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Seit dem Erfolg der Eifel-Krimis werden jede Woche neue
Regionalkrimis auf den Markt geworfen, einer stümperhafter als der
andere. Sie sind gut gemeint, aber nicht gut. Es reicht eben nicht, ein
paar Straßennamen, lokale Sehenswürdigkeiten und Kneipen als
Gerüst für eine tragfähige Story zu nehmen. Aber es gibt
erfreuliche Ausnahmen. Eine davon ist der knapp 500 Seiten starke Krimi
„Mordsfreunde“, der im Vordertaunus bei Frankfurt spielt. Für
Leser in der Weite der Republik: dort wohnen die Besserverdienenden in
ihren schicken Häusern. Die gutbehüteten Töchter dort
heißen „Taunus-Törtchen“, man golft und fährt schwere
Geländewagen. Nirgendwo sonst wie in den Orten und kleinen
Städtchen dieses schönen Landstrichs ist die Kommunalpolitik
so lebendig, aber auch anfällig für allerlei Mafiöses,
für Korruption, Grundstücksspekulationen etc..
Das ist die Folie für eine spannende Geschichte, die die Autorin
Nele Neuhaus entfaltet. Es beginnt mit einer menschlichen Hand, die ein
Tierpfleger im Elefantengehege des Kronberger Opel-Zoos entdeckt. Sie
gehört zur Leiche eines Kelkheimer Lehrers und
Umweltschützers, der ein vehementer Gegner eines großen
Straßenbauprojekts quer durch das Grün im Vordertaunus ist.
Die Kommissare Bodenstein und Pia Kirchhoff ermitteln in und um
Kelkheim und Königstein. Was haben die schöne Exfrau des
Ermordeten und der Direktor des Opel-Zoos mit der Sache zu tun? Immer
mehr Verdächtige geraten ins Visier der Fahnder, alles ist
denkbar. Dann gibt es da noch ein paar junge Leute, die ein
mysteriöses Internet-Cafe betreiben, ein zweiter Mord geschieht
und... aber mehr wollen wir nicht verraten. Nur soviel: Nele Neuhaus
hält den Spannungsbogen bis zum Finale durch und liefert eine
ebenso überraschende wie überzeugende Auflösung des
Puzzles.
Ein bisschen viel Personal ist im Roman unterwegs, aber die Hauptlinien
bleiben klar konturiert. Der Autorin gelingen runde, interessante
Figuren und Milieubeschreibungen. Einfühlsam beschreibt sie
beispielsweise junge, materiell überversorgte Menschen in ihrer
tristen Markenwelt und ebenso treffend knorrige Bauern und Metzger.
Es ist bereits der dritte Krimi der in Kelkheim lebenden Autorin, die
in der Region schon großen Zuspruch gefunden hat. Hoffen wir auf
mehr.
Franz Biber
„Mordsfreunde“ hat 494 Seiten, die ISBN-Nr. 978-3-86582-553-7 und ist
erschienen in der Edition Octopus, MV Verlag Münster, 13,90€.
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