| Dieter Borchmeyer:"Weimarer Klassik" |
| Eine umfassende Analyse der wichtigsten deutschen Kunst-Epoche | |
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Viele Biografien sind über die Heroen der deutschen Literatur verfaßt worden, unter anderem vor kurzem über Goethe ("Mein Leben - ein einzig Abenteuer"). Der Heidelberger Literaturwissenschaftler Dieter Borchmeyer hat diese Epoche aus einer eher verallgemeinerten, weniger biographischen Sicht analysiert und zu einer allgemeinen Darstellung der "Weimarer Klassik" zusammengefaßt.
Das Inhaltsverzeichnis zeigt natürlich deutlich, daß es hier vor allem um die beiden "Großen" geht: Kapitelüberchriften wie "Goethes erstes Weimarer Dezennium", Goethes Katharsis in Italien", "Schiller und Weimar" sowie "Goethes Spätwerk im Grundriß" zeigen dies deutlich. Dennoch geht es dem Autor weniger um die Lebensläufe der Protagonisten als um ihre künstlerischen, philosophischen und sogar politischen Einsichten und Weltsichten und deren Einbettung in ihre ästhetische und intellektuelle Umgebung.
Im ersten Kapitel setzt sich Borchmeyer kritisch mit dem Begriff "Klassik" auseinander und unterscheidet neben einem allgemeinen, zumeist antiken Klassik-Begriff die Klassik des französischen Absolutismus unter Ludwig XIV., die musikalische Klassik von Haydn bis Beethoven mit ihren gänzlich vom Literarischen losgelösten Gesetzmäßigkeiten und schließlich die von Zeitgenossen und Spätgeborenen so bezeichnete "Weimarer Klassik". Er untersucht Voraussetzungen für eine "Klassik" wie Kongruenz der gesellschaftlichen und der künstlerischen Gegebenheiten (National-Staat, -Bewußtsein und -Literatur bei Ludwig XIV.) sowie formale und thematische Ausgewogenheit und zeichnet den Bedeutungswandel dieses Begriffs im Laufe der Epochen nach.
In den nächsten Kapiteln beschäftigt er sich eingehend mit Goethes erster Weimarer Zeit und seiner Italienreise. Hier finden wir auch viele autobiographische Elemente, die sich vor allem wegen der literarischen Abstinenz Goethes in diesen ersten Jahren aufdrängen. Der "Italienischen Reise" und dem Wiederbeginn in Weimar widmet der Autor umfangreiche 70 Seiten.
Schiller erhält ein eigenes Einführungskaiptel von 30 Seiten, in dem sich Borchmeyer vor allem mit dem Wandel der philosophischen Einstellung Schillers unter dem Einfluß Kants sowie der Bedeutung der Geschichtswissenschaften und deren Einfluß auf das literarische Schaffen Schillers("Der Abfall der vereinigten Niederlande", "Wallenstein") auseinandersetzt. Die Grundzüge des Pathetischen, die Definition des Tragischen sowie die Kategorien des Sentimentalischen und des "Mitleidens" werden hier erarbeitet.
Ein umfangreiches Kapitel (150 Seiten) befaßt sich mit der Zusammenarbeit Goethes und Schillers ("der "Bund") angesichts der französischen Revolution und ihrer Implikationen für die Ästhetik. Dabei wird auch der neben Goethe und Schiller oft verkannte Wilhelm von Humboldt entsprechend gewürdigt.
Eine Abriß von Goethes Spätwerk mit dem "Faust" als Höhepunkt schließt den analytischen Teil ab. Es folgen umfangreiche Werkregister und eine Chronik der Weimarer Klassik in Kurzform sowie ein Personenregister.
Das Buch besticht durch den bei aller Liebe zum Detail erfreulich unakademischen Stil, der selbst die Lektüre literaturhistorischer Abhandlungen zur Freude werden läßt. So stellt man sich Sekundärliteratur über das Wesen und die Epochen der Kunst vor: selbst ein kleines stilistisches Kunstwerk, das einfach Lesegenuß bereitet. Man kann die einzelnen Kapitel unabhängig voneinander lesen und muß nicht das ganze Buch "durcharbeiten", obwohl auch das sicherlich reizvoll wäre.
Das Buch sollte auf keinem Germanisten-Schreibtisch fehlen - nicht nur im Schrank stehen - und ist auch "Laien" mit Interesse an den großen literarischen Epochen der deutschen Geschichte wärmstens zu empfehlen.
"Weimarer Klassik" von Dieter Borchmeyer ist im Verlag Beltz Athenäum erschienen (ISBN 3-89547-112-7) und kostet 48,- DM..
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