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Amélie Nothomb: "Mit Staunen und Zittern" |
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Satirischer
Erlebnisbericht aus der Arbeitswelt Japans |
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Bücher dieses Autors:
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Amélies
stiller Traum, im geliebten Japan arbeiten zu dürfen, wird wahr.
Eine große japanische Firma stellt sie, die frisch gebackene
Akademikerin, tatsächlich ein und lässt sie gleich zu Beginn
an einer vergleichweise trivialen Tätigkeit scheitern. Wie auch
immer sie den einfachen Geschäftsbrief formuliert, immer
zerreißt Ihr Vorgesetzter ihn ohne Gründe und verlangt eine
neue Version. Diese Szene dient als Motto für Amélies
gesamtes Jahr in dieser Firma, deren Angestellten es offensichtlich nur
darum geht, der verhassten Weißen ihre Unfähigkeit vor Augen
zu führen. Ihre Mentorin und unmittelbare Vorgesetzte, eine
attraktive junge Frau, konfrontiert sie mit immer neuen
Aufgabenstellungen, die nicht Amélies Qualifikationen
entsprechen und zielsicher zum Scheitern führen. Ein Grund
dafür ist die unter anderen selbständige und kompetente
Erarbeitung einer Studie über den europäischen Markt für
einen Kollegen, der durch die gelungene Arbeit der wesentlich
jüngeren Frau in den Augen der Japaner sein Gesicht verloren hat.
Die Rache ihrer Vorgesetzten führt sie schließlich in die
Firmenaborte als "Klofrau". Natürlich erledigt sie auch diese
Arbeit nicht zur Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten, aber die Freude der
eigenen Kündigung - für die Japaner ein Gesichtsverlust der
Kündigenden - gönnt sie ihr nicht. Und so verabschiedet sie
sich denn am Ende des Jahres mit viel Dank für das Erlernte und
demütigen Hinweisen auf ihre eigene Unfähigkeit, ohne dass
einer ihrer Kollegen die bitterböse Ironie hinter ihren Worten
erkennt. Ihre Vorgesetzte, die noch einmal die Demütigung der
Konkurrentin - denn als solche hat sie sie auch gesehen - in vollen
Zügen genießt, gratuliert jedoch Jahre später der
erfolgreichen Autorin zu ihrem ersten Roman..... Amélie
Nothomb rechnet in diesem Buch mit der japanischen Firmenkultur und der
die Menschen zerbrechenden Fixierung auf Hierachie und Tradition ab. In
Japan kann man - vor allem als Frau - die gesellschaftlichen
Erwartungen nur dann erfüllen, wenn man sich umbringt; alle
anderen Versuche, den Anforderungen der Umwelt gerecht zu werden,
führen zu unauflösbaren Widersprüchen, und
persönliches Glück zähltz sowieso nichts, es sei denn,
es besteht in gerade dieser unmöglichen Erfüllung der
gesellschaftlichen Forderungen. Das
Buch ist im Diogenes-Verlag
unter der ISBN 3-257-23325-6 erschienen und kostet 7,90 € Frank
Raudszus |
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