| Günter Brödl:"Platzangst" und "Hitzschlag" |
| Krimireihe eines verspäteten Wiener Nonkonformisten | |
Die
Krimis dieses Autors haben ähnlich lautende Titel: Einzelne Substantiva
mit starker Semantik und einer gewissen Signalwirkung. Auch Rezept und
Personen sind immer wieder identisch. Der etwas verknitterte Rock-Musiker
Kurt Ostbahn, so um die dreißig und mit einem intensiven erotischen
Verhältnis zu geistigen Getränken, gerät unversehens in
eine Mordaffäre, aus der er sich nur durch ihm aufgezwungene Recherchen
befreien kann. Nebenbei löst er dabei natürlich den Fall und
serviert den oder die Schuldigen am Ende einer stets nur zum Einsammeln
auftauchenden Polizei. Als seine mehr oder weniger treuen Helfer wirken
ein leicht verrückter, computer-süchtiger Hobby-Kriminologe mit
dem seltsamen Namen Dr. Trash und der "Impresario" der Rockgruppe, von
den Musikern seltsamerweise "Trainer" genannt. Ein frühpensionierter
Kriminalist - natürlich viel ehrlicher und fähiger als sein karrieregeiler
Nachfolger im Büro - komplettiert das Quartett.
In "Platzangst" stößt Kurtl beim Ausräumen eines alten
Kellers auf die Leiche einer Frau, die hier offenbar lebend eingemauert
wurde. Untersuchungen der Fundstätte fördern deutliche Hinweise
auf weitere solcher Ritualmorde zu Tage. Die weiblichen Opfer erhielten
wie die ägyptischen Pharaonen für die Reise ins Jenseits diverse
Utensilien des täglichen Lebens als Beigabe.
Das Strickmuster beider Krimis ist jedoch immer das Gleiche: im Mittelpunkt
des Geschehens steht Kurt Ostbahn, der sich selbst als Nonkonformist stilisiert.
Dabei scheinen wie in vielen anderen Krimis zeitgenössischer Jung-Autoren
das Saufen und ein herber "Sprüche"-Humor mit Kalauer-Niveau als Markenzeichen
für Gradlinigkeit und Ehrlichkeit zu gelten. Humphrey Bogarts Philip
Marlowe in vergröberter weil epigonaler Ausfertigung läßt
grüßen. Eigentlich sind diese Krimis mehr Selbstbespiegelung
als die Auseinandersetzung mit den Hintergründen einer Mordserie.
Immer wieder stehen Kurtls chaotische Wohnung oder sein desolates Privatleben
im Vordergrund. Da wundert sich der Leser schon, daß ihm nebenbei
noch die Entlarvung eines Serienmörders gelingt.
In "Hitzschlag" kommt Kurt während eines vermeintlich erholsamen
Urlaubs auf Teneriffa zuerst seine Freundin abhanden, dann trifft er auf
liebestolle Frauen und schließlich auf Leichen. Trotz Russen-Mafia
gelingt ihm auch hier die Aufklärung des mörderischen Geschehens
und die Entlarvung des Bösewichtes. Ansonsten gelten die Aussagen
über "Platzangst", nur das hier das Wiener Kolorit und die dort ansässigen
Personen fehlen.
Wer den Charme des "coolen" Sprücheklopfens und des kalauernden
Hinwegschreitens über Leichen und Lebensgefahr liebt, kann mit diesen
Büchern einen netten Nachmittag am Strand verbringen. Allerdings sollte
man nicht allzuviel intellektuelles Vergnügen erwarten.
Das "Ostbahn"-Krimis sind im Haymon-Verlag unter ISBN 3-7951-1708-9("Platzangst")
bzw. 3-85218-222-0 ("Hitzschlag") erschienen und kosten jeweils 29,80 DM.. |