| Maximilian Steinbeis:"Pascolini" |
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Eine bayerische
Räuber- und Gesellschaftssatire der frühen Nachkriegszeit |
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Die
Lektüre
weckt
bereits
nach wenigen Seiten Assoziationen an die Romane Leon
Feuchtwangers, in denen dieser die bayerische Mentalität und den
typischen politischen und gesellschaftlichen Filz seiner Zeit
schildert. Doch während es bei Feuchtwanger meist um Politik von
der Kommune bis zum Land sowie um gesellschaftliche Rituale und
menschliche Schwächen geht, die das katastrophale Ende nur
andeuten, lässt Steinbeis in seinem Roman den Tod reiche Ernte
einfahren. Mit fast kabarettistischer Beiläufigkeit erwähnt
er Attentate schrecklichen Ausmaßes mit toten Frauen und Kindern
oder lässt sich die bayerischen Widersacher mit fast
sportlicher Gelassenheit gegenseitig umbringen. Und wenn dann wieder
ein Katholik oder "Evangelischer" eines grässlichen Todes
gestorben ist, sind die Bürger eher parteipolitisch empört
denn menschlich betroffen. Ein Menschenleben gilt hier
grundsätzlich wenig, frei nach dem Motto "Der Herr hat's gegeben,
der Herr hat's genommen". Und die Rache folgt nie aus dem verwundeten
Herzen eines Angehörigen sondern aus dem verletzten Ehrgefühl
der Kumpane des Verschiedenen. Auch die Polizei ist bei Steinbeis nur
eine Partei unter mehreren, und das nicht etwa unbewusst, sondern im
vollen Bewusstsein ihrer Parteilichkeit. Polizist und Anarchist kennen
sich gegenseitig gut, trinken auch gerne mal ein Bier zusammen, bringen
sich aber bei nächster Gelegenheit ebenso gerne gegenseitig um.
Diese Eigenart des Romans erinnert an Grimmelshausens "Simplicissimus",
der dem unverständlichen Grauen seiner Zeit ebenfalls nur noch mit
schwärzestem Galgenhumor und vorgetäuschter Naivität
begegnen kann. Das
wesentliche
Konfliktpotential
besteht neben den Autonomiebestrebungen
ominöser Untergrundbewegungen im wesentlichen in dem Gegensatz
zwischen alteingesessenen Katholiken und zugereisten - oder
-geflüchteten - "Evangelischen". Dabei berufen sich die
hauptsächlich aus einfachen Schichten stammenden
Katholiken auf althergebrachte Traditionen, während die
evangelischen Neulinge überwiegend die Staatsgewalt und die
Geschäftswelt repräsentieren. Dass die katholische Kirche in
diesem Dauerkonflikt nicht nur aus dem Hintergrund kräftig
mitmischt, versteht sich von selbst. Im
Mittelpunkt
der
Handlung steht der "Ur-Bayer" Mathias Pascolini,
Abkömmling einer geschäftstüchtigen Gastronomenfamilie
und Sohn eines ehemaligen SS-Offiziers. Als Kopf einer Schmugglerbande
an der damals noch existierenden österreichischen Grenze
erhöht er nicht nur das Einkommen des mütterlichen Gasthofes
sondern erwirbt sich auch beim einfachen Volk den Ruf eines bayerischen
Robin Hood und wird als "Hiasl" dank verschiedener gescheiterter
polizeilicher Zugriffe zu einer lokalen Legende. Maximilian Steinbeis
schildert das bewegte Leben dieses so unerschrockenen wie rechtsfernen
Mannsbildes mit einem tüchtigen Schuss Humor, der, wie bereits
gesagt, an Grimmelhausens "Simplicissimus" erinnert und bei dem Mord
und Totschlag zu pittoresken Randerscheinungen einer aus dem
Ruder gelaufenen Zeit gehören. Interpretiert man diesen
"leichtfüßigen" Umgang mit dem Tod mehr von einer
satirisch-literarischen denn von einer moralisch-ethischen Seite, so
entwickelt dieses Buch eine volkstümliche, ja fast anarchische
Qualität und entlarvt mit seiner "Großzügigkeit"
gegenüber dem Tabu den Zustand der damaligen Zeit und Gesellschaft. Das Buch ist im Aufbau-Verlag unter der ISBN 978-3-351-03296-8 erschienen und kostet 19,95 Euro. Frank Raudszus |
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