| Thilo Sarrazin: "Deutschland schafft sich ab - Wie
wir unser Land aufs Spiel setzen" |
![]() |
Ein Buch, das schonungslos Tabus aufbricht
und alarmierende Fakten aufzählt |
|||
| Als PDF-Datei
Ihre Meinung über E-Mail hier |
Wie
konnte
eine derart irrationale Empörung eine ganze
gesellschaftliche Schicht mit sich reißen? Das ist wohl am
ehesten mit dem Effekt "Des Kaisers neue Kleider" zu erklären. Wer
öffentlich - von einer "unautorisierten" Instanz (im Märchen
das Kind) - als "nackt" entlarvt wird, reagiert aggressiv und neigt
dazu, die Quelle dieser Kritik mundtot zu machen. Mehr noch, wer
schwere Versäumnisse und Vertuschungen der politischen
Führung aufdeckt, sieht sich mit massiven Sanktionen der so
Bloßgestellten konfrontiert. Soweit
zur
- in den letzten Jahrzehnten - sicherlich einzigartigen
Vorgeschichte eines Sachbuches, das sich mit der aktuellen und
zukünftigen Situation von Nation und Gesellschaft
beschäftigt. Es bleibt daher die Aufgabe des Rezensenten, die
Verdammung und ihre Begründung mit dem Inhalt der einzelnen
Kapitel zu vergleichen und auf ihre Stichhaltigkeit zu
überprüfen. Sarrazins
sicherlich
unbedachte und politisch unsensible Interview-Bemerkung, es
gäbe beispielsweise ein "Juden-Gen und ein Basken-Gen"
(sinngemäß), hat unverzüglich alle politisch korrekten
Gutmenschen auf den Plan gerufen und sie zu heftigsten Protesten
motiviert. Dabei steht eine solche Behauptung nicht einmal ansatzweise
in dem Buch und ist offensichtlich auf die Interview-Situation
zurückzuführen. Sarrazin
handelt
in seinem Buch im großen und Ganzen drei große
Themenkomplexe ab:
In
den
acht Kapiteln des Buchs (das neunte enthält hauptsächlich
zwei alternative Zukunftsszenarien) beleuchtet Sarrazin diese Themen
aus verschiedenen Perspektiven, wobei er den Fakten einen zentralen
Stellenwert beimisst. Die Folgerungen ergeben sich dabei weniger aus
Visionen oder gar Ideologien des Autors, sondern nahezu
zwangsläufig aus den geschilderten Fakten. Er untermauert seine
Feststellungen nicht nur mit einer Vielzahl von Tabellen und Grafiken,
sondern mit insgesamt 538(!) Quellenangaben. In der wissenschaftlichen
Literatur gilt der Umfang der
Literaturverweise als Qualitätsmerkmal, vorausgesetzt, es sind
seriöse Quellen von anerkannten Institutionen. Das ist bei
Sarrazin der Fall, referiert er doch auf Quellen wie das "Statistische
Bundesamt", den "Mikrozensus" oder OECD-Berichte, um nur einige wenige
zu nennen. In diesem Fall wird ihm daraus jedoch ein "Strick gedreht",
indem man sein Buch abfällig datenlastig nennt oder gar als
"Statistikturm" bezeichnet. Grafiken und Tabellen, die einen
Sachverhalt prägnant, kompakt und anschaulich darstellen, werden
als Datenmanie denunziert und damit das Buch unterschwellig als
minderwertig dargestellt. Die Tatsache, dass man nicht die Inhalte der
Tabellen oder der Literaturverweise sondern die schiere Menge an sich
angreift, sagt genug über die Kritiker aus. Offensichtlich sind
die Fakten derart treffend - besser "schlagend" -, dass man sie
über einen Umweg lieber gleich ignoriert. Das Gleiche gilt
natürlich für das anfängliche Interview-Zitat über
das "Juden-Gen". Die Skandalisierung dieses Satzes reichte
vollständig aus, um die Diskussion über die Inhalte des
Buches zu überlagern oder gar zu verhindern und den Autor einer
"quasi-faschistischen" Eugenik-Position zu beschuldigen. Gleich
zu
Beginn hinterfragt Sarrazin kritisch das Mantra des Wachstums, das
alle Probleme von den Sozialabgaben bis zu dem Alterungsprozess der
