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Sybil Volks: "Café Größenwahn" |
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Historischer
Kriminalroman aus dem berlin des Jahres 1912 |
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Der
vorliegende Roman spielt im Jahr 1912 und dreht sich um eine
historische Örtlichkeit, das berühmte "Café
Größenwahn", in dem bis weit in den Ersten Weltkrieg hinein
Schauspieler und - teilweise erfolglose - Künstler wie George
Grosz und Else Lasker-Schüler verkehrten. In diesem Café
landet bald nach seinem Eintreffen in Berlin der junge, unbedarfte
Eugen Hoffmann aus der Provinz, der um des künstlerischen
Inkognitos willen - er arbeitet an DEM Drama der Dekade - ein Pseudonym
angenommen hat. Noch auf dem Bahnhof ist er einem "Bauerfänger"
auf den Leim gegangen, der ihm beim Spiel einen Teil seines schmalen
Erbes abgenommen hat, und eine noch größere Summe verliert
er bald darauf beim Roulette in einem verbotetenen Spielclub. Als
angehender berühmter Künstler gibt er im Café
Größenwahn den spendablen jungen Herrn mit Geld und erringt
auch bald zumindest die Sympathie der emanzipierten jungen Maxi, die
regelmäßig in dem Café verkehrt. Es
könnte richtig schön in diesem Boheme-Ambiente sein, mit mehr
und mit weniger arrivierten Künstlern, mit improvisierten Lesungen
und "Performances", wie man sie heute nennen würde, und mit den
unvermeidlichen Schnorrern. Doch Eugens Geld geht dem Ende entgegen,
und als Versuche mit ehrlicher Arbeit scheitern, da dem hochfliegenden
Geist des Protagonisten nicht angemessen, beschließt er, einen
Geldboten zu überfallen. Mit einiger Vorbereitung gelingt es ihm
tatsächlich, den ausgekundschafteten Boten mit einer
Eigenanweisung in eine kurz zuvor angemietete, einsam gelegene Wohnung
zu locken und ihn dort kampfunfähig zu schlagen. Leider hat Eugen
übersehen, dass Geldboten am Samstag wenig Geld auszutragen haben,
und so fällt die Beute recht mager aus. Der nur verletzte Bote
erstickt wider Erwarten an dem Knebel, und die Wirtin, die Eugen unter
einem Vorwand zwecks Befreiung des Geldboten dorthin geschickt hat,
erscheint zwei Tage zu spät und erleidet beim Anblick des Toten
einen Herzschlag. So hat Eugen plötzlich statt eines einfachen
Raubes zwei Tote auf dem Gewissen, was ihn aber nicht sehr lange
belastet. Das
unwahrscheinliche Glück, dass mit dem Tod der Wirtin die einzige
Zeugin "eliminiert" ist, macht Eugen mutig, und die wachsende Sympathie
der jungen Maxi, die selbstredend aus gutem Hause kommt, lässt den
Geldbedarf dramatisch steigen. So plant Eugen einen zweiten Coup, der
ihm diesmal die richtige Beute einbringen soll. Dazu kleidet er sich
mit dem letzten Geld ein und nimmt Logis im Adlon. Er findet sogar
einen Weg, den Geldboten ohne eine nachvollziehbare Geldanweisung in
seine Suite zu locken, und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Doch
wie der Roman ausgeht, möchten wir dem interessierten Leser nicht
verraten. Auch kann diese Zusammenfassung der Handlung nicht die
Lektüre des Bändchens ersetzen, die nicht nur spannend und
unterhaltsam geschrieben ist, sondern auch das Lokalkolorit des Berlins
vor dem Ersten Weltkrieg recht glaubwürdig wiedergibt - soweit wir
das heute beurteilen können. Die Autorin vermeidet dabei jegliches
Klischee und charakterisiert auch ihre Figuren recht treffend und
versieht sie mit individuellen, aber nie gewollt originellen
Zügen. Man lebt sich während der Lektüre
tatsächlich ein in dieses "alte" Berlin und lernt mit dem
Café Größenwahn sogar ein Stück echter Berliner
Geschichte kennen - einschließlich so skurriler Figuren wie
George Grosz und Else Lasker-Schüler. Das
Buch ist im Jaron-Verlag
unter der ISBN 3-89773-555-2 erschienen und kostet 7,95 € FrankRaudszus |
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