Ladislaus E. Almásy: "Der Schwimmer in der Wüste"

Die Wahrheit über den "englischen Patienten"
  Buchumschlag

In dem Roman "Der englische Patient", erst richtig bekannt geworden durch den gleichnamigen Erfolgsfilm, spielt der Ungar Ladislaus Almásy die Hauptrolle als Flieger, Forscher und Frauenheld. 

Der Haymon-Verlag hat sich mit dem vorliegenden Buch zum Ziel gesetzt, den "echten" Almásy anhand eigener Aufzeichnungen zu Wort kommen zu lassen. Daß dabei auch die Zugkraft des erfolgreichen Films eine Rolle gespielt haben mag - honi soit qui mal y pense!    

Tatsächlich hat der historische Almásy zuviel mit dem filmischen gemein, um nur als Ideengeber der Filmstory zu dienen. Das wirft natürlich die Frage nach der Berechtigung auf, den Lebenslauf einer realen Person und die zugehörigen Ereignisse derart zu vergewaltigen wie in dem Film geschehen. 

Der echte Almásy war begeisterter Wüstenforscher und Flieger - in dieser Reihenfolge. Er hat jedoch weder mit der Frau seines Sponsors je eine Verhältnis gehabt - ja sie offensichtlich nie kennengelernt - noch ist das Ehepaar ähnlich dramatische Tode gestorben. Auch Almásy selbst ist erst nach dem Krieg ganz profan an einer Krankheit gestorben. 

In dem Buch "Schwimmer in der Wüste" beschreibt Almásy mehrere Expeditionen mit Auto und Flugzeug in die Anfang der 30er Jahre noch weitgehend unerforschte oder wieder vergessene libysche Wüste. Dort sucht und findet er die in alten Erzählungen und Schriften immer wieder erwähnte Oase "Zarzura" mit ihren fruchtbaren Tälern inmitten eines weiten Hochplateaus. Außerdem entdeckt er mitten in der Wüste alte Höhlenmalereien mit schwimmenden Menschen - siehe Titel -, die zeigen, daß in grauer Vorzeit Nordafrika mit großen Wasserflächen bedeckt war. 

Almásys Berichte sind eher Tagebuch-Aufzeichnungen denn erzählerisches Epos. Seine schriftstellerischen Fähigkeiten sind zwar begrenzt, dennoch kommt von Zeit zu Zeit dank seiner Begeisterung Farbe in die Beschreibung der Landschaft und sogar Spannung auf. 

Wenn  er mit seinen eingeborenen Helfern alleine durch bisher unbefahrene Wüstenabschnitte eine direkte Verbindung zur nächsten Oase sucht, wird die Weite der Wüste und die Gefahr der Unternehmung deutlich. In diesen Passagen liegen die stärksten Momente des Buches, während die Beschreibung politischer und gesellschaftlicher Zustände eher hausbacken und etwas naiv wirkt. 

Wer dieses Buch jedoch aus der Interesse an der Wüste und ihrer neuzeitlichen Erforschung zur Hand nimmt, wird von der Lektüre nicht enttäuscht sein. 

Das Buch ist im Haymon-Verlag erschienen und kostet 42,- DM (ISBN 3-85218-248-4).