Gesellschaft lösen soll. Die Abhängigkeit vom "Humankapital"
bei Abwesenheit von Rohstoffen lässt das zukünftige Wachstum
jedoch allein aufgrund der sinkenden Anzahl vor allem jüngerer
Menschen fragwürdig werden. Wenn man dazu noch die nachgewiesene
Verschlechterung der schulischen Leistungen (PISA u.a.m.) rechnet, ist
eher mit einem marginalen Wachstum bei einer zunehmenden Zahl von
Rentnern und Pensionären zu rechnen. Ferner geht er in diesem
Kapitel auf den Begriff der "relativen Armut" ein, der jeden als arm
definiert, der weniger als 50% des durchschnittlichen Einkommens
bezieht. Relative Armut kann man damit aus rein logischen Gründen
nie beseitigen, da die Armutsgrenze mit dem Durchschnittseinkommen
steigt. Die naheliegende Argumentation einer höheren Umverteilung
nach unten kontert Sarrazin mit der Begründung, dass der
Transferempfänger unter zwei Dingen leide: der mangelnden
Anerkennung wegen fehlender Arbeit und dem - durchaus
verständlichen - Neid auf alle, die mehr haben. Aufgrund der
Definition der Armut jedoch wird der Transferempfänger immer im
unteren Einkommensniveau verharren. Die theoretische
Möglichkeit der "Gleichverteilung" aller Einkommen untersucht
Sarrazin aus naheliegenden Gründen nicht. Das haben selbst die
Bolschewiken nichrt realisieren können. Weiterhin weist Sarrazin
auf eine Verfestigung der Unterschicht gerade wegen der
Durchlässigkeit des Systems hin, da Begabte (und Motivierte) die
Schicht verlassen und die Unbegabten (und Unmotivierten)
zurücklassen. In diesem Zusammenhang kommt er auch auf die
"Bildungsabwehr" der Unterschicht zu sprechen, die sich in "buchfreien
Zonen" und im Desinteresse an den schulischen Leistungen der Kinder
zeigt. Armutsforschung ist für Sarrazin heutzutage zur Ideologie
geronnen, für ihn kann soziale Unterstützung nur aus der
Hilfe zur Selbsthilfe bestehen. In
diesem
Zusammenhang analysiert er auch zum ersten Mal den
Intelligenzbegriff und stellt die von seinen Kritikern vielfach
bestrittene oder als veraltet dargestellte Behauptung auf, Intelligenz
sei zu 50 bis 80% vererbbar. Doch bezieht er sich dabei auf eine
Studie aus dem Jahr 2009 und durchaus nicht auf eine
Darwinsche Theorie des 19. Jahrhunderts. Abgesehen davon ist es
völlig uneinsichtig, warum alle möglichen körperlichen
(Größe, Haarfarbe) und psychischen (Geisteskrankheiten!)
Eigenschaften - unbestritten! - vererbbar sein sollen, aber
ausgerechnet die Intelligenz
nicht. Von der nicht ganz abwegigen Annahme(!),
Intelligenz sei vererbbar,
kommt Sarrazin zwangsläufig zu der Folgerung, dass sich in
verfestigten Milieus, die sich hauptsächlich aus sich selbst
rekrutieren (Homogamie), über Generationen gewisse
Intelligenzmuster festsetzen und
verstärken. Zusammen mit der Tatsache, dass Transferempfänger
in Deutschland für jedes Kind (Bar-)Geld bekommen, das nicht
nachweisbar dem Wohl des Kindes zugute kommt, ergibt dies einen
gesellschaftlichen Sprengsatz, der langfristig zur prozentualen
Stärkung der Erhöhung der minder intelligenten Unterschicht
führt. Auf der anderen Seite führt die besonders bei
Akademikerinnen geringe Kinderzahl - 40% aller Akademikerinnen bleiben
kinderlos! - zu einer kontinuierlichen Ausdünnung der
(intelligenten) Oberschicht. Welche Folgen das für die
Innovationskraft der Wirtschaft und den davon abhängigen Wohlstand
hat, liegt laut Sarrazin und dem gesunden Menschenverstand auf der Hand. Sarrazin
äußert
sich auch zum "garantierten Grundeinkommen" à
la Götz Werner. Die Idee verwirft er nicht durchweg, weist aber
