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Valentina Maran: "Haut an Haut" |
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Ein Reise durch
die erotische Phantasie |
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Valentina
Maran, Jahrgang 1977, lässt ihre Ich-Erzählerin eine lockere
Folge von erotischen Episoden präsentieren, in denen sie den
Begriff der "political correctness" - Sexus ist Herrschaft des Mannes
über die Frau" und Lust pur höchst verdächtig - schlicht
ignoriert. Ob es um die gemeinschaftliche Defloration einer
16-Jährigen oder um Unterwerfungsphantasien geht, Valentina Maran
schaut nicht erst im Lexikon der gesellschaftlich und emanzipatorisch
genehmen Praktiken nach, sondern ergeht sich "schamlos" in
ausschweifenden Phantasien. Bei aller Direktheit der Schilderungen und
Bezeichnungen wirkt das Buch jedoch nie "bloß pornographisch",
dazu fehlen alle Ingredienzien dieser Literatur - Sexualität um
der Demütigung willen, vordergründige Fokussierung auf
anatomische Details und schneller Durchmarsch zum Ziel der
pornographischen Geschichte. Maran nimmt sich bei all ihren Geschichten
viel Zeit, baut die Situation langsam auf und steigert die Spannung auf
kunstvolle Art , sodass die Geschichte selbst zur Analogie des
Sexualakts wird. Dabei verzichtet sie jedoch konsequent auf die
moralische Keule des "Liebe", die in vielen korrekten Augen das
Geschlechtliche erst legitimiert. Wir alle kennen die Mahnungen von
Pfarrern und Sozialarbeitern, dass Sex nur im Gleichklang mit Liebe zur
Erfüllung führe. Das mag zwar im individuellen Fall oder
sogar meistens stimmen, doch diese Ermahnungen haben etwas derart
Erzieherisches und Domestizierendes an sich, dass man allein schon aus
reinem Widerspruchsgeist der freien Liebe das Wort reden möchte.
Valentina tut dies und hat offensichtlich besonders die katholische
Kirche im Visier. Maran
schildert jedoch nicht einfach verschiedene Varianten der
Sexualität, sondern gerade in ihrem bewussten Verzicht auf die
Forderung nach Liebe legt sie auch den freiheitlichen Kern der reinen
Sexualität frei. Ihre Protagonisten, und hier besonders die
Frauen, genießen den Sex als "l'art pour l'art". Mit keinem der
Männer verbindet die Erzählerin mehr als seine sinnliche
Phantasie und seine einschlägigen Fertigkeiten. Sie benutzt die
Männer durchaus als Sexualobjekte, doch nicht so, wie es
Männer mit Frauen tun: Macht ausübend, egoistisch und
konsumierend. Ihr weibliches Sexualsubjekt weiß durchaus zu
genießen, aber dabei auch dem Partner nicht nur seine Freude zu
gönnen sondern ihn auch aktiv mit einzubeziehen.
Anschließend geht jeder seiner Wege, jedoch ohne Verletzungen,
sondern mit einem reichen sinnlichen Erfahrungsschatz. Ob das in der
Realität so klappt, sei dahingestellt, aber die Vorstellung eines
solchen Verhältnisses ist zumindes literarisch als Utopie durchaus
legitim. Außerdem, bei Valentina Maran ist "nach dem Sex" immer
auch "vor dem Sex", um eine alte Fußballerweisheit zu zitieren.
Ihre Protagonistin will zwar mit den Männern nicht das graue
tägliche Leben gemeinsam verbringen, sie freut sich aber jedesmal
auf das nächste Treffen, auch oder gerade da jedesmal die Grenzen
zur gewaltsamen Unterwerfung abgetastet werden. Wir
wollen und können hier keine Inhaltsangabe der Geschichten
wiedergeben, weil dieser Versuch zwangsläufig misslingen und
in schlechter Pornographie münden würde. Wir können nur
auf die sinnliche Dichte und tabulose Offenheit der Geschichten
verweisen, die nicht nur Liebhaber einschlägiger Literatur
erfreuen mögen sondern sicher auch literarisch breit interessierte
Leser (und Leserinnen!) Freude an der Lektüre bereiten. Doch
prüde oder gut-katholisch sollte man nicht gerade sein, will
man an diesem Buch eine gewisse Freude haben. Das
Buch ist im Ullstein-Verlag
unter der ISBN 3-550-08664-9 erschienen und kostet 7,95 € FrankRaudszus |
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