Wolfgang Soergel: Pfortensteg

                                                                    
Schlüsselroman über die Rolle des Rotary-Clubs im Dritten Reich
 

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BuchumschlagChemnitz 1933: einmal wöchentlich trifft sich die Elite der Stadt im ISC, dem International Service Club, zu Vorträgen und Gedankenaustausch. Man ist sich freundschaftlich verbunden im Club und trifft sich auch darüber hinaus. Dann kommt Hitler an die Macht. Viele ISC- Mitglieder versuchen sich zu „arrangieren“, andere sind begeistert vom „nationalen Aufbruch“, einige wenige sind skeptisch bis grundsätzlich ablehnend.

Fein und bis in dichte atmosphärische Details hinein zeichnet der Autor nach, wie sich große Teile des deutschen Bildungsbürgertums in ihrer vordemokratischen Befindlichkeit unmerklich in das Dritte Reich verstricken lassen, wie man die schleichende Entrechtung der Juden und die Auflösung des Rechtsstaats beschönigt und verdrängt, wie man den Nazi-Pöbel zwar ablehnt, doch am „Führer“ als einer Lichtgestalt festhält.      

„Pfortensteg“ ist auch eine Art Schlüsselroman, denn der ISC steht für die Rotary-Clubs der damaligen Zeit. Auch sie versuchten ab 1933, sich den neuen Machthabern anzupassen. Ein Beispiel: Thomas Mann, bis dato hochgeachtetes Mitglied im Rotary Club München, wurde umgehend ausgeschlossen. Doch Rotary blieb den braunen Machthabern wegen der internationalen Verflechtung suspekt. Unter diesem Druck löste sich Rotary in Deutschland 1938 von selbst auf. Immerhin gingen einige Clubs in den Untergrund und tagten weiter – getarnt als Gesangsverein oder Freitagsgesellschaft.

Der Roman spielt von 1933 bis 1938. Er schildert, wie die Freundschaften zerbrechen, wie die jüdischen Mitbürger aus dem Land geekelt werden, wie ein Freund von zwei SA-Leuten ermordet wird und wie sich der Club schließlich auflöst. Es ist symptomatisch für das Versagen der deutschen Eliten ab 1933.

Bei der Lektüre fühlt man sich bisweilen an die Autobiografie „Ich nicht“ von Joachim Fest erinnert, in der dieser seinem konservativen Vater und unerschütterlichen Hitlergegner ein Denkmal setzte.  

Das Buch ist im Rotary Verlag unter der ISBN-Nr. 978-3-00-022029-6 erschienen und kostet 17,80 €.

Alexander Hoffmann



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