Günter Brödl:"Platzangst" und "Hitzschlag"

Krimireihe eines verspäteten Wiener Nonkonformisten
 

Die Krimis dieses Autors haben ähnlich lautende Titel: Einzelne Substantiva mit starker Semantik und einer gewissen Signalwirkung. Auch Rezept und Personen sind immer wieder identisch. Der etwas verknitterte Rock-Musiker Kurt Ostbahn, so um die dreißig und mit einem intensiven erotischen Verhältnis zu geistigen Getränken, gerät unversehens in eine Mordaffäre, aus der er sich nur durch ihm aufgezwungene Recherchen befreien kann. Nebenbei löst er dabei natürlich den Fall und serviert den oder die Schuldigen am Ende einer stets nur zum Einsammeln auftauchenden Polizei. Als seine mehr oder weniger treuen Helfer wirken ein leicht verrückter, computer-süchtiger Hobby-Kriminologe mit dem seltsamen Namen Dr. Trash und der "Impresario" der Rockgruppe, von den Musikern seltsamerweise "Trainer" genannt. Ein frühpensionierter Kriminalist - natürlich viel ehrlicher und fähiger als sein karrieregeiler Nachfolger im Büro - komplettiert das Quartett. 

In "Platzangst" stößt Kurtl beim Ausräumen eines alten Kellers auf die Leiche einer Frau, die hier offenbar lebend eingemauert wurde. Untersuchungen der Fundstätte fördern deutliche Hinweise auf weitere solcher Ritualmorde zu Tage. Die weiblichen Opfer erhielten wie die ägyptischen Pharaonen für die Reise ins Jenseits diverse Utensilien des täglichen Lebens als Beigabe. 
Da Kurtl von der Polizei nur ungemütliche Fragen erwartet,  beginnt er widerwillig mit den Recherchen. Schon hier hakt es natürlich mit der Logik: die Konfrontation mit der Polizei wird mit zunehmender Ermittlertätigkeit immer drohender und die Gefahr für seine Gesundheit wächst ebenfalls. Aber wäre er gleich zur Polizei gegangen, hätte dieser Krimi nicht geschrieben werden können. 
So stolpert Kurtl also durch seine Ermittlungen und wühlt sich dank Dr. Trash und Ex-Inspektor Brunner zur Auflösung des Rätsels, das immerhin einige psychologische Konsistenz und Glaubwürdigkeit aufweist. 

Das Strickmuster beider Krimis ist jedoch immer das Gleiche: im Mittelpunkt des Geschehens steht Kurt Ostbahn, der sich selbst als Nonkonformist stilisiert. Dabei scheinen wie in vielen anderen Krimis zeitgenössischer Jung-Autoren das Saufen und ein herber "Sprüche"-Humor mit Kalauer-Niveau als Markenzeichen für Gradlinigkeit und Ehrlichkeit zu gelten. Humphrey Bogarts Philip Marlowe in vergröberter weil epigonaler Ausfertigung läßt grüßen. Eigentlich sind diese Krimis mehr Selbstbespiegelung als die Auseinandersetzung mit den Hintergründen einer Mordserie. Immer wieder stehen Kurtls chaotische Wohnung oder sein desolates Privatleben im Vordergrund. Da wundert sich der Leser schon, daß ihm nebenbei noch die Entlarvung eines Serienmörders gelingt. 

In "Hitzschlag" kommt Kurt während eines vermeintlich erholsamen Urlaubs auf Teneriffa zuerst seine Freundin abhanden, dann trifft er auf liebestolle Frauen und schließlich auf Leichen. Trotz Russen-Mafia gelingt ihm auch hier die Aufklärung des mörderischen Geschehens und die Entlarvung des Bösewichtes. Ansonsten gelten die Aussagen über "Platzangst", nur das hier das Wiener Kolorit und die dort ansässigen Personen fehlen. 

Wer den Charme des "coolen" Sprücheklopfens und des kalauernden Hinwegschreitens über Leichen und Lebensgefahr liebt, kann mit diesen Büchern einen netten Nachmittag am Strand verbringen. Allerdings sollte man nicht allzuviel intellektuelles Vergnügen erwarten. 

Das "Ostbahn"-Krimis sind im Haymon-Verlag  unter ISBN  3-7951-1708-9("Platzangst") bzw. 3-85218-222-0 ("Hitzschlag") erschienen und kosten jeweils 29,80 DM..