| Nick McDonell: "Ein hoher Preis" |
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Roman über die Verwicklungen von
Terrorismus, Freiheitsbewegungen und Geheimdiensten |
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Bei
dem Besuch eines von den USA unterstützten Rebellen, der gegen die
korrupte Regierung kämpft und von deren Geheimdienst verfolgt
wird, gerät Teak in eine Vernichtungsaktion, die dem Rebellen
gilt, jedoch nur die Dorfbevölkerung niedermetzelt. Entsetzt muss
Teak feststellen, dass ein Amerikaner die Aktion leitet, und entkommt
selbst nur mit Glück der Liquidierung. Parallel
dazu empfängt eine Harvard-Professorin den Pulitzerpreis für
ein besonders engagiertes Buch über Ost-Afrika und Somalie, in dem
sie den gerade knapp dem Tod entronnenen Freiheitskämpfer als
leuchtendes Beispiel hervorgehoben hat. Weitere Personen in diesem
Spiel sind in Somalia der dortige, von Teak als zwielichtig empfundene
CIA-Resident und ein lokaler Gefolgs- und Mittelsmann des besagten
Freiheitskämpfers. In Harvard spielen noch ein etwas
heruntergekommener und in die Professorin verliebter iranischer
Journalist sowie die Studentin Jane und ihr schwarzer Freund David eine
Rolle. Als
die Vernichtung des somalischen Dorfs bekannt wird, machen die USA den
Freiheitskämpfer dafür verantwortlich. Gleichzeitig
läuft eine anonyme Kampagne gegen die Professorin an, um sie zu
verleumden und als Fürsprecherin des so Beschuldigten
unglaubwürdig zu machen. David, der aus der Nähe des
vernichteten Dorfes kommt, gerät unfreiwilig in die Fänge der
CIA: man lässt ihn wissen, dass sich unter den angeblich von dem
bewunderten Freiheitskämpfer getöteten Dorfbewohnern auch
seine Cousins befinden, und kann ihn für eine öffentliche
Rede bei einer Initiierungsveranstaltung an der
Harvard-Universität gewinnen, bei der er als "Betroffener" dem
bisher verehrten Rebellen abschwört und damit auch seine
Professorin bloßstellt. Diese hat genauso wenig wie ihr -
platonischer - Freund, der iranische Journalist, keine
Möglichkeit, die Vorwürfe zu entkräften, und sieht sich
der Kampagne gegen sie hilflos ausgeliefert. Zur
gleichen Zeit fliegt Jane zu einer Art journalistischem Praktikum nach
Somalia und lernt dort Teak kennen. Abgesehen davon, dass jetzt die in
solchen "Thrillern" übliche Liebesgeschichte einsetzt, klärt
Teak sie über den wahren Verlauf der besagten Aktion auf und
schickt sie mit dem Auftrag zurück in die USA, die Dinge nach
Kräften zurechtzurücken. Doch Jane vermag als Studentin
nichts gegen das dichte Geflecht der subtilen CIA-Lügen
auszurichten, da die Vertreter des Geheimdienstes die herrschende
Meinung längst über entsprechende "Beweise" gefestigt haben.
Selbst ihren Freund David kann sie nicht von dem Augenzeugenbericht aus
Somalia überzeugen. So
bleibt nur die Frage, warum die CIA sich so radikal von ihrem einstigen
Zögling getrennt hat und inwieweit sie selbst in die
Vernichtungsaktion involviert war. Teak versucht auch das in Somalia
herauszufinden und geht tatsächlich unter lebensbedrohenden
Bedingungen der wahren Identität des Freiheitskämpfers auf
den Grund. Dieser erwiest sich als weniger idealistisch denn politisch
interessengeleitet und sollte wohl sterben, weil er auf eigene Faust
gearbeitet hat. Wenn am Ende zumindest die meisten Fäden entwirrt
sind und man ein mehr oder weniger akzeptables "happy end" erwartet,
setzt der Autor noch eine letzte bittere Pointe. Der
Roman bemüht sich, das Genre des reinen Polit-Thrillers zu
überwinden und die Frage der politischen Moral zumindest implizit
zu stellen. Die CIA ist bei ihm nicht - wie etwa bei Tom Clancy -
integre Retterin aller amerikanischen und menschlichen Werte, sondern
eine zwielichtige Institution, deren Vertreter als ehrwürdige und
gebildete Harvard-Alumni auftreten, hinter den Kulissen jedoch ein
zynisches Machtspiel inszenieren. Die Universität selbst stellt
sich als eine Institution dar, die vor allem um ihre Pfründe und
Budgets besorgt ist und ein Mitglied ihres Lehrkörpers bei
politischer Zweckmäßigkeit zu opfern bereit ist. Die
Harvard-Studenten, besonders die einheimischen, kommen als "jeunesse
dorée" daher, die gern mit Champagner und Smoking durch die
Gegend zieht, sich über andere, sozial niedriger gestellte
Kommilitonen lustig macht und das studentische Leben nur gebremst ernst
nimmt. Trotz
der durchaus glaubwürdigen Milieuschilderungen bleibt doch vieles
unklar. Der gewichtigste Einwand gilt der Person des
Freiheitskämpfers, über dessen Motive überhaupt nichts
bekannt wird. Er dient eigentlich nur als Staffage für die
Handlung in Harvard, erhält jedoch kein eigenes Gesicht. Nach dem
Überfall auf das Dorf ist er nur noch ein Name. Ähnliches
gilt für die Professorin, deren Schicksal am Ende in der Luft
hängt und deren Familienleben etwas zu sehr den Klischees des
US-Kinos gleicht. Der junge Teak ist offensichtlich das "alter ego" des
Autors und in dieser Gestalt positiv-skeptisch gezeichnet. Teak ist
jemand, der lange an seine Arbeit für die CIA geglaubt hat, zum
Schluss aber daran fast zerbricht. Seine zwischenzeitliche Freundin
Jane erhält zwar anfangs durchaus eine Kontur als selbstbewusste,
etwas eigensinnige Studentin, später jedoch verflacht ihr Profil,
wenn ihr dramaturgisches Ziel erreicht ist. Am Schluss hängen
einige lose Fäden herum, die den Autor nicht mehr interessiert zu
haben scheinen. Sein Interesse gilt im Wesentlichen der Situation in
Somalia, alles andere ist zweitrangig. Warum er kurz vor Schluss noch
drei Protagonisten an einem profanen Autounfall sterben lässt,
erschließt sich dem Leser ebenfalls nicht. Ein bisschen Tragik
muss anscheinend sein. Trotz
dieser Schwächen liest sich das Buch flott und spannend und
vermittelt einen Eindruck von der politischen Situation in Somalia und
dem Spannungsfeld zwischen Politik und Geheimdiensten. Man kann
annehmen, dass viele der geschilderten Details durchaus zutreffen. Das
Buch
ist
im
"Berlin-Verlag"
unter der ISBN 978-3-8270-0944-9 erschienen
und kostet 22 €. Frank Raudszus |
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