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Chemnitz 1933: einmal wöchentlich trifft sich die
Elite der Stadt im ISC, dem International Service Club, zu
Vorträgen und Gedankenaustausch. Man ist sich freundschaftlich
verbunden im Club und trifft sich auch darüber hinaus. Dann kommt
Hitler an die Macht. Viele ISC- Mitglieder versuchen sich zu
„arrangieren“, andere sind begeistert vom „nationalen Aufbruch“, einige
wenige sind skeptisch bis grundsätzlich ablehnend.
Fein und bis in dichte atmosphärische Details hinein zeichnet der
Autor nach, wie sich große Teile des deutschen
Bildungsbürgertums in ihrer vordemokratischen Befindlichkeit
unmerklich in das Dritte Reich verstricken lassen, wie man die
schleichende Entrechtung der Juden und die Auflösung des
Rechtsstaats beschönigt und verdrängt, wie man den
Nazi-Pöbel zwar ablehnt, doch am „Führer“ als einer
Lichtgestalt festhält.
„Pfortensteg“ ist auch eine Art Schlüsselroman, denn der ISC steht
für die Rotary-Clubs der damaligen Zeit. Auch sie versuchten ab
1933, sich den neuen Machthabern anzupassen. Ein Beispiel: Thomas Mann,
bis dato hochgeachtetes Mitglied im Rotary Club München, wurde
umgehend ausgeschlossen. Doch Rotary blieb den braunen Machthabern
wegen der internationalen Verflechtung suspekt. Unter diesem Druck
löste sich Rotary in Deutschland 1938 von selbst auf. Immerhin
gingen einige Clubs in den Untergrund und tagten weiter – getarnt als
Gesangsverein oder Freitagsgesellschaft.
Der Roman spielt von 1933 bis 1938. Er schildert, wie die
Freundschaften zerbrechen, wie die jüdischen Mitbürger aus
dem Land geekelt werden, wie ein Freund von zwei SA-Leuten ermordet
wird und wie sich der Club schließlich auflöst. Es ist
symptomatisch für das Versagen der deutschen Eliten ab 1933.
Bei der Lektüre fühlt man sich bisweilen an die Autobiografie
„Ich nicht“ von Joachim Fest erinnert, in der dieser seinem
konservativen Vater und unerschütterlichen Hitlergegner ein
Denkmal setzte.
Das Buch ist im Rotary Verlag unter der ISBN-Nr. 978-3-00-022029-6
erschienen und kostet 17,80 €.
Alexander
Hoffmann
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