Michel Houllebecq: „Gegen die Welt, gegen das Leben“

                                                                    
Eine Würdigung des Horrorpoeten H. P. Lovecraft.

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BuchumschlagWer jemals mit einer gewissen Begeisterung Horrorgeschichten à la Stephen King gelesen hat, kommt an H. P. Lovecraft nicht vorbei. Im ersten Viertel des letzten Jahrhundert entwickelte der exzentrische Junggeselle mit dem Habitus eines vornehmen englischen Gentlemans seine eigene Art von Literatur, die sich an seinem Vorbild Edgar Allen Poe ausrichtete aber hinsichtlich der Radikalität des Grauens weit über diesen hinausging. Bleibt Poe noch im Unbestimmten, Unkörperlichen des Schreckens, so steigt Lovecraft hinab in die Tiefen des kollektiven Unterbewusstseins mit Figuren, die direkt den Bildern Hyronimus Bosch entlehnt sein könnten.

Lovecraft konnte seine mythischen Traumgeschichten zu Lebzeiten nicht gewinnbringend verkaufen und verarmte, unter anderem auch deshalb, da er sich wegen seines (neu)englischen Gentleman-Dünkels zu niederen Tatigkeiten zu schade war. Sein alltägliches Verhalten und sein Lebenswandel straften jedenfalls die Grauen erweckenden und verbreitenden Geschichten Lügen. Er muss eher wie ein gebildeter Vertreter einer längst ausgestorbenen (und in den USA nie existenten) Oberschicht denn als ein Erfinder von Schauergeschichten gewirkt haben.

Michel Houllebecq untersucht das Phänomen Lovecraft, seine Herkunft und seinen persönlichen wie literarischen Lebensweg und entdeckt in ihm einen Leidens- und frühen Weggenossen, was sich allerdings eher aus dem Raum zwischen den Zeilen und aus Houllebecqs Büchern ergibt. Wie Lovecraft ist auch Houllebecq von der Welt und der menschlichen Gattung angeekelt. So wie Lovecraft die Sexualität als etwas zutiefst Unästhetischen, ja Ekelhaften ablehnte (und dabei den Aspekt der Fortpflanzung unter den Tisch kehrte), so feiert auch Houllebecq in seinen Büchern kein Fest der körperlichen Liebe, sondern schildert eher die zerstörerischen Seiten der Sexualität wie Angst, Herrschaft, Unterwerfung und Einsamkeit.

Houllebecq gliedert seinen Essay von ca. 100 Seiten in drei Teile: In "Ein neues Universum" gibt er einen Überblick über den Menschen Lovecraft, seine Werke und deren Einordnung in den zeitgenössischen Kontext. In "Literarische Techniken" untersucht er die Machart der einzelnen Geschichte, die Entwicklung seines Stils und die Bezüge zu anderen Literaten dieses und verwandter Genres. Die Unterkapitel übertitelt er dabei mit Zitaten aus Lovecrafts Werken. Im dritten Teil schließlich, mit "Holocaust" überschrieben, verweist er unter anderem auf den zunehmenden, die Grenzen zur Paranoia überschreitenden Fremdenhass Lovecrafts, der in den letzten Jahren des Autors in einem Land auf einem anderen Kontinent sicher ganz andere Folgen gezeitigt hätte......

Stephen King hat zu Houllebecqs Buch ein Vorwort verfasst, und damit sind drei - in gewissem Sinne - Verwandte des Geistes in einem Buch vereint.

Das Buch ist im Rowohlt-Verlag unter der ISBN 3-499-24541-1 erschienen und kostet 7,90 €

Frank Raudszus



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