Kirsten Heisig:"Das Ende der Geduld"
                                                                    
 Dezember 2010
Ein Plädoyer für Konsequenz gegenüber jugendlichen Gewalttätern



 
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BuchumschlagDas im Frühjahr 2010 erschienene Buch der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig schlug nach seinem Erscheinen hohe Wellen, wurde in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit jedoch bald verdeckt von Thilo Sarrazins "Deutschland schafft sich ab". Heute, gut ein halbes Jahr später, spricht kaum noch jemand von diesem Buch, obwohl die darin beschriebenen Fakten sich in der kurzen Zeit sicher nicht gravierend geändert haben. Das liegt wohl auch daran, dass die Autorin im Sommer aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen den Freitod suchte und daher heute nicht mehr ihre Stimme gegen unhaltbare Zustände erheben kann.

Wie auch bei Sarrazins Buch haben die Medien vor allem die - vermeintlich - spektakulären Passagen ausgeschlachtet, das bedeutet in diesem Fall die Ausführungen über die kriminellen Clans von Arabern und Türken in Berlin-Neukölln. Darüber gingen wesentliche Teile des Buches buchstäblich verloren, was wohl daran liegt, dass diese einerseits weniger "Empörungspotential" enthalten und andererseits für bestimmte Lager unliebsame weil konkrete Vorschläge für die Lösung der Probleme anbieten.

Kirsten Heisig beschreibt in nüchternen Worten und ohne jeglichen überzogenen Alarmismus die zunehmende Abkopplung bestimmter migrantischer Milieus vor allem in Berlin. Zwar weist sie auch auf ähnliche Entwicklungen in anderen Großstädten - Hamburg, Köln - hin, beschränkt sich jedoch in der Detailbeschreibung und Ursachenforschung auf Berlin, da sie die dortigen Zustände aus eigener richterlicher Erfahrung kennt. Während Sarrazin das Problem bundesweit und vor allem demographisch-langfristig darlegt, sieht sie die spezielle gegenwärtige Entwicklung in Berlin. Hier weist sie schonungslos auf die systematische Abkopplung vor allem arabischer Familien vom gesellschaftlichen Konsens hin. Aufgrund umfangreicher Statistiken weist sie nach, dass hier ein elementares Problem nicht nur entstanden ist sondern sich auch stetig ausweitet. Angeblich palästinensische Flüchtlinge, meist als Asylanten über den Libanon eingewandert, haben sich hier planmäßig eine eigene Welt eingerichtet, die hauptsächlich darin besteht, unter konsequenter Nutzung des deutschen Sozialsystems nicht nur den Lebensunterhaltung stetig wachsender Großfamilien sicherzustellen sondern diesen auch auf kriminelle Weise auszubauen. Den Nachwuchs für die organisierte Kriminalität beschaffen sie sich einerseits aus dem eigenen Nachwuchs, andererseits aus gezielt aus dem nahen Osten nachgezogenen Jugendlichen, die als "unbegleitete Jugendliche" mit dem angeblichen Wunsch nach Bildung und einem besseren Leben hierher kommen, tatsächlich jedoch nach der Ankunft umgehend in den kriminellen Untergrund abzutauchen. 

Kirsten Heisig hat die kriminellen Strukturen dieser arabischen Clans - auch Türken spielen dieses Spiel, aber nicht in dem Ausmaß wie die libanesischen Araber - im täglichen Gerichtsbetrieb kennengelernt und kann sich daher ein Urteil erlauben. Die Fakten sind unleugbar und gravierend. Den größten Vorwurf macht die Autorin den lokalen Behörden (in Berlin), die aus einer Mischung von vermeintlicher "political correctness" und Angst die Dinge laufen lassen. Drohungen gegen Behördenmitarbeiter - Jugendamt, Schule, Polizei - sind keine Seltenheit, und viele Mirabeiter der verschiedenen Behörden scheuen vor allem den Ruf von Ausländerfeindlichkeit, was die Betreffenden sehr schnell gemerkt haben.

