H. S. Laube:"Der Falke"

Volksnaher Roman über die Staufer-Zeit
 

Um Geschichte lesbarer zu gestalten, haben viele Autoren in den letzten Jahren ihren Gegenstand in eine spannende Geschichte aus der jeweiligen Zeit und Umgebung gekleidet, die nicht unbedingt den historischen Tatsachen entsprechen mußte. Kurz: sie schrieben Romane, die Zeit- und Lokalkolorit "hautnah" darstellen sollten. Je volksnaher die Beschreibung, desto größer die Gefahr des Abgleitens in die Triviliatität unter dem Deckmantel des Historischen. Dieser Gefahr ist der Autor Laube bei diesem Buch leider erlegen. 

Ziel des Buches ist, die Zeit des Staufer-Kaisers Friedrich II. um 1240 aus der "Froschperspektive" seiner Soldaten zu schildern. Ein löblicher Gedanke, wurde uns doch früher Geschichte vorzugsweise aus der Sicht der Mächtigen geschildert, ob im Geschichtsunterricht oder in der wissenschaftlichen Literatur. Die Sicht des "kleinen Mannes" sorgt für Bodenhaftung und lenkt die Aufmerksamkeit auf das Schicksal des Volkes. Laube stellt zwei Soldaten in den Mittelpunkt der Handlung: das deutsche Rauhbein Rupert - rauflustig, trinkfest und hinter jedem Rock her - und sein Freund Giacomo - feinsinnig, diszipliniert und ehrgeizig. Diese beiden erleben einen langwierigen Feldzug Friedrich des II. in Italien gegen den Papst und verschiedene aufständische Städte. Dabei verhindert Giacomo unter Einsatz seines Lebens ein Attentat auf den Kaiser, und die beiden Freunde verlieben sich in dasselbe Mädchen. 

Schnell wird klar, daß die menschelnde Seite die historische Dimension überwiegt, und ein biederer Beziehungsroman mit historischem Kolorit entwickelt sich. Die Handlung besteht aus einer Aneinanderreihung von Belagerungen, kleineren Feldzügen, der Jagd nach dem Attentäter und den Nöten der Verliebten, ohne daß sich ein wirklicher Spannungsbogen entwickelt. Personen und Handlungen werden alle mit denselben einfachen, etwas platten Stilmitteln charakterisiert und könnten geradezu einem heutigen Tourismus-Katalog oder einer Provinz-Tageszeitung entlehnt sein. Die Dialoge sind am "grünen" (Schreib-)Tisch entstanden und gönnen den einzelnen Personen keinen eigenen Charakter. Die Sprache ebnet sie alle zu hölzernen Figuren ein, auch da, wo der Inhalt Dramatik oder Emotionen vortäuscht. 

Als Abenteuerbuch für Halbwüchsige mag das Buch durchaus durchgehen und auch seine Freunde finden, ja sogar Einiges an geschichtlichem Wissen vermitteln. Historische Hintergründe über die Fakten hinaus oder menschliche Konflikte und Gefühlslagen der Zeit vermag es jedoch nicht zu vermitteln. 

"Der Falke" von H.S. Laube ist im Schneekluth-Verlag erschienen (ISBN 3-7951-1550-7).