![]() |
Joachim Kurz: „Bugatti – Der Mythos – Die Familie – Das
Unternehmen“ |
![]() |
Ein Auto als lebendige Skulptur |
Weitere Bücher desselben Autors: Ihre Meinung über E-Mail hier |
Der
Name Bugatti steht für schöne, schnelle Autos, die bis heute
nichts von ihrer Anziehungskraft verloren haben. Joachim Kurz
lässt in seinem Buch „Bugatti – Der Mythos – Die Familie – Das
Unternehmen“ nicht nur den begnadeten Begründer der Automarke, den
1881 geborenen Italiener Ettore Bugatti, lebendig werden. Er schildert
auch kenntnisreich und einfühlsam das wechselhafte Schicksal der
Künstlerfamilie Bugatti, eingebettet in die Zeitgeschichte; so war
Ettores Bruder Rembrandt Bugatti ein bekannter Bildhauer. 1909 wurde das Unternehmen Bugatti im elsässischen Molsheim gegründet, die Automobile mit dem Hufeisen-Kühler und dem Emblem EB glichen Kunstwerken und waren gleichzeitig die besten Sportwagen ihrer Zeit. In den 20-er und 30-er Jahren rasten sie von Sieg zu Sieg. Was die Marke jedoch zur Legende machte, waren ihre ästhetischen Qualitäten, die Bugattis glichen lebendige Skulpturen. Oder wie der Autor über Ettore Bugatti schreibt: „Seine mechanischen Schöpfungen waren niemals nur Gebrauchsgegenstände, sondern sie verweisen immer auf Werte, die über den reinen Nutzen hinausgehen: Eleganz, Rasse, Qualität, Schönheit und Vitalität. Sie waren beseelte Mechanik, atmende Technik und lebendiges Material.“ Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 leitete den allmählichen Niedergang des Familienunternehmens ein. Nach 1945 versuchte Ettore Bugatti einen Neuanfang, doch er starb schon 1947. Seine Firma schleppte sich noch einige Jahre dahin, ohne je wieder an den alten Glanz anknüpfen zu können. 1963 kam das endgültige Aus. Im Lauf der Jahrzehnte wurden nur rund 7950 Bugattis gebaut, von denen noch weltweit 1800 bis 2000 erhalten sind. Bei Auktionen kann ein Bugatti mehrere Millionen Euro bringen. Die Schlagzeilen beherrschte die Marke nach dem 2. Weltkrieg auf ganz andere Weise – die schweizer Industriellen Fritz und Hans Schlumpf, die im Elsass eine ganzes Textilimperium errichtet hatten, ruinierten sich mit ihrer Sammelleidenschaft für Autoklassiker, wobei sie über 100 Bugattis erwarben. Ihre Unternehmen trieb das 1977 in den Konkurs; die Brüder Schlumpf flüchteten in die Schweiz, Arbeiter besetzten die elsässischen Werke und entdeckten die bis dato unbekannte Sammlung. Das Ganze hatte ein Happy End, denn heute könne die Bugattis zusammen mit rund 400 weiteren Oldtimern im Musée National de l’Automobile in Mulhouse bewundert werden. In den 90-er Jahren scheiterte ein Versuch, die Marke wiederzubeleben, ehe Ferdinand Piëch, der Autofreak von Porsche und Volkswagen, die Sache in die Hand nahm. VW kaufte 1998 die Markenrechte und in der Folge erblickte der Supersportwagen Bugatti Veyron das Licht der Welt. Ob dies in eine ganze Modellreihe mündet, steht dahin. Der Bugatti-Markenmanager jedenfalls gab eine sympathische Zielrichtung vor. Er wünscht sich ein „intelligentes Auto mit etwas Spielwitz. Bugatti wird mit Kunst, Schönheit, Design, Eleganz assoziiert – aber nicht mit Reichtum.“ Das Buch ist im ECON-Verlag erschienen, hat 336 Seiten und kostet 24,90 €. Alexander Hoffmann |
|