Claudio Paglieri:"Keine Pizza für Commissario Luciani"

                                                                    
 Juli 2010 Ein italienischer Krimi über korrupte Politiker
 

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BuchumschlagDass Rezensionen von Kriminalromanen bei uns eher ein Schattendasein führen, ist durchaus nicht auf intellektuelle Arroganz zurückzuführen. Der Rezensent liest gerne einmal einen spannenden Krimi, doch der Stapel aus sonstigen Rezensionsexemplaren hindert ihn im Alltag leider zu oft an der leichten Lektüre. Da bieten dann sommerliche Wochen am Strand die ide
ale Gelegenheit, mal wieder zusammen mit dem Kommissar auf die Suche nach dem Mörder zu gehen.

Im vorliegenden Roman ist Commissario Marco Luciani, den Freunde dieses Autors bereits aus anderen Romanen kennen, mit dem scheinbaren Selbstmord eines  Altersheimbewohners konfrontiert, der in Rom seine Nichte besuchen wollte und sich auf dem Rückweg aus noch ungeklärten Gründen eine Kugel in den Mund schoss, bevor er im Mittelmeer ertrank. Der Leser weiß oder ahnt zumindest zu diesem Zeitpunkt bereits, dass mehr hinter dem Tod des Alten steckt, da ihm der Autor Autor bereits zu Beginn den Bösewicht und sein Motiv für alle möglichen Schandtaten vorstellt. Der Universitätsrektor Ranieri "erbt" von seinem despotischen Vater eine wertvolle antike Statue, die offensichtlich aus dubiosen Quellen stammt, da sie der Verblichene sonst nicht ein halbes Leben lang im Keller versteckt hätte. Statt diesen Fund sofort den staatlichen Stellen zu melden, plant Ranieri vom ersten Moment an die persönliche Nutzung und entwickelt eine wasserdichte Strategie, um selbst in den rechtlich einwandfreien Besitz der Statue zu kommen. Dabei soll ihm seine junge Geliebte helfen, die er nach gelungenem Coup auf Kosten seiner Frau und Kinder heiraten will. Doch die junge Frau hat eigene Pläne und benutzt den nicht mehr ganz jungen Professor als Sprungbrett für ihre eigene Karriere, ohne dass dieser es merken darf. Ranieri selbst plant eine politische Karriere, bei der ihm der spektakuläre"Fund" der Statue helfen soll.

All das erfährt der Leser vom Autor, während Commissario Luciani im Dunkeln tappt und von seinen Vorgesetzten bedrängt wird, den offensichtlichen Selbstmordfall zu den Akten zu legen. Doch zu viele Dinge sind unklar oder widersprechen sich bei diesem Fall, und für den Leser klärt sich bereits in dem Moment Einiges auf, als er die wahre Identität der im fernen Rom ermordeten jungen Journalistin erfährt. Von diesem Augenblick an geht es für ihn nur noch um die Frage, inwieweit der bereits bekannte "Bösewicht" in die Todesfälle verwickelt ist und wie Commissario Luciani die Fäden entwirrt. Dieser verfügt nämlich über wesentlich weniger Informationen und muss sich die Bruchstücke mühsam gegen den Widerstand seiner Vorgesetzten zusammenklauben. Denn diese stehen offensichtlich unter dem Druck des bereits zum Minister aufgestiegenen Ranieri.

Es versteht sich von selbst, dass der asketische und unbeweibte Sonderling Luciani sich gegen alle Widerstände aus reinem Gerechtigkeitsfanatismus - Philipp Marlowe lässt grüßen - weiter in den Fall verbeißt und die Mosaiksteinchen für die Lösung des Falles Stück für Stück zusammenfügt. Zum Schluss bietet der Autor dem Leser noch den obligatorischen nächtlichen "Showdown" in einem verlassenen Gefängnis auf einer einsamen Insel, wo die Eulen unheimlich kreischen, Ratten umherhuschen, der Mond fahl durch die Mauerritzen scheint und die Kugeln durch die Nacht jaulen. Doch am Ende liefert Luciani die Mörder ans Messer der Gerechtigkeit und verschwindet selbst in der Bescheidenheit des subalternen Beamten, der seinen Erfolg nur in der Stille genießen darf.

Das Buch ist im Aufbau-Verlag unter der ISBN 978-3-7466-2607-9 als Taschenbuch erschienen und kostet 9,95 Euro.

Frank Raudszus

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