| Reinhard Federmann: "Barrikaden" |
| Die unglückliche Wiener Revolution von 1848 aus der Sicht eines "Augenzeugen" | |
Anläßlich des 150-jährigen Jubiläums der kläglich gescheiterten Revolution von 1848 - der "März-Revolte" - quillt die Literatur zu diesem Thema über. Doch verbinden die meisten dieses Ereignis mit Frankfurt, der Paulskirche, vieleicht noch Hecker und Genossen im Badischen. Dann jedoch versiegt das geschichtliche Wissen. Kaum jemand weiß, daß in Wien ebenfalls heftig und viel militanter um die Befreiung von der Metternichschen Friedhofsruhe gekämpft wurde.
Der bereits 1967 verstorbene Wiener Schriftsteller Reinhard Federmann
hat sich dieses Themas bereits vor über zwanzig Jahren angenommen
und die geschichtlichen Ereignisse zu einem Roman verarbeitet.
Um dabei höchste Authentizität zu erreichen und sich
von den landläufigen geschichtlichen "Genre"-Romanen
abzusetzen, hat er die handelnden Personen in einen fiktiven Briefwechsel
verwoben.
Der junge Franz Hafner kommt Ende 1847 nach Wien, um dort Jus
zu studieren. Von dort sendet er Briefe an seine Schwester im
heimischen Nikolsburg und an seinen in der k.u.k.-Armee in Ungarn
dienenden Bruder Anton. Sehr schnell gerät Franz in politisch
aktive Kreise, in denen ähnlich den 70er Jahren unseres Jahrhunderts
Söhne großbürgerlicher Eltern das Leid und die
Unterdrückung der breiten Masse entdecken und anprangern.
Allein die Erwähnung dieser Mißstände in seinen
Briefen löst sofort Empörung bei konservativem und obrigkeitshörigem
Vater und Bruder aus. Dennoch gerät Franz immer tiefer in
den Sog der revolutionären Ereignisse, macht die Bekanntschaft
berühmter Revolutionäre seiner Zeit wie Robert Blum
und lernt schließlich sogar, mit der Waffe in der Hand zu
kämpfen.
Federmann ist das Kunststück gelungen, durch einen treffsicheren
Stil nicht nur die Protagonisten glaubwürdig zu charakterisieren,
sondern dabei auch noch die Geschehnisse lebendig zu schildern
und das Zeitkolorit anschaulich wiederzugeben. In keinem Moment
wirken die Briefe gestelzt oder als bloße Katalysatoren
zur Darstellung der historischen Ereignisse. Vielmehr ergeben
sich diese fast zwangsläufig aus den gesellschaftlichen und
politischen Verhältnissen, wie sie die Beteiligten aus ihrer
jeweils subjektiven Sicht erleben. Man legt das Buch erst nach
der letzten Seite fort und hat das Gefühl, gleichzeitig einen
spannenden Roman und ein informatives Geschichtsbuch gelesen zu
haben.
Wer sein Wissen über die revolutionären Ereignisse im
Europa von 1948/49 abrunden möchte, sollte sich dieses Buch
unbedingt anschaffen - und natürlich lesen. Es ist im Picus-Verlag,
Wien, erschienen(ISBN 3-85452-417-X).
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