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Ian McEwan: "Am Strand" |
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Ein kritischer
Rückblick auf die prüden sechziger Jahre in Romanform |
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Soweit
die äußere Welt der beiden - die innere ist jedoch von
großen Ängsten geprägt. Florence hat vorher ein
Handbuch über Sexualität gelesen und ist dabei auf
Übelkeit erregende Ausdrücke und Wendungen gestoßen wie
"Schleimhaut", "Penisspitze" - diese Rezension im amerikanischen
Mittelwesten ist ab sofort gesperrt - oder
"eindringen". Sie hat das Gefühl, dass irgendetwas mit ihr nicht
stimmt, denn ihr Körper rebelliert gegen jeglilchen Gedanken an
nackte Haut und körperliche Liebe. Sex kann keine Freude bereiten,
er ist eher ein Preism den man für die Sicherheit der Ehe zu
zahlen hat. Edward hat dagegen durchaus Lust auf seine junge Frau und
erklärt sich ihre Zurückhaltung mit den gesellschaftlichen
Regeln, die besonders Frauen auferlegt sind. Beim
ersten Kuss nach dem Abendessen hat Florence Angst, sich in den Mund
des Bräutigams zu erbrechen, und hofft, dass der Kuss bald
vorüber ist. Vor Anstrengung und unterdrückter Anspannung
stöhnt sie, was Edward natürlich als aufsteigende Lust
interpretiert. Je näher sich die beiden kommen, desto höher
bauen sich die Ängste in ihnen auf und desto quälender wird
das Beisammensein. Als es schließlich zum Geschlechtsakt kommen
soll, geht alles schief, und noch in der selben Nacht verlässt
Florence ihren Edward. Ian
McEwan beschreibt sehr glaubwürdig die Sehnsucht nach Liebe, aber
auch die Unfähigkeit, sie in einer in Tabus erstarrten
Geselslchaft auszuleben. Etwas verspätet übt er mit diesem
Roman auch Kritik an der Unaufrichtigkeit und bigotten Prüderie
der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Das
Buch ist im Diogenes-Verlag
unter der ISBN 3-257-06607-4 erschienen und kostet 18,90 € Frank
Raudszus |
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