| Matthias Biskupek: "Schloß Zockendorf" |
| Bitterböse Satire um Kunst, Kommerz und Klüngelei | |
Ein nicht mehr ganz junger, promovierter und daher arbeitsloser
Germanist erhält einen Halbtagsjob als Wirtschaftsassistent(!) in
einer Kunststiftung irgendwo am östlichen Rande der neuen Bundesländer.
Die Stiftung ist standesgemäß in einem ehemaligen Schloß
untergebracht und beherbergt neben den obligatorischen aufstrebenden und
absteigenden Künstlern - und solche, die sich dafür halten -
auch eine Reihe von hierhin abgestiegenen akademischen Verwaltern.
Schon
mit den ersten skizzierenden Federstrichen der Schloßbesatzung steht
die Satire: Jeder ist hier auf seine Weise eine Karikatur des Kunstbetriebs.
Die adlige Leiterin der Stiftung fühlt sich strafversetzt und träumt
von künstlerischem Management in New York, London oder Paris. Ihre
Adlaten führen ihr eigenes Regiment, so der "Technische Direktor",
vulgo "Hausmeister", der aus dem besetzten Lande rekrutiert wurde und noch
heimlich alten DDR-Zeiten anhängt. Andere - so der Pressesprecher
- fügen sich in ihr Schicksal und versuchen, sich auf diesem abgelegenen
Posten möglichst unauffällig durchzuschlagen.
Richtig ins Geschirr legt sich der Autor - selbst ein Leidensträger
des untergegangenen Realsozialismus - bei der Schilderung der Künstler.
Durchweg zeichnen sie sich mehr durch Schnorrerei, Sauferei und Scharlatanerie
als durch künstlerische Leistung aus. Mit luftigen und verstiegenen
"Installationen" und "Performances" beeindrucken sie mehr ihre akademisch-fiktiven
Förderer als den Leser. Zumindest haben alle schnell gelernt, sich
am Futtertrog der Stiftung festzusetzen. Biskupek kennt keinen Pardon mit
ihnen und entlarvt sie alle als parasitäre Nutznießer eines
verwalteten Kunstbetriebs, der seine Vorzeige-Subjekte benötigt, um
sich selbst zu rechtfertigen.
Daß plötzlich die Installationskünstlerin in scheußlich
totem Zustand in einer alten Scheune aufgefunden wird, nimmt so nicht weiter
Wunder. Dennoch feiert man wohlgemut das lange geplante Einweihungsfest,
zu dem die Vetternwirtschaft aus dem Westen anreist. Wen wundert es da,
das die jugendliche Freundin des Kuratoriumsvorsitzenden einen bedeutenden
Posten besetzt? Das Fest artet dank tollkirschenversetzter Getränke
in ein Desaster aus, und wie in einem guten Krimi üblich, versterben
weitere Schloßbewohner auf grotesk-scheußliche Weise, so daß
der Kriminalkomissar kaum noch mitkommt.
Wie sich das Ganze auflöst, ist eher zweitrangig. Das Bestechende
an diesem Buch ist der durchgängige satirische Tenor mit viel Tempo
und dem in Deutschland so seltenen Witz (siehe Walser). Wer eine treffende
und gleichzeitig unterhaltende Satire über den Kunstbetrieb lesen
möchte, sollte dieses Buch zur Hand nehmen. Er/sie wird es nicht bereuen.
Das Buch "Schloß Zockendorf" von Matthias Biskupek ist im Verlag
Gustav Kiepenheuer erschienen (ISBN 3-378006137-3) erschienen und
kostet 24 DM.. |