| Andreas Erhard/Eva Ramminger: "Die Meerfahrt" |
| Bericht einer Umrundung Afrikas auf portugiesischen Schiffen | |
Die Lektüre originaler Dokumente aus längst vergangenen Zeiten stellt jedesmal ein spannendes Abenteuer dar, führt es den Leser doch in eine nahezu authentische Umgebung zurück, wenn man einmal vom"Remake"-Charakter der Faksimile-Technik absieht. Bücher heutiger Autoren können aufgrund der immanenten Mentalitätsunterschiede den jeweiligen Zeitgeist nur sehr unvollkommen widerspiegeln.
Mit dem Band "Die Meerfahrt" haben Eva Ramminger und Andreas Erhard jetzt die weitgehend originale Wiedergabe eines historischen Textes mit umfangreichen Hintergrundinformationen und textkritischen Erläuterungen verbunden.
Ende des 15. Jahrhunderts hatten die Portugiesen dank Heinrich dem Seefahrer und wagemutigen Seeleuten wie Bartolomeo Diaz und Vasco da Gama die Süspitze von Afrika in mehreren entbehrungsreichen Entdeckungsfahrten umrundet und den Seeweg nach Indien gefunden. Hintergrund dieser navigatorischen Großunternehmungen waren die verlockenden Gewinne aus dem Gewürzhandel, die zu diesem Zeitpunkt noch die Araber einstrichen. In guter europäischer Manier wüteten die Portugiesen unter den geschäftstüchtigen aber friedlichen Völkern Afrikas und Indien und rissen so schnell den Handel gewaltsam an sich. Die weitere Geschichte der Portugiesen und ihrer weltpolitischen Nachfolger ist den einschlägigen Büchern zu entnehmen.
Bereits im Jahre 1503 schickten die Augsburger Handelshäuser Vertreter nach Portugal, um auf diesem Wege neue Geschäftsmöglichkeiten zu erkunden. Einer von Ihnen war der Tiroler Balthasar Springer, der von Rotterdam über Lissabon bis nach Indien und zurück segelte. In seinem Buch "merfart" aus dem Jahre 1509 berichtet er in ungelenker aber authentischer Sprache über die Seereise und die Völker, die er samt ihren Sitten und Gebräuchen kennengelernt hat. Von dem im Holzschnitt gesetzten und mit ausführlichen Illustrationen versehenen Buch existieren heute noch ganze vier Exemplare.
In dem vorliegenden Band wird diese Erstausgabe im Faksimile einschließlich handschriftlicher Korrekturen früher Verleger und Lektoren vorgestellt. Anschließend folgt eine Übersetzung in heutiges Deutsch und modernes Schriftbild, wobei die Übersetzerin Monika Kneisl sich bemüht hat, soweit möglich den naiven Tenor der ursprünglichen Sprache zu erhalten. Wer sich nicht mühsam -und oftmals vergeblich - durchs Faksimile kämpfen will, erhält hier einen eindrucksvollen Stimmungsbericht von der Reise.
Anschließend würdigt Eva Ramminger das Buch in einem ausführlichen Essay aus kulturhistorischer Sicht einschließlich ausführlicher Hintergrundinformationen über Balthasar Springer und die Entstehungsgeschichte des Buches. Dabei geht sie vor allem auf die sehr aufwendigen und für damalige Zeit erstaunlich informativen Holzschnitt-Zeichnungen ein.
Den Abschluß bildet eine fast 100seitige Darstellung der (geo)politischen Lage Portugals, Afrikas und Indien zur damaligen Zeit, Anmerkungen zur Schiffbautechnik und zu militärischen Aspekten sowie ein Abriß über die Entwicklung dieser Landstriche in den letzten Jahrhunderten und ihre heutige Bedeutung. Umfangreiches Fotomaterial vermittelt vielfältige Eindrücke von Land und Leuten.
Für alle Freunde alter Bücher und vergangener Epochen stellt dieses Buch eine wahre Fundgrube an historischen, technischen und politischen Erkenntnissen dar. Dank der aufwendigen Gestaltung eignet es sich auch hervorragend als Geschenk für Freunde mit einschlägigen Interessen.
Das Buch (171 Seiten) ist im Haymon-Verlag erschienen (ISBN 3-385218-260-3)..
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