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Amélie Nothomb:
"Biograpie des Hungers" |
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Eine Autobiographie mit begrenztem Erkenntniswert |
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Die
belgische
Diplomatentochter Amélie Nothomb hat in den letzten Jahren eine
Reihe ausgefallener Bücher veröffentlicht, die mal nationale
Eigenschaften, mal gesellschaftliche Auswüchse und mal
psychologische Ausnahmesituationen beleuchten. Jetzt hat sie in einem
für diese Art von Literatur zarten Alter bereits einen ersten
Rückblick auf ihr Leben vorgelegt.Allerdings dreht es sich bei dieser "Biographie des Hungers" weder um die Aufarbeitung eines ganzen Lebens einschließlich einer kritischen Würdigung der gesellschafts- oder gar weltpolitischen Verhältnisse sondern eher um eine recht persönliche Rückschau auf ihren eigenen Werdegang. Der "Hunger" im Titel bezieht sich dabei nicht auf eventuell desolate wirtschaftliche Verhältnisse sondern beschreibtz eher die Gier bereits des kleinen Mädchens nach ausgefallenen Genüssen. Diese bertreffen jedoch durchaus nicht Schokolade oder andere feine Speisen sondern anfangs einfaches Wasser. Ihr "Hunger" nach dem Unmäßigen, der - das darf man vermuten - auf eine bereits früh angelegte Neu-"gier" hindeutet, treibt sie dazu, unmäßige Mengen Wasser in sich hineinzuschütten. Dazu entwickelt sie bereits als kleines Mädchen einen Hang zum Whiskey. offensichtlich kam sie im Hause ihres Vaters im Rahmen der vielfältigen Einladungen leicht an den Alkohol und entwickelte bereits als Kind eine gewisse Abhängigkeit davon. Später, in der Pubertät, schlug diese Gier nach Wasser um in eine schwere Magersucht, auch eine Gier nach dem Besonderen. Und in all diesen bewegten Alltagsumständen lasen dAmélie und ihre Schwester die halbe Weltliteratur durch, wohl auch, weil sie aus verschiedenen gründen von der jeweiligen Umwelt abgeschottet waren. Diese Umwelt bestand in den Kleinkindjahren aus Japan, wo Amélie Nothomb auch geboren wurde, dann aus New York, später Bangladesch und anderen Stationen. Amélie skizziert mit wenigen Strichen das jeweilige Land, lässt sich ein wenig über die rigide Disziplin in japanischen Kindergärten aus, macht sich - zu Recht - lustig über die amerikanischen Jugendbetreuer, die erstens stets Belgien mit Bulgarien verwechseln ("Ist es nicht schön, endlich einmal in einem freien Land zu leben?") und sich dem heranwachsenden Mädchen auf sehr dubiose Art und Weise nähern, udn verweilt länger bei den schrecklichen Zuständen im völlig verarmten Bangladesch. Man sieht bereits aus dieser Aufzählung, dass Amélie ohne sonderliches Konzept - außer dem chronologischen - eine Station an die andere hängt und einfach ihre Erinnerung spazioeren führt. Das liest sich über Strecken recht amüsant, lässt jedoch am Ende eine schlüssige Aussage vermissen. Entweder hat sie ihre Kindheitserinnerungen eines Tages in einem alten Tagebuch wiederentdeckt oder all die geschichten wurden im Familienkreise so oft erzählt, dass sie sich schließlich entschloss, sie als Buch zusammenzufassen. Der Verlag mag sich gedacht haben, dass dieses Buch auf der Nothomb-Welle ganz gut gehen könnte. Nothomb-Fans, die jedes Buch von ihr gelesen haben und sie verehren, mögen auch dieses Buch in den zugehörigen Schrein stellen, andere Leser werden wie der Rezensent zu dem Schluss kommen, dass man dieses Buch nicht unbedingt gelesen haben muss. Hat man es jedoch getan, ist es auch kein Schaden. Die "Biographie des Hungers" ist im Diogenes-Verlag unter der ISBN 978-3-257-06697-5 erschienen und kostet 18,90 €. Frank Raudszus |
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