Marek Krajewski: "Die Gespenster von Breslau"

                                                                    
Ein schauriger Kriminalroman aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg

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BuchumschlagAnfang September des Jahres 1919 finden Spaziergänger in Breslau auf einer Oder-Insel die Leichen von vier schrecklich verstümmelten Matrosen. Ein beigefügter Zettel bezichtigt ausgerechnet den Kriminalbeamten Mock von der örtlichen Polizeibehörde zumindest der moralischen Schuld an diesem Mord. Im Zuge von Mocks Ermittlungen - man zieht ihn gerade wegen dieses Hinweises gezielt hinzu - kommen weitere, zwischenzeitlich von Mock befragte Personen auf ähnliche Weise ums Leben, und jedes Mal verweisen die Täter auf eine "alte Schuld" Mocks, der sich jedoch keiner kriminellen oder moralischen Verfehlung bewusst ist.

Mocks Recherchen führen immer tiefer in den Nachkriegssumpf desillusionierter Kriegsteilnehmer, promiskuitiver Kriegsgewinnler und dekadenter Adliger; auch Mocks Privatleben ist durch den Ersten Weltkrieg zerstört: wie viele seiner Zeitgenossen hängt er an der Flasche und an Prostitierten. Nur zwei Personen gegenüber zeigt er sich als sensibler, leidender Mensch: seinem alten Vater und einem Kriegskamerad, der als Arzt an einem Breslauer Krankenhaus arbeitet und zu seinem beruflichen wie privaten Beichtvater wird.

Parallel zu Mocks Ermittlungen erhält der Leser Einblick in die Aufzeichnungen des Mörders, der einem krankhaften Okkultismus frönt und im wahrsten Sinne des Wortes die antiken Rachegöttinnen beschwört. Als Mock schließlich dank aufreibender Fleißarbeit das "Okkultistennest" aushebt und die vermeintlich Hauptschuldigen dabei ums Leben kommen, scheint der Spuk beendet, doch das Schlimmste und die große private Enttäuschung warten noch auf Mock. Für den Leser bleibt nur der Trost eines aufgeklärten Verbrechens und eines bestraften Mörders, für Mock jedoch bleibt am Ende keine Hoffnung auf eine Wende zum Besseren.

Krajewski hat mit diesem Buich einen spannenden Kriminalroman geschrieben, der vor allem von seinem wirklichkeitsgetreuen Zeit- und Lokalkolorit lebt. Zu diesem Zweck hat sich der Autor unter anderem intensiv mit dem Alltagsleben, der Wohnungssituation und sogar der Kleidung der Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg beschäftig und sogar entsprechende historische Expertisen eingeholt. Man kann also davon ausgehen, dass er die historische Situation weitgehend authentisch wiedergibt. Dass manche Dinge konstruiert wirken und bisweilen in der Rückschau auch logisch nicht schlüssig erscheinen, ist angesichts der dichten Atmosphäre des Buches verzeihlich und fällt - wenn überhaupt - sowieso erst nach dem Zuklappen des Buches auf.

Das Buch ist im Deutschen Taschenbuch-Verlag (dtv) unter der ISBN 3-423-24608-8 erschienen und kostet 14,50 €

Frank Raudszus



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