Brigitte Röthlein: "Der Mond"

                                                                    
Neues über den Erdtrabanten
 

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BuchumschlagDer treue Begleiter der Erde - hinsichtlich des Größenverhältnisses einzig im Sonnensystem - hat seit jeher Geist und Seele der Erdbewohner bewegt und erregt. Sahen die einen in alten Zeiten darin ein quasi-göttliches Licht, andere ein Loch in der Himmelwand, durch das die Hölle leuchtete, so suchen heute noch Kinder in den Schatten der Mondoberfläche das Gesicht des "Mann im Mondes" oder Verliebte wandeln mit Vorliebe in seinem Licht durch warme Frühlingsnächte. Spätestens seit der ersten Mondlandung im Juli 1969 hat der Mond jedoch für die meisten Menschen auch eine ganz handfeste Bedeutung gewonnen. Auch wenn es nach dem letzten Besuch des Erdtrabanten Anfang der siebziger Jahre still geworden ist um unseren Mond, hat doch dieses Ereignis eine einschneidende Wirkung auf die "Mondrezeption" gehabt, bis hin zu dem pauschalen Verdacht einiger Sektierer, die Mondlandung habe nie stattgefunden.

Brigitte Röthlein, promovierte Physikerin und bekannte Wissenschaftsjournalistin, hat sich jetzt unseres Mondes angenommen und einen "Statusbericht" über das aktuelle Wissen sowie die derzeitigen und mittel- wie langfristig geplanten Aktivitäten hinsichtlich der weiteren Monderforschung und - nutzung verfasst. Das Buch beginnt mit der Geschichte der Mondforschung, u. a. einer "Zeitungsente" im frühen 19. Jahrhundert, in der die Behauptung aufgestellt wurde, auf dem Mond sei Leben - sogar menschenähnliches! - entdeckt worden. Nach dem Platzen dieser Informationsblase begnügten sich die Mondforscher erst einmal mit dem Fernrohr, um die Geografie des Mondes zu erforschen. Die Entstehung des Mondes steht im Mittelpunkt eines weiteren Kapitels, wobei die aktuelle These untermauert und erläutert wird, der Mond sei aus der Kollision der Erde mit einem etwa marsgroßen Himmelkörper enstanden. Die deutlich geringere Dichte des Mondes lässt darauf schließen, das sich dieser aus den abgesprengten "Schalenteilen" der beiden Planeten gebildet hat, während sich die schweren Kerne mehr oder minder in der Erde vereinigten. Seitdem bilden Mond und Erde ein rotierendes Gespann, das sich irgendwann in Jahrmillarden auf eine beidseitig gebundene Drehung einpendeln wird, bei der sich der Mond mit genau derselben Winkelgeschwindigkeit um die Erde wie diese  um sich selbst drehen wird. Zudem wird der sich bereits heute jährlich um 4 cm entfernende Mond entsprechend weiter draußen im Weltall stehen. Weiter geht es zur Gezeitenbildung, für die der Mond zuständig ist, und ebenso zur Stabilisierung der Erdachse und Verlangsamung der Erddrehung durch eben diesen Mond, die beide erst menschliches Leben auf unserem Planeten ermöglicht haben.

Einen großen Raum nimmt in diesem Buch natürlich das Rennen der USA und der UdSSR um die "Besetzung" des Mondes ein, das mit dem "Sieg" der USA, d. h. der Landung der Apollo-Kapsel im Juli 1969 auf dem Mond endete. Vorbereitung, Rückschläge und Katstrophen dieses Abenteuers finden genauso ihren Platz wie die Details und die gefährlichen Momente bei dem erfolgreichen Flug. In diesem Zusammenhang geht Röthlein auch auf die von Verschwörungstheoretikern geäußerte - und  immer noch verfochtene - Behauptung ein, die ganze Mondlandung habe nie stattgefunden, sondern sei nur als große Marketingshow in den Hollywood-Studios und in der Wüste von Nevada simuliert worden. Unaufgeregt und eher ironisch widerlegt sie die einzelnen abstrusen Behauptungen der Mondlandungsgegner, seien es die fehlenden Sterne auf den Fotos, die angeblich im - auf dem Mond nicht vorhandenen - Wind flatternde US-Fahne oder der fehlende Krater unter der Bremsrakete des Landemoduls.

Ein Blick in die Zukunft hinsichtlich der Nutzung des Mondes als Basisstation für weitere Weltraumabenteuer, als Produktionsstätte für besonders empfindliche elektronsiche Bauteile oder als Rohstoffbasis ergänzt die naturwissenschaftlliche Seite des Buches, bevor die Autorin zum Schluss auf die üblichen "Mondmythen" wie Mondkalender mehr oder minder esoterische Auswirkungen auf die Befindlichkeit von Menschen, Tiere und Pflanzen zu sprechen kommt. Wenn auch der Themenbereich für ein wissenschaftliches Buch vielleicht ein wenig zu weit ausufert, erfährt der Leser jedoch viel Wissenswertes und teilweise Erstaunliches und fühlt sich dank des flüssigen udn eingängigen STils der Autorin auch noch gut unterhalten.

Das Buch ist im Verlag der "premium"-Reihe des Deutschen Taschenbuchverlages (dtv) unter der ISBN 978-3-423-24678-1 erschienen und kostet 16,90 Euro.

Frank Raudszus

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