| Laurence Haloche: Der Mund |
| Liebesgeschichte als Leichenschmaus | |
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"Liebe und Tod" sind ein der Weltliteratur wohlbekanntes
Paar, das von Gottfried Keller bis zu Richard Wagner vielfältig
ausgedeutet wurde. Die Französin Laurence Haloche, Jahrgang
1966, hat dieserm Thema eine weitere, ziemlich makabre Variante
hinzugefügt. Dabei zitiert sie nebenher noch Patrick Süßkind,
indem sie den Geschmackssinn zum thematischen Mittelpunkt ihrer
Frauengeschichte macht.
Malvina wächst als Waisenkind eines hingerichteten Mörderehepaars
in einem Kloster des vorrevolutionären Frankreich auf. Kaum
zur jungen Frau herangereift, flieht sie vor dem einzigen Mann,
der ihre Vergangenheit kennt, nach Paris, um dort ihr Glück
zu suchen. Wer jedoch glaubt, diese Geschichte ziele systematisch
auf die Revolution hin und entwickle sozial- oder geschichtskritische
Interpretationen, sieht sich getäuscht, obwohl die Handlung
etwa gegen 1789 endet.
In Paris geht Malvina zu einem alten Freund ihrer Mutter, einem
gräflichen Apotheker, der für seine heilsamen Pillen
bekannt ist, und lernt bei ihm das Geschmacks- und Pillenwesen.
Systematisch gewöhnt ihr Mentor sie daran, auch Speisen zu
sich zu nehmen, die Andere wegwerfen würden, und diesen neue
Geschmacksvarianten abzugewinnen. Konsequent weiht er sie in die
Kunste ein, verwesendes Fleisch und verfaultes Obst durch entsprechende
Zutaten und Zubereitung genießbar erscheinen zu lassen und
seinen Gästen anläßlich großer Einladeungen
vorzusetzen. Bald gilt sie als die führende Köchin von
Paris, muß jedoch merken, daß ihr adliger Lehrherr
noch makabrere Varianten zu bieten hat. Erst nach einem wahrhaft
grausigen Härtetest weiht er sie in die Herkunft seiner so
wirksamen Pillen ein und schafft es, ihr fortan diese Arbeit zu
übertragen.
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