| Hans-Christian Huf: "Die Päpste" |
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Ein Gang duch die fragwürdige Historie des Vatikans |
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Huf
überspringt die ersten tausend Jahre der christlichen Geschichte
und beginnt gleich mit Papst Gregor VII. und dem berühmten "Gang
nach Canossa" von Heinrich IV. im Januar 1077. Entgegen der
landläufigen Annahme zeigt er jedoch Heinrich IV. nur
vordergründig als Verlierer dieses berühmten Zweikampfes und
verweist auf den strategischen Hintergrund dieses Ereignisses. Heinrich
IV. setzte voll auf die Pflicht des Papstes zur Vergebung und vermied
damit die von Gregor beabsichtigte endgültige Entmachtung des
Büßers vor seinen Toren. Schon Gregors Aufenthalt auf dieser
unwirtlichen Burg in den Bergen war eigentlich eine Flucht vor der
Situation, Heinrich IV. jedoch durchquerte zu Fuß die
winterlichen Alpen, um die Gnade des Papstes zu fordern. Die
spätere Entwicklung weist denn auch Heinrich als den Sieger der
Auseinandersetzung aus, während der machtbesessene Gregor
letztlich im Exil starb. Doch
Gregor bezog sein Machtbewusstsein ausschließlich aus seinem
Glauben und auf seine religiösen Aufgaben. Er verstand sich noch
nicht als weltlicher Herrscher im konkreten Sinne sondern forderte den
Primat der geistlichen über die weltliche (Welt-)Herrschaft. Als
Person folgte Gregor VII. noch weitgehend dem Askesegebot des
Christentums. Das änderte sich jedoch in der Folge mehr als
deutlich. Zwar herrschte mit Papst Coelestin noch einmal ein
weltabgewandter, man möchte fast sagen gütiger und etwas
naiver Papst, doch "von da an ging´s bergab". Schon Bonifaz III.
führte ein kirchliches "Jubeljahr" nur zu dem Zweck ein, dadurch
Geld für seine aufwendige Hofhaltung aus Klöstern und Kirchen
zu pressen. Ihm geht noch heute der Ruf der Hartherzigkeit und
Machtgier nach. Dem
Schisma, der "Doppelpapst-Zeit" mit dem Exil des Vatikans in Avignon,
und seinem weltpolitischem Hintergrund widmet der Autor ein
längeres Kapitel, das auch die allgemeine politische Entwicklung
mit dem Verhältnis des zumindest dem Namen nach noch existierenden
Deutschen Reiches, der italienischen Stadtstaaten und der
französischen Zentralmonarchie untereinander und zum Vatikan
beleuchtet. Nachdem dann die päpstliche "Doppelspitze" wieder auf
einen Pontifex reduziert und der Papst nach Rom zurückgekehrt war,
begann die grausame Zeit der Renaissance-Päpste. Schon Sixtus IV.
zeichnete sich neben seiner weltlichen Machtgier durch schamlosen
Nepotismus aus, doch seine Nachfolger Alexander Borgia und Julius II.
trieben es mit Ausschweifungen, Vetternwirtschaft und Verschwendung auf
die Spitze. In einem weltlichen Umfeld, das à priori keine hohen
moralischen Anforderungen vor sich herträgt, würde man den
Lebensstil dieser Päpste als verlottert und dekadent bezeichnen,
doch aus der Perspektive des christlichen Glaubens ist der Verfall der
Sitten im Grunde genommen unfassbar. Kaum eine Intrige oder ein
Verrat bis hin zum Mord, derer sich diese Päpste nicht bedienten. Erst
mit dem Aufkommen der Reformation - Martin Luther - und dem Zweikampf
zwischen Kaiser Karl V. und Papst Clemens VII. zeichnet sich so etwas
wie eine Normalisierung im Kirchenstaat ab. Clemens VII.
unterschätzt zwar die nordeuropäischen Protestanten, die
schließlich sogar mit militärischer Gewalt nach Italien
ziehen, und kämpft weiterhin mit dem Kaiser des Deutschen Reiches
um die alleinige Vormachtstellung. Doch seine Deutungshoheit ist zu
diesem Zeitpunkt schon weitgehend geschwunden, Königshäuser -
England! und Fürstenhöfe kündigen ihm die
Gefolgschaft und wenden sich weltlicheren Politik-Konzepten zu. Am Ende
verliert Clemens VII. sowohl gegen Karl V. als auch gegen die
Protestanten und trägt damit seinen Teil der Verantwortung
für die permanente Spaltung der christlichen Kirche. Denn die
Protestanten hatten ursprünglich auf eine "Reformation" der -
einzigen - katholischen Kirche, nicht aber auf eine Spaltung und
"Neugründung" gesetzt. In
den letzten Kapiteln kommt Huf noch auf das dunkle Kapitel Inquisition
zu sprechen, das unter Papst Paul III. begann und in Monarchen wie
Philipp II. unwürdige Vertreter aus der weltlichen Sphäre
fand. Einen letzten Höhepunkt fanden die Religionskriege und damit
die politische Bedeutung der Päpste im dreißigjährigen
Krieg, bevor sich letztere endgültig auf das geistlilche Gebiet
zurückzogen und auf jegliche weltliche Macht verzichteten. Das
heißt natürlich nicht, dass sie nicht auch in den
Jahrhunderten danach noch ihren Einfluss gelten zu machen versucht
hätten. Das Buch ist im Ullstein-Verlag unter der ISBN 978-3-550-08693-9 erschienen und kostet 24,90 Euro. Frank Raudszus |
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