| Walter Maschonek u.a.: Die Wehrmacht im Rassenkrieg |
m vergangenen Jahr bewegte die "Wehrmachtsausstellung" in mehreren Städten Deutschlands die Gemüter und spaltete die Nation. Vornehmlich ältere Mitbürger und vor allem ehemalige Kriegsteilnehmer entrüsteten sich über angeblich unseriöse und tendenziöse Berichterstattung und bestanden darauf, die Wehrmacht sei im Krieg "sauber" geblieben, was die Einhaltung völkerrechtlicher Normen betrifft. Andere, meist jüngere Besucher, nahmen jedoch die Vorwürfe der Aussteller ernst und setzten sich kritisch mit der fragwürdigen Rolle der Wehrmacht im letzten Krieg auseinander.
Den Hauptvorwurf der Oberflächlichkeit, der den Möglichkeiten einer notgedrungen plakativen Ausstellungen inhärent ist, widerlegt nun ein Band des österreichischen Autors und Herausgebers Walter Maschonek. In diesem Band hat Maschonek eine Reihe von Beiträgen vorwiegend österreichischer Autoren über die Rolle der Wehrmacht bei Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg zusammengefaßt. Massenhinrichtungen von Juden und ethnischen Minderheiten oder Dissidenten in Rußland und im früheren Jugoslawien, das Massensterben sowjetischer Kriegsgefangener und die Bewachung von Konzentrationslagern stehen dabei im Mittelpunkt der Betrachtungen. Mit hoher Detailgenauigkeit und umfangreichen Quellenverweisen belegen die Autoren, daß die Wehrmacht vom Beginn des Rußlandfeldzuges bis zum Schluß die SS und die für Massenhinrichtungen abgestellten Sondereinheiten von Polizei und Sicherheitsdienst nicht nur haben gewähren lassen, sondern ihnen sogar bereitwillig Opfer zugeführt, Hilfsdienste z.B. bei Absperrungen geleistet oder deren Aufgaben kurzerhand selbst übernommen haben. Aus den Unterlagen geht eindeutig hervor, daß nicht nur große Teile des Offizierskorps von den Massenmorden an Juden, Kommunisten und Zigeunern gewußt haben, sondern daß auch die "Truppe" in vielen Fällen unmittelbar damit in Berührung kam. Damit entlarven die Autoren durchgängig das Märchen von der Ahnungslosigkeit des tapferen Frontsoldaten.
Mit wissenschaftlicher Akribie wird der Hintergrund dieses Verhaltens
ausgeleuchtet: der latente, bereits in der Kaiserzeit gepflegte
Antisemitismus und die in den zwanziger Jahren genährte Bolschwikenfurcht
waren ein guter Nährboden für die Propaganda der Nazionalsozialisten,
die es schaffte, die Opfer als minderwertige und nicht lebenswerte
"Brut" darzustellen. Der Kriegsstreß und die eigene
Todesangst, z.B. vor Partisanen, senkten die Hemmschwelle bei
den Soldaten weiter.
Gerade die nüchterne wissenschaftliche Diktion der Beiträge und die Zitate offizieller Dokumente über die "Zuführung hinzurichtender Geiseln" steigert das Grauen des Lesers bis zur Unerträglichkeit, so wenn in bestem Amtsdeutsch für jeden toten deutschen Soldaten eine Quote von 100 zu liquidierenden Geiseln festgelegt wird und diese administrativ eingetrieben werden; oder wenn Offiziere und Verwaltung diskutieren, ob 90 Kleinkinder von hingerichteten Geiseln auch erschossen werden sollen oder nicht (sie wurden!).
Besonders hervorzuheben ist, daß sich die Autoren vornehmlich um den österreichischen Anteil an der "großdeutschen" Wehrmachtsschuld kümmern, z.B. in Jugoslawien oder der Ukraine. Damit arbeiten sie "in Eigenregie" schonungslos die österreischische Neigung auf, sich nach dem Krieg als Opfer der deutschen Nazis zu sehen. Das sollte jedoch keinen Deutschen dazu verführen - obwohl manche das Buch so lesen werden - nun den Österreichern die Hauptschuld an den Kriegsverbrechen der Wehrmacht zuzuschieben.
Wer sich mit dem Thema der "sauberen Wehrmacht" intensiv und wahrheitsgetreu auseinandersetzen will, findet in diesem Band eine ausgezeichnete Grundlage. Auch mehr als fünfzig Jahre nach Kriegsende macht die Lektüre noch Sinn.
Das Buch "Die Wehrmacht im Rassenkrieg" ist im PICUS-Verlag, Wien, erschienen(ISBN 3-85452-295-9).
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