Martin Suter: „Unter Freunden“

                                                                    
Satire aus der Management-Klasse


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BuchumschlagSchon der Titel dieses Buches ist der reinste Hohn: wovon Suter in dieser Sammlung von Glossen spricht, ist das Verhältnis karriereorientierter Manager und Management-Kandidaten untereinander. Die Erfahrung des allgemeinen Berufslebens zeigt, dass man in diesem Biotop den Begriff "Freunde" eigentlich nur satirisch verwenden kann, und das tut Suter konsequent und kompromisslos.

Die kurzen Geschichten - keine länger als zwei Seiten - bringen jeweils eine bestimmte Charaktereigenschaft, Strategie, Verhaltensweise oder Hinterhältigkeit auf den Punkt und sind für zwei unterschiedliche Schweizer Tageszeitungen geschrieben worden: erst die Weltwoche und dann den Tages-Anzeiger. Suters Geschichten zehren alle von dem Stilelement, eine Situation aus der Sicht des Protagonisten zu entwickeln, dessen zielgerichtete Handlungsstrategie vorzustellen - Ausbootuung eines Konkurrenten, Entlassung eines missliebigen Mitarbeiter, u. a. m. - und dann das ganze feine Intrigengewebe am Schluss durch eine gegenläufige Pointe platzen zu lassen und sich gegen die Hauptperson zu wenden. Nur bei seiner letzten Glosse für die Weltwoche fehlt die Pointe. Sinnigerweise beschreibt diese Glosse die letzten Aufräumarbeiten eines Geschassten - wie gesagt ohne Pointe. Man kann sich aufgrund dieser Glosse durchaus vorstellen, unter welchen Umständen Suter die Arbeit für diese Zeitung beendet hat.....

Doch zurück zu den rund hundert Satiren (wir haben nicht nachgezählt, sondern nur die Seitenzahl durch die durchschnittliche Länge geteilt): Suter zeigt hier zwar durchaus Sinn für Situationskomik, doch ist es nie der platte Witz oder gar der Slapstick, die hier regieren, sondern die beinahe böse Satire. Ja, böse ist das richtige Wort, wenn auch diese Boshaftigkeit sich stets an einem kritikwürdigen Zustand festmacht. Oft sind es die vermeintlich verständnisvollen oder mitfühlenden Verfahren, Mitarbeiter loszuwerden, genauso oft die vordergründig freundlichen Intrigen gegen einen Mitbewerber, den man mit falschem Lob überhäuft und dabei bloßstellt, oder die - stets missratenden - Einschmeicheluingen bei einem neuen Chef. Da lernt einer nächtelang die Sprache der Jäger, weil der neue CEO angeblich ein Jäger ist, und bei der ersten - souverän vom Mitarbeiter eingeleiteten - Begegnung stellt sich heraus, dass der CEO Jäger - heißt! In diesem Stil verlaufen die meisten Glossen. Mitleidlos spießen sie die Eitelkeit von Führungskräften auf, ihren unerschütterlichen Glauben an ihre gott- bzw. gengegegene Überlegenheit (wem Gott gibt ein Amt, dem gibt er auch Verstand!)  und die damit verbundene unwiderstehliche Ausstrahlung auf (junge) Frauen. Es fehlt nur noch die Glosse vom alternden CEO, der öffentlich vermeldet, er müsse eigentlich noch einmal heiraten, um seine wertvolle Gene noch weiter zu streuen....

Wir wollen hier nicht näher auf die einzelnen Glossen eingehen, weil wir uns dabei in Details verlieren und dem potentiellen Leser das Überraschungsmoment rauben würden. Wir können jedoch allen aktiven und angehenden Managern dieses Büchlein nur empfehlen, damit sie genau erkennen, wie ihre Konkurrenten - natürlich nicht sie selber! - gestrickt sind.


Das Buch ist im Diogenes-Verlag unter der ISBN 978-3-257-06568-8
erschienen und kostet 18,90 €

Frank Raudszus



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