Das größte Problem sieht die Autorin darin, dass die Jugendlilchen sich schon früh aus dem Schulalltag verabschieden und damit keine Grundbildung erhalten, die sie für die Aufnahme eines geregelten Berufes qualifizieren. Die mangelnde Koordination der Institutionen Schule, Polizei und Jugendamt - aus Gründen des Datenschutzes! - ermöglicht den straffälligen Jugendlichen und ihren gleichgültigen Eltern, mit den Behörden Katz und Maus zu spielen. Den vorwiegend aus archaischen Verhältnissen stammenden Eltern ist der Schulbesuch ihrer Kinder nicht nur gleichgültig, sie lehnen ihn sogar ab, da die Kinder dann nicht für die vielfältigen kriminellen Aktivitäten verfügbar sind. Der Gerichtsbarkeit - also in letzter Konsequenz sich selbst - wirft Heisig vor, mit der Bestrafung jugendlicher Täter viel zu lange zu warten und es dann noch aus pädagogischen Gründen bei Ermahnungen und Bewährungsauflagen zu belassen, was diese als Schwäche auslegen. Für die Verzögerung macht sie allerdings wieder den bürokratischen Überbau und die weitläufigen Strukturen des Jugendstrafrechts verantwortlich, die eine "zeitnahe" Ahndung krimineller Aktivitäten praktisch unmöglich machen.

Doch die Schilderung der Zustände und die damit verbundenen Vorwürfe stellen nicht den Hauptteil von Kirsten Heisigs Buch dar. In der zweiten Hälfte unterbreitet sie eine Reihe von Vorschlägen, die sämtlich das Ziel haben, den Schulbesuch der jungen Ausländer durchzusetzen und Strafen schnell und fühlbar zu verhängen, so dass die jungen Täter die lenkende Hand der Gesellschaft spüren. Dazu hat sie in vier europäischen Großstädten - Oslo, Glasgow, London und Rotterdam - untersucht, wie diese mit kriminellen Migranten umgehen. Oslo lobt sie, betont jedoch, dass es dort viel Geld und relativ wenige Migranten gibt; Glasgow scheint sich in ihren Augen das Problem mehr oder minder schönzureden, während London die Problematik bereits erkannt hat. Am besten geht ihrer Meinung nach Rotterdam mit dem Problem um, indem es einen engen Verbund der betroffenen Behörden geschaffen hat, der jeden auffälligen Migranten - das gilt natürlich pronzipiell auch für Inländer - unter dauernder Beobachtung hält.

Nach Istaufnahme und Schwachstellenanalyse berichtet sie jedoch auch von ermunternden Aktivitäten in Neukölln, so von der "Task Force Okerstraße(TFO)", in der die beteiligten Behörden zum ersten Mal in koordiniertem Vorgehen kriminelle oder gefährdete Jugendliche betreuen und nicht mehr aus den Augen lassen. Doch auch hier trüben Wermutstropfen den Wein: eine endgültige politische und rechtliche "Fixierung" der TFO stand bei Drucklegung des Buches noch aus, und nach dem Tod der Autorin ist völlig offen, inwieweit diese Initiative überlebt.

Über eins war sich Kirsten Heisig klar, und das macht sie in dem Buch immer wieder deutlich: wenn die Behörden hier nicht bald einschreiten, gewinnt das Problem eine Dimension, die mit Dulden und Wegsehen nicht mehr zu meistern ist. Ganze Stadtteile von Berlin und anderen Städten könnten sich dann quasi verselbständigen mit allen Facetten der Kriminalität wie Raub(mord), Erpressung bis hin zu gewaltsamen Anschlägen. Bagdad lässt grüßen! Noch ist Zeit, dieser Entwicklung einen Riegel vorzuschieben, doch seit Kirsten Heisigs Tod hören wir von dieser Problemzone fast nichts mehr.

Das Buch ist im "Herder-Verlag" unter der ISBN 978-3-451-30204-6 erschienen und kostet 14,95 €.

Frank Raudszus




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