| Craig Smith: "Im Glashaus" |
| Ein Thriller mit durchaus literarischem Niveau | |
Öffentlich
belächeln Literaturfreunde und -kritiker Thriller und Krimis gerne
und lesen sie selbst nur heimlich weitab jeglicher intellektueller Entlarvungsmöglichkeiten.
Der Roman beginnt mit dem dubiosen Tod einer jungen Frau lockeren Lebenswandels
aus reichem Hause, die sich nach einem Rendezvous mit einer Zufallsbekanntschaft
ausgerechnet in einem Bordell offensichtlich das Leben genommen hat. Der
Leser und der verantwortliche Polizist ahnen sofort, daß hier etwas
nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, letzterer jedoch erkennt aufgrund
der Nähe der Toten zu einflußreichen Bürgern und seiner
Karriere zuliebe schnell auf Selbstmord....
Zehn Jahre später bittet ein Unbekannter eine junge Frau, die den
gewaltsamen Tod ihrer Mutter gegen alle Widerstände aufgeklärt
hat, den Fall noch einmal zu untersuchen, angeblich, weil er die Tote einmal
geliebt hat und die Wahrheit herausfinden möchte. Die junge Universitäts-Dozentin
läßt sich nicht zuletzt von dem großzügigen finanziellen
Angebot verlocken, daß in keinem Verhältnis zu den scheinbar
belanglosen Recherchen steht. Dies erweist sich jedoch bald als folgenschwerer
Irrtum...
Wie die junge Frau langsam aber stetig der Wahrheit auf die Spur kommt
und schließlich die schuldige Person überführt, soll hier
nicht näher ausgeführt werden, um interessierten Lesern nicht
die Spannung zu rauben. Smith entwickelt die Geschichte mit viel Tempo
und ohne überflüssige Schnörkel, die Aufdeckung der Hintergründe
aus Macht- und Geldgier und die Verlogenheit eines habgierigen, gewissenlosen
"Geldadels" stehen im Vordergrund. Wenn auch die Handlung eher im Rahmen
konventioneller Thriller abläuft, sticht sie von diesen doch durch
mehr sprachliche und inhaltlich Substanz ab. Diesen Thriller dürfen
auch Intellektuelle lesen, ohne deswegen unter größeren Gewissensbissen
zu leiden.
"Im Glashaus" ist im Schneekluth-Verlag unter der ISBN 3-7951-1635-X
erschienen. |