Joseph Caldwell: "Das Schwein war's"

                                                                    
 August 2010 Eine irische Kriminalkomödie mit offenem Ende
 Bewertung nach Kategorien
(max 5 Punkte):
 

Logik: 2
Aussage: 2
Spannung: 2
Humor: 3
Komplexität: 2
Verständlichkeit: 4
Stil: 3






Als PDF-Datei





 





  Ihre Meinung über E-Mail hier


BuchumschlagAaron, ein Universitätsdozent in den Dreißigern, besucht seine Tante Kitty in ihrem einsamen Haus an der irischen Westküste, um sich seinem Weltschmerz hinzugeben. Eine Studentin, die er mit seiner Liebe beglücken wollte, zeigte nicht die erwartete Dankbarkeit ob dieses unverhoffte Glücks sondern eher die kalte Schulter. Da Aaron sich im Grunde genommen als Glücksfall für jede Frau betrachtet, schmollt er ob der Undankbarkeit der Welt und will sich in langen, einsamen Strandspaziergängen entlang des tosenden Atlantiks mit entsagungsvollem Blick und zerfurchter Stirn von der schnöden Welt abwenden. Doch dazu bleibt ihm keine Zeit, da sich sein Aufenthalt wesentlich aufregender entwickelt als gedacht. Bei der Anreise zum Haus seiner fast gleichaltrigen Tante kommt er einer hübschen Schweinehirtin ins Gehege und legt sich mit einem der Schweine an. Dieses verliert darauf die Herde und folgt Aaron als seiner neuen Bezugsperson.

Kurz darauf wühlt das Schwein auf der Suche nach Nahrung Kittys gesamten Nutzgarten auf und entblößt dabei eine bereits skelettierte männliche Leiche. Die Tante verhindert Aarons spontanen Anruf bei der Polizei mit der Bemerkung, so etwas löse man diskret und privat alleine. Dummerweise naht zum falschen Zeitpunkt die Schweinehirtin und zählt zwei und zwei zusammen. Damit nicht genug, kommt Sweeny, ein Mann aus dem Dorf und stiller Verehrer der Tante, ebenfalls vorbei und hinter das Geheimnis. Schnell hält in einer Art von "Kreisfahndung" jeder einen anderen für den Täter: Aaron und die Schweinehirtin seine Tante, diese und Sweenie die Schweinehirtin. Jetzt beginnt ein grotesker Tanz um die Leiche, die jeder auf seine Weise entsorgen will. Die beiden Frauen bereiten eine neue private Beisetzung vor, während Aaron immer noch für die Polizei plädiert und Sweeny die Leiche den Dorfbewohnern übergeben will. Zwischendurch betrinkt sich Aaron im Pub, greift einen Besucher tätlich an und ertrinkt am nächsten Tage beinahe bei dem Versuch, eben diesen fremden Mann aus vermeintlicher Seenot zu retten. Sweeny kann ihn im letzten Augenblick retten.

Alles geht kunterbunt durcheinander, zwei Polizisten erscheinen auf der Suche nach einem Straftäter auch noch im Hause und werden in einen Geheimgang unter dem Haus geschickt, bevor sie die Leiche entdecken können. Am Ende bezichtigen sich alle des Mordes und beerdigen den Toten ein zweites Mal. Das anfangs vermutete Happy End gibt es auch noch, aber der Mord bleibt ungeklärt.

Eigentlich kann man dieses Buch nicht als Kriminalroman bezeichnen sondern eher als Kriminalgroteske. Der Autor bringt viel irisches Lokalkolorit ein oder zumindest dass, was man dafür hält. Die Ir(r)en saufen und reden die ganze Zeit wie in "Finnegan's Wake", sind pathetisch, skurril, rührselig und stur wie die Ochsen. Ob das in der Realität so stimmt, sei dahingestellt, doch ist dieser Beschreibung ein gewisser Heiterkeitswert nicht abzusprechen. Die Handlung ist jedoch ziemlich albern und nicht immer stimmig (darauf kommt es dem Autor wohl auch nicht an), dafür enthält sie reichlich Situationskomik und etwas Slapstock.

Für einen Nachmittag am Strand ist dieses Buch ganz nett, aber man muss es nicht gelesen haben.

Das Buch ist im Aufbau Taschenbuch-Verlag unter der ISBN 978-3-7466-2627-7 erschienen und kostet 8,95 Euro.

Frank Raudszus

Übersicht

Gästebuch

Home

Hier bestellen bei AMAZON