende bericht über eine Whiskey-Verkostung zeigt auf groteske Weise, wie mit zunehmendem Genuss des schottischen Getränks der Lack der professionellen Wohlanständigkeit - durch Zweireiher und Cocktailkleid mühevoll angelegt - Stück für Stück zum Teufel geht und die veranstaltung schließlich noch in einer überraschenden erotischen Pointe endet. In der Büro-Geschichte "Steve" werden die Zustände in einer Werbeagentur und die Fehler der Anfänger aufs Korn genommen, während in "Cheers" ein frischer Witwer und seine Seelentrösterin unwissentllich die Nachkommenschaft vertrinken. Dagegen wirkt die Frauengeschichte "Auf in den Kampf" ein wenig bemüht, jedoch nicht etwa wegen des emanzipatorischen Themas sondern wegen der ausbleibenden bzw. voraussehbaren Pointe am Schluss. In einer anderen Geschichte zaubern zwei Damen einer dritten einen Vodoo-Zauber an den Hals, der jeedoch leider - Bumerang-Pointe - beim falschen Adressaten landet. Wahrhaft makaber endet die Tragikomödie der übergewichtigen Mutter zweier Kinder, deren Mann sich am Krankenhaus Ersatzbefriedigung mit Folgen verschafft und auch im Hause nicht rastet und dafür seinen höheren Lohn erhält, und am Schluss bringt eine überlastete Frau ihren chauvinistischen und hausfaulen Ehemann auf ungewöhnliche Weise zur Hausarbeit.

All diese Geschichten sind flott geschrieben, enthalten immer eine ordentliche Portion an Sarkasmus und Satire, werden jedoch nie polemisch oder aggressiv. Die Autorin greift die Schwächen ihres geschlechtes genauso auf wie die des (un)geliebten anderen. Am Ende geht der Kampf zwischen den beiden Geschlechtern zum Vorteil für die Frauen aus. Aber das ist sie ihren Geschlechtsgenossinnen ja wohl auch schuldig, gell?

Das Buch ist im Verlag edition fischer  unter der ISBN 3-89950-273-2 erschienen und kostet 9,80 Euro. Ein gutes Mitbringsel für den nächsten Kaffeklatsch unter Kolleginnen!

Frank Raudszus



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