| Jonathan Franzen: "Freiheit" |
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Der Zerfall einer Familie im Namen der
Freiheit |
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Patty,
aufgewachsen
in
einem Vorort von New York, hat in ihrer Jugend eines
der ersten Vollstipendien für Frauen an der University of
Minnesota erhalten, weil sie hervorragend Basketball spielte. In ihrem
zweiten Studienjahr hat sie sogar als zweitbeste Spielerin die Aufnahme
in das "virtuelle" Team der USA geschafft. Trotz dieser besonderen
sportlichen Erfolge erfährt sie von ihrer Familie nicht die
Wertschätzung, die sie sich wünscht. Bald darauf lernt sie
Walter Berglund und dessen chaotischen Freund und Rockmusiker Richard
kennen. Obwohl sie der Musiker emotional weit mehr reizt, entscheidet
sie sich für den anständigen, fürsorglichen Walter, und
die beiden werden ein Paar. Aus der Ehe gehen zwei Kinde hervor, die
Tochter Jessica und der Sohn Joey. Die Berglunds entwickeln sich zu
einer typischen amerikanischen Vorzeigefamilie. Alles läuft
bestens, wenn auch die üblichen Familienstreitigkeiten das traute
Glück begleiten. Während Vater und Sohn ständig
Grundsatzdiskussionen führen, hält Patty stets unkritisch zu
ihrem Sohn, den sie abgöttisch liebt. Als
Joey
sich
jedoch in das Nachbarsmädchen Conny verliebt und sogar
zu ihr zieht, bricht für Patty eine Welt zusammen. Auch Walter
kann es kaum glauben, dass Joey so früh seine schulische und
universitäre Karriere abbricht, um mit Conny die Liebe zu
entdecken. An
diesem
Punkt
fangen die Zukunftspläne der Berglunds an auseinander
zu treiben. Das stabile Familiengefüge beginnt zu wanken, und bald
gibt es kein Halten mehr. Patty wird alkoholkrank und hat sogar eine
Affäre mit dem auf Besuch weilenden Richard. Walter jedoch
versucht lange Zeit, sich alles schönzureden, bis auch er an der
Realität zerbricht. Patty trennt sich endgültig von ihm und
zieht zu Richard, und selbst die Liaison mit Lalita, seiner
Assistentin, kann Walter nicht über das Scheitern seiner Ehe
hinwegtrösten. Die idealistisch motivierte Stiftung, die er und
Lalita gegründet haben, scheitert, und Lalita stirbt an einem
Autounfall. Am Ende lebt Walter völlig vereinsamt in einem kleinen
Haus am See, und der "amerikanische Traum" ist ausgeträumt. Franzen
hat
auf
gut 730 Seiten ein großes Familienepos unserer Tage
geschrieben. In vielem erinnert es an die "Buddenbrooks", deren
traditionelle Welt ebenfalls an den Umständen der neuen Zeit
zerbricht. Die Berglundsche Welt scheitert an der Freiheit, die sich
jeder der Protagonisten nimmt, um sich seinen individuellen Lebenstraum
zu erfüllen oder um einfach nur die Wege zu beschreiten, die sich
zufällig vor ihm oder ihr auftun. Das einst einende gemeinsame
Ganze ist verschwunden, und die Familienstrukturen geben keinen Halt
mehr. Es zählt nur noch die Bewältigung der eigenen
Realität, die aus dem großen Angebot des Lebens
herausfiltert, was gerade zu passen scheint. Alles fließt und
irgendwie geht das Leben weiter. Feste Regeln haben keinen Bestand
mehr. Am Ende des Romans gibt es wenig Hoffnung, keinen Glauben mehr,
und auch die Liebe ist auf der Strecke geblieben - außer
vielleicht bei Joey und Conny. Das
Buch
ist
im
"Rowohlt-Verlag"
unter der ISBN 978-3-498-02129-0 erschienen
und kostet 24,95 €. Barbara Raudszus |
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