| Theodor Storm: "Die Regentrude" |
| Geschichten aus der Tonne, illustriert von Ursula Kirchberg | |
Theodor
Storms "Geschichten aus der Tonne" entführen in eine andere Zeit,
als Armut noch viele Menschen betraf. Gerade deshalb sind die Märchen
so wertvoll für unsere heutige Video- und PC-Jugend, die alles im
Überfluss hat. Vielleicht kann sich doch der ein oder andere Leser
in die Situation zweier Buben versetzen, die sich in eine alte Tonne zurückgezogen
haben und sich dort spannende Geschichten erzählen. Auch heute noch
bauen Kinder Höhlen und Baumhäuser und tauschen dort Geheimnisse
aus.
"Die Regentrude", ein Märchen vom Lande, führt sehr plastisch
vor Augen, was Dürre und Trockenheit vermögen. "Kein Grün
war zu sehen; zahmes und wildes Getier lag verschmachtet auf den Feldern".
Nur dem dicken Wiesenbauern geht es gut. Er zieht genüßlich
an seiner Meerschaumpfeife, während ein mächtiges Fuder Heu eingefahren
wird.
Theodor Storm meinte, er habe nie etwas Besseres, aus dem vollen Entsprungenes
geschrieben. Tatsächlich ist die Regentrude ein vielschichtiges sozialkritisches
Märchen, das aber nicht in der Zeitkritik verhaftet bleibt, sondern
mit den Märchenwesen Feuerteufel und Regentrude viel Spielraum für
Fantasie läßt. Die eher sparsamen Illustrationen von Ursula
Kirchberg erdrücken den Leser nicht mit massiver Bildsprache, sondern
schieben die eigene Vorstellungskraft der Kinder nur vorsichtig an.
"Buhlemanns Haus" und "Der Spiegel des Cyprianus" sind zwei weitere
Stormsche Märchen, die in diesem Bildband versammelt sind.
"Die Regentrude" ist im Gerstenberg-Verlag (ISBN 3-8067-4687-7) erschienen
und kostet 29,90 DM |