Nick McDonell: "Ein hoher Preis"

                                                                    
 Oktober 2010
Roman über die Verwicklungen von Terrorismus, Freiheitsbewegungen und Geheimdiensten



 
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BuchumschlagDieser Roman bildet in etwa den Erfahrungshorizont des erst 26 jahre alten Autors ab, der neben seiner schriftstellerischen Arbeit noch als Journalist im Nahen Osten und in Afrika arbeitet. Die Handlung spielt sich im Wesentlichen an der Harvard-Universität und in Somalia ab. Teak, ein junger Mann Mitte zwanzig, arbeitet an der ostafrikanischen Küste für eine internationale Naturschutzbehörde, beobachtet jedoch in Wirklichkeit als Mitarbeiter der CIA die Entwicklung in dieser Region und vor allem die wichtigen Mitspieler in der undurchsichtigen Melange aus einer instabilen Regierung, unterschiedlichen Freiheitsbewegungen und internationalen Geheimdiensten. Er selbst kam noch als Student zur CIA, die über Ehemalige die Besten jedes Jahrgangs zu rekrutieren versucht.

Bei dem Besuch eines von den USA unterstützten Rebellen, der gegen die korrupte Regierung kämpft und von deren Geheimdienst verfolgt wird, gerät Teak in eine Vernichtungsaktion, die dem Rebellen gilt, jedoch nur die Dorfbevölkerung niedermetzelt. Entsetzt muss Teak feststellen, dass ein Amerikaner die Aktion leitet, und entkommt selbst nur mit Glück der Liquidierung.

Parallel dazu empfängt eine Harvard-Professorin den Pulitzerpreis für ein besonders engagiertes Buch über Ost-Afrika und Somalie, in dem sie den gerade knapp dem Tod entronnenen Freiheitskämpfer als leuchtendes Beispiel hervorgehoben hat. Weitere Personen in diesem Spiel sind in Somalia der dortige, von Teak als zwielichtig empfundene CIA-Resident und ein lokaler Gefolgs- und Mittelsmann des besagten Freiheitskämpfers. In Harvard spielen noch ein etwas heruntergekommener und in die Professorin verliebter iranischer Journalist sowie die Studentin Jane und ihr schwarzer Freund David eine Rolle.

Als die Vernichtung des somalischen Dorfs bekannt wird, machen die USA den Freiheitskämpfer dafür verantwortlich. Gleichzeitig läuft eine anonyme Kampagne gegen die Professorin an, um sie zu verleumden und als Fürsprecherin des so Beschuldigten unglaubwürdig zu machen. David, der aus der Nähe des vernichteten Dorfes kommt, gerät unfreiwilig in die Fänge der CIA: man lässt ihn wissen, dass sich unter den angeblich von dem bewunderten Freiheitskämpfer getöteten Dorfbewohnern auch seine Cousins befinden, und kann ihn für eine öffentliche Rede bei einer Initiierungsveranstaltung an der Harvard-Universität gewinnen, bei der er als "Betroffener" dem bisher verehrten Rebellen abschwört und damit auch seine Professorin bloßstellt. Diese hat genauso wenig wie ihr - platonischer - Freund, der iranische Journalist, keine Möglichkeit, die Vorwürfe zu entkräften, und sieht sich der Kampagne gegen sie hilflos ausgeliefert.

Zur gleichen Zeit fliegt Jane zu einer Art journalistischem Praktikum nach Somalia und lernt dort Teak kennen. Abgesehen davon, dass jetzt die in solchen "Thrillern" übliche Liebesgeschichte einsetzt, klärt Teak sie über den wahren Verlauf der besagten Aktion auf und schickt sie mit dem Auftrag zurück in die USA, die Dinge nach Kräften zurechtzurücken. Doch Jane vermag als Studentin nichts gegen das dichte Geflecht der subtilen CIA-Lügen auszurichten, da die Vertreter des Geheimdienstes die herrschende Meinung längst über entsprechende "Beweise" gefestigt haben. Selbst ihren Freund David kann sie nicht von dem Augenzeugenbericht aus Somalia überzeugen.