schnell nach, dass sich bei der - gebotenen! - Anrechnung aller anderen
Einkommensarten letztlich kein anderes System als das heutige ergeben
würde, mit der Ausnahme, dass die Anreizschwelle zum Arbeiten noch
höher gelegt wird und dadurch ein noch größeres Heer
von Empfängern entsteht, die sich mit Grundeinkommen ohne
Arbeit(!) zufrieden geben. Es bleibt dann die Frage, wer alle die
benötigten Waren und Dienstleistungen erarbeiten soll. Auf
Seite
150, zum Ende des 4. Kapitels, erwähnt Sarrazin im
Zusammenhang mit der Grundsicherung (vulgo: Hartz IV) und dem
generativen Verhalten
(Fortpflanzung!) um ersten Mal die Migranten. Vorher geht es fast
ausschließlich um das Prinzip und die Folgen von
Sozialleistungen mit oder ohne Gegenleistung. Soviel an dieser Stelle
zur (ethnischen) Diskriminierung der Migranten. Im Kapitel 5 diskutiert
Begriffe wie Chancengleichheit und Gerechtigkeit. Dabei unterstellt er
- zu Recht -, dass die Forderungen nach Chancengleichheit seitens ihrer
Vertreter auch eine
ökonomische Gleichheit implizieren. Er weist jedoch nach, dass
gleiche Ausgangsbedingungen bei optimaler Förderung aufgrund
unterschiedlicher
Begabung und Motivation zu noch größerer
Ungleichheit führen. Da das die Verfechter einer egalitären
Welt für unannehmbar halten, streben sie letztens eine
Verminderung der Förderung privilegierter (begabter?) Kinder
entweder explizit oder über entsprechende Schulmodelle an. Zu
dem
Thema "Migranten" findet man in Sarrazins Buch wesentlich weniger
"Genetik" als die Diskussion erwarten lässt. Allerdings erweitert
er die Diskussion über die "autuchthone", d.h deutsche
Unterschicht auf die Einwanderer. Detailliert weist er die erfolgreiche
Integrationsgeschichte der ersten Einwandererwelle - Italiener,
Spanier, Griechen - nach, um dann bei den Türken und Afrikanern
das Gegenteil zu diagnostizieren. Diese bleiben bekanntlich ihrer
Kultur, ihrer Sprache und ihrem Rechtssystem (Scharia) treu und
verweigern zu
einem signifikantenTeil jegliche Integration. Verweigerung der
Sprachaneignung, Zwangsehen und Verachtung der deutschen Lebensart
prägen den harten Kern dieser Migranten, die nicht mit dem Ziel
eines besseren Lebens durch Arbeit sondern durrch Sozialtransfers nach
Deutschland gekommen sind und noch kommen. Hartz IV garantiert den
meisten dieser ungebildeten Migranten ein Mehrfaches des Einkommens,
das sie in ihrer Heimat durch Arbeit verdienen könnten, und die
kinderorientierte Unterstützungspolitik lädt zu
einer
höheren Fruchtbarkeit geradezu
ein. Bei den Migranten kommen jedoch gegenüber den "einheimischen"
Transferempfängern die
mangelnden Sprachkenntnisse und die Integrationsverweigerung dazu, die
zwangsläufig zu einer Parallelgesellschaft führen. Bei
entsprechender Zunahme dieser Bevölkerungsschicht ist zu erwarten,
dass diese die Einhaltung ihrer eigenen Gesetze auch von der
einheimischen Gesellschaft verlangen. Sarrazin weist anhand
umfangreicher Quellen nach, dass diese (d.h. die nicht-integrierten)
Migranten nicht nur keinen aktiven Beitrag leisten und den Steuerzahler
viel Geld kosten. sondern dass sie auch auf Dauer das deutsche
Gesellschaftsgefüge entscheidend und nicht zum Guten ändern. Natürlich
spielt
in diesem Zusammenhang auch die angeborene und
weitervererbte (mangelnde) Intelligenz eine Rolle, die er bereits
vorher eingehend hergeleitet hat. Dass die Migranten genau wie die
Deutschen diesen "Fehlfaktor" durch ihre Ghetto-Bildung verfestigen und
verschärfen, ergibt sich aus der Annahme der Vererbbarkeit der
