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Jonathan Lethem: "Du liebst mich, du liebst mich nicht" |
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Roman über
Verlierer und Träumer |
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In
dem vorliegenden Roman geht es um eine Band von vier jungen Leuten
zwischen zwanzig und dreißig. Lucinda, die Hauptperson, spielt
Bass und jobbt nebenher in einer Telefonagentur, die "Meckeranrufe"
annimmt. Matthew, ihr verflossener Freund, gibt den Sänger und
arbeitet nebenher in einem Zoo. Bedwin schreibt die Songs und macht mit
seiner großen Brille und den linkischen Bewegungen einen eher
unglücklichen Eindruck. Seine Lieder sind ausgesprochen gut, doch
für einen Nebenberuf reicht seine geringe Lebenstüchtigkeit
nicht. Da ist Denise, die temperamentvolle Schlagzeugerin, aus anderem
Holz geschnitzt, auch wenn sie ebenfalls keinen Brotberuf ausübt.
Diese vier schlagen sich von Tag zu Tag irgendwie durchs Leben, immer
auf der Suche nach einer Möglichkeit, das Essen und die Miete zu
bezahlen. Lucinda
lernt über die "Nörgler-Hotline" einen Mann kennen, der auf einem
höheren Niveau als ihre anderen Kunden über das
Leben nörgelt, und entwickelt bald eine besondere Sympathie
für den Unbekannten. Als sie sich endlich treffen, geht das
Weitere, Abzusehende sehr schnell, und Lucinda verbringt mit ihrem
bereits etwas angejahrten Liebhaber die meiste Zeit im Bett und
vergisst dabei beinahe die Bandproben. Als Lucindas Chef und ehemaliger
Liebhaber für eine abgedrehte Party die Band engagiert, zeichnet
sich für die vier Hobby-Musiker auf einmal so etwas wie eine
kleine Karriere ab. Lucinda hat ihrem Liebhaber eine Menge
Lebensweisheiten und Bemerkungen abgehört und sie Bedwin als
Anregungen für neue Songs weitergegeben, und dieser kommt
tatsächlich mit einer Reihe von originellen Stücken nieder.
Die besagte Party wird dank miserabler Organisation zwar ein Flop, doch
die Band rettet den Abend mit ihrem neuen Programm und beeindruckt
damit die zur Party eingeladenen Musikgrößen von Los
Angeles. Sie erhalten eine Einladung zu einem Live-Auftritt in einer
Radiostation und sehen sich schon als die neue Entdeckung im
amerikanischen Musikmarkt. Doch Lucindas Liebhaber lässt mit
demonstrativen und eitlen Hinweisen auf sein Urheberrecht den Auftritt
platzen und damit auch seine Beziehung zu Lucinda. Diese söhnt
sich wieder mit Matthew aus, der zwischendurch aus Tierliebe ein
Känguruh aus dem Zoo entführt und bei sich in der Badewanne
untergebracht hat. Vorher klärt sie noch die Probleme mit Matthews
eisenharter Chefin im Zoo ab und erhält Matthew seinen Job. Denise
und Bedwin tun sich musikalisch und erotisch zusammen und gründen
eine eigene Band, während Lucinda und Matthew jetzt ihr Leben neu
gestalten müssen. Am Ende sitzen die beiden am Strand und sehen
Lucindas verflossenen Liebhaber und Matthews Chefin zusammen mit dem
Tandem vorbeiradeln. Diese
kurze Zusammenfassung zeigt eine ziemlich chaotische Handlung ohne
dramaturgische Struktur und ohne durchgängige Aussage. Geradezu
demonstrativ verzichtet Lethem auf einen konsistenten und in sich
schlüssigen Handlungsablauf und beschränkt sich auf eine
Aneinanderreihung von Szenen und Episoden, die sich beim Schreiben
ergeben zu haben scheinen. Das liest sich teilweise recht witzig und
unterhaltsam, hat sein literarisches Potential jedoch bald
ausgeschöpft. Da die Protagonisten weder eine innere Entwicklung
durchmachen noch zumindest mit einem durchgängigen Konfliktstoff
konfrontiert sind, stolpern sie von einer Situation in die
nächste, und die Auflösungen eventueller Problemsituationen
ergeben sich ebenso beiläufig oder spontan. Lethem fällt
immer wieder ein Schlenker ein, der die Handlung voranbringt, wenn auch
bisweilen etwas sehr zäh. Was er mit seinem Roman ausdrücken
will, wird schon bald klar: die Beschreibung einer Generation, die in
den Tag hineinlebt, nie die Chance zum Durchbruch - sprich Erfolg -
haben wird und dennoch immer wieder von einer großen Zukunft
träumt. Dabei gelingen ihm recht sympythische und markante
Porträts der jungen Menschen, die in ihrer Ungeschminktheit
glaubwürdig und bisweilen sogar anrührend wirken. Die Figur
des Carl, zeitweiser Liebhaber von Lucinda und großer
Nörgler, bleibt jedoch seltsam zwiespältig und inkonsistent.
Fast scheint es, als habe Lethem diese Figur nur eingeführt, um
einen "Aufhänger" zu haben und - um deftige Sexszenen beschreiben
zu können. Wer jetzt jedoch - zum Beispiel aufgrund des
Waschzettels - in dieser Hinsicht wirklich "heiße Ware" erwartet,
sieht sich enttäuscht, denn besagte Szenen findet man in fast
jedem zeitgenössischen Gesellschaftsroman in ähnlichen
Abwandlungen. Für
Freunde leichter Lektüre mit einem Schuss Ironie und Anarchie ist
dieses Buch durchaus zu empfehlen, wer jedoch von einem Buch eine etwas
konkretere Aussage erwartet, wird sie hier kaum finden. Das
Buch ist im Tropen-Verlag unter
der ISBN 3-932170-98-0 erschienen und kostet 19,80 Euro. Frank Raudszus |
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