So bleibt nur die Frage, warum die CIA sich so radikal von ihrem einstigen Zögling getrennt hat und inwieweit sie selbst in die Vernichtungsaktion involviert war. Teak versucht auch das in Somalia herauszufinden und geht tatsächlich unter lebensbedrohenden Bedingungen der wahren Identität des Freiheitskämpfers auf den Grund. Dieser erwiest sich als weniger idealistisch denn politisch interessengeleitet und sollte wohl sterben, weil er auf eigene Faust gearbeitet hat. Wenn am Ende zumindest die meisten Fäden entwirrt sind und man ein mehr oder weniger akzeptables "happy end" erwartet, setzt der Autor noch eine letzte bittere Pointe.

Der Roman bemüht sich, das Genre des reinen Polit-Thrillers zu überwinden und die Frage der politischen Moral zumindest implizit zu stellen. Die CIA ist bei ihm nicht - wie etwa bei Tom Clancy  - integre Retterin aller amerikanischen und menschlichen Werte, sondern eine zwielichtige Institution, deren Vertreter als ehrwürdige und gebildete Harvard-Alumni auftreten, hinter den Kulissen jedoch ein zynisches Machtspiel inszenieren. Die Universität selbst stellt sich als eine Institution dar, die vor allem um ihre Pfründe und Budgets besorgt ist und ein Mitglied ihres Lehrkörpers bei politischer Zweckmäßigkeit zu opfern bereit ist. Die Harvard-Studenten, besonders die einheimischen, kommen als "jeunesse dorée" daher, die gern mit Champagner und Smoking durch die Gegend zieht, sich über andere, sozial niedriger gestellte Kommilitonen lustig macht und das studentische Leben nur gebremst ernst nimmt.

Trotz der durchaus glaubwürdigen Milieuschilderungen bleibt doch vieles unklar. Der gewichtigste Einwand gilt der Person des Freiheitskämpfers, über dessen Motive überhaupt nichts bekannt wird. Er dient eigentlich nur als Staffage für die Handlung in Harvard, erhält jedoch kein eigenes Gesicht. Nach dem Überfall auf das Dorf ist er nur noch ein Name. Ähnliches gilt für die Professorin, deren Schicksal am Ende in der Luft hängt und deren Familienleben etwas zu sehr den Klischees des US-Kinos gleicht. Der junge Teak ist offensichtlich das "alter ego" des Autors und in dieser Gestalt positiv-skeptisch gezeichnet. Teak ist jemand, der lange an seine Arbeit für die CIA geglaubt hat, zum Schluss aber daran fast zerbricht. Seine zwischenzeitliche Freundin Jane erhält zwar anfangs durchaus eine Kontur als selbstbewusste, etwas eigensinnige Studentin, später jedoch verflacht ihr Profil, wenn ihr dramaturgisches Ziel erreicht ist. Am Schluss hängen einige lose Fäden herum, die den Autor nicht mehr interessiert zu haben scheinen. Sein Interesse gilt im Wesentlichen der Situation in Somalia, alles andere ist zweitrangig. Warum er kurz vor Schluss noch drei Protagonisten an einem profanen Autounfall sterben lässt, erschließt sich dem Leser ebenfalls nicht. Ein bisschen Tragik muss anscheinend sein.

Trotz dieser Schwächen liest sich das Buch flott und spannend und vermittelt einen Eindruck von der politischen Situation in Somalia und dem Spannungsfeld zwischen Politik und Geheimdiensten. Man kann annehmen, dass viele der geschilderten Details durchaus zutreffen.

Das Buch ist im "Berlin-Verlag" unter der ISBN 978-3-8270-0944-9 erschienen und kostet 22 €.

Frank Raudszus




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