Intelligenz zwaangsläufig. Das hat jedoch nichts mit ethnischen
Genen zu tun sondern lediglich mit den Vererbungsgesetzen von Mendel
und Co.. Wer diese für die Intelligenz bestreitet, findet
natürlich reichlich Diskussionsstoff, aber - siehe oben. Die
Gleichsetzung
von Islamkritik mit Rassismus ist für Sarrazin eine
beliebte Waffe nicht nur der islamischen Verbände sondern auch
für deutsche "Gutmenschen", die nichts mehr fürchten
als für ausländerfeindlich und damit reaktionär
(=faschistisch) gehalten zu werden. Daher sind viele eher zur
Selbstaufgabe bereit als Forderungen an Migranten zu stellen. Hier
sieht Sarrazin einen deutlichen Fall der undemokratischen Macht einer
letztlich irrationalen "politischen Korrektheit". Am
Ende
unterbreitet Sarrazin sogar einige Vorschläge, wie dem
Missstand abzuhelfen wäre, wobei er diese nur als
Denkanstöße und nicht als Forderungen versteht. Dazu
gehören massive Anreize für Akademikerinnen, mehr Kinder in
die Welt zu setzen, um den Rückgang der autochthonen und vor allem
der begabteren Bevölkerung (Vererbbarkeit der Intelligenz!) zu
stoppen. Ebenso empfiehlt er den sofortigen Stopp des Familiennachzugs
für Migranten bzw. die Aussetzung von Sozialleistungen für
Familienmitglieder für eine bestimmte Zahl von Jahren.
Kinderunterstützung sollte nicht explizit in bar sondern als
Sachleistung in Form von Kindertagesstätten etc. geleistet werden
und der Besuch von Sprachkursen und der Schule bzw. des Kindergartens
bei Strafe des Geldentzugs Pflicht sein. In
einer
fast satirischen Randbemerkung stellt er fest, dass sich jeder
Geburtenrückgang einer Bevölkerung selbst abbremst -
nämlich, wenn niemand mehr da ist, der keine Kinder mehr bekommen
kann. Anschließend beschreibt er im letzten Kapitel zwei
mögliche Szenarien für die nächsten 50 bis 80 Jahre. In
dem einen setzen sich die Trends fort, so dass am Ende ein verarmtes
Land mit vollständig separaten Parallelwelten steht, in dem
Deutsche nur noch eine verschwindende Minderheit bilden und sich nach
den Gesetzen des Islams richten müssen. Im anderen ergreift die
heutige oder eine künftige Regierung in naher Zukunft die
entsprechenden Maßnahmen, woraus sich am Ende ein friedliches
Zusammenleben auf der Basis der westlichen(!) Leitkultur ergibt, bei
dem
jedoch auch die Muslims ihre Religion frei ausübern können.
Welches Szenario eintritt, ist für Sarrazin völlig offen..... Zusammenfassend
ist
zu sagen, dass die Lektüre des ganzen
Buches (nicht nur von Auszügen!) keinen Anlass
bietet für die Angriffe, die der Autor in den letzten Monaten hat
erfahren müssen, sieht man einmal von der Annahme vererbbarer
Intelligenz ab, die man durchaus diskutieren kann. Das sollte aber auf
wissenschaftlichem Niveau und unter Berücksichtigung des aktuellen
Erkenntnisstandes erfolgen und nicht auf der Basis von Ideologien und
Wunschvorstellungen. Selbst die Aussage, Sarrazins Aussagen seien
teilweise provokant, lässt sich nur dann aufrecht erhalten,
wenn die Tatsache, dass jemand unangenehme Fakten ungeschminkt
offenlegt, eine
Provokation darstellt. Der Stil Sarrazins ist allerdings direkt und
schnörkellos, d. h. der Autor nimmt hinsichtlich der aktuellen
Zustände und der möglichen Konsequenzen kein Blatt vor den
Mund. Wer dies nicht vertragen kann, soll weiter in seiner Wunschwelt
leben, darf sich dann aber nicht über die unerwarteten Folgen
wundern. Das
Buch
ist in der "Deutschen
Verlagsanstalt (DVA)" unter der ISBN 978-3-421-04430-3 erschienen
und kostet 22,99 €. Frank Raudszus |
|