Zhimei Zhang: "Hundert Blumen"

Die traurige Wahrheit über Maos Kultur-Revolution
  Buchumschlag

In der Reihe "Erzähltes Leben" veröffentlicht der Schneekluth-Verlag Lebensberichte von Menschen mit außerordentlichen Erfahrungen. In diesem Buch beschreibt die Chinesin Zhimei Zhang ihr ganz persönliches Frauenschicksal hinter Chinas "großer Mauer".

Zhimeis Bericht beginnt im Jahre 1935. Als Tochter eines Ingenieurs, der für die Japaner arbeitet, wächst das Mädchen weltoffen auf. Sie besucht eine katholische englische Schule und wird wegen ihrer guten Englischkenntnisse im Jahre 1951 mit 16 Jahren für zwei Jahre mit einer Handelsgelegation nach Ostberlin geschickt. Schon während dieser Zeit wird deutlich, wie der Sozialismus der DDR auch ausländische Arbeitnehmer reglementiert und überwacht. Unter keinen Umständen ist es erlaubt, den westlichen Teil Berlins zu betreten. Aber auch die chinesische Regierung gibt strikte Verhaltensmaßregeln mit auf den Weg.

Zhimei bemüht sich, alle Vorschriften korrekt einzuhalten und ein parteikonformes Leben zu führen, doch immer wieder gerät sie mit der Partei in Konflikt. Die Regierung unter Mao festigt ihre Schreckensherrschaft kontinuierlich. Jeder bespitzelt jeden. Frauen verraten ihre Männer, Kinder stellen sich gegen ihre Eltern, Studenten prangern ihre Lehrer an. Zhimer heiratet einen einfachen Bauern aus dem Norden Chinas. Doch die Ehe geht nicht gut, und schon nach wenigen Jahren läßt sie sich scheiden und fügt so ihrem Lebenslauf einen weiteren Makel hinzu. Ihr Addreßbuch aus Ostberlin gerät in die falschen Hände, und man bezichtigt sie der Spionage. Nun folgen Jahre im Arbeitslager mit Demütigungen bis hin zur Folter.

Nach der Entlassung lebt sie mit ihrem zweiten Mann und ihren beiden Töchtern als Lehrerin in der nördlichen Provinz. Dort begegnet sie dem kanadischen Kollegen Daniel, der ihren Intellekt wieder erweckt und sie zum kritischen Nachdenken über China und ihr Leben in diesem Land anregt. Sie verliebt sich in den Kanadier, läßt sich von ihrem zweiten chinesischen Ehemann scheiden und schafft es schließlich, China zu verlassen und ein neues Leben in Kanada zu beginnen.

Zhimeis Lebensbericht berührt tief, zeigt er doch in aller Deutlichkeit, wie wenig der einzelne Mensch im totalitären Regime zählt und durch ständige Erniedrigung zur totalen Anpassung erzogen wird.

Das Buch "Hundert Blumen" ist im Schneekluth-Verlag erschienen und kostet 34,- DM(ISBN 3-7951-1572-8).