Alexander Heimann: "Dezemberföhn"

Krimi mit Schweizer Bergbauern-Ambiente
 

Novembernebel überziehen Hinterzünen, ein Dorf im Berner Mittelland, und bringen das Gerücht vom schwarzen Mann mit sich, der jungen Mädchen nachstellt.

Zuerst wird die achtzehnjährige Senta Gerber zu Tode erschreckt, als sie im Dunkeln durch den einsamen Birchiwald radelt. Die Dorfbewohner verdächtigen spontan Josi, den tolpatschigen, unterbelichteten Hilfsarbeiter in der Druckerei Twerenbold, der schon als Schüler in Verruf geriet, weil er die Mädchen zum Rockhochheben animierte.

Josi wird gerne von der männlichen Dorfjugend traktiert und von den Mädchen im Ort verlacht, so daß man sich vorstellen kann, daß bei ihm irgendwann die "Sicherung duchknallt" und er sich mit Gewalt ein Mädchen nimmt. Einzig beim Schriftsteller Kniehorn stößt Josi auf ein wenig Verständnis und darf auch schon mal in dessen Luxuslimousine mitfahren. Die seltame Freundschaft der beiden wird jedoch in Hinterzünen mit Argwohn beäugt.

Das nächste Opfer der unguten drückenden Herbststimmung ist die fünfzehnjährige Helene, die im dichten Nebel von einer Gestalt gejagt wird, jedoch mit letzter Kraft entkommen kann. Die Atmosphäre im Dorf wird immer beklemmender, und Josi gerät mehr und mehr ins Netz der Verdächtigungen und auf den Weg der Gewalt. Als wieder ein junges Mädchen auf einsamer Wegstrecke im engen "Hengstschlund" zu einem Rendezvous unterwegs ist, scheint die Zeit reif zu sein für ein Verbrechen....

"Dezemberföhn" ist kein flacher Kriminalroman, der nur vom Plot lebt. Der Autor beschreibt neben dem eigentlichen Handlungsstrang vielschichtig die kleinschraffierte Denkungsart der Dorfbewohner und verschränkt menschliche Schwächen subtil mit Wetterumschwüngen und landschaftlichen Eigenarten.

Die eigene Schweizer Sprache ist treffend und prall eingesetzt und mobilisiert die Phantasie des Lesers, bis die Nerven zum Zerreißen gespannt sind.

Das Buch ist im Cosmos-Verlag, Muri bei Bern, erschienen.