Craig Smith: "Im Glashaus"

Ein Thriller mit durchaus literarischem Niveau
 

Öffentlich belächeln Literaturfreunde und -kritiker Thriller und Krimis gerne und lesen sie selbst nur heimlich weitab jeglicher intellektueller Entlarvungsmöglichkeiten.
Wie sagte jedoch Reich-Ranicki: ein Autor muß "errzäählen" können! Und das kann Craig Smith, Professor für englische Literatur, durchaus. Man merkt es diesem Thriller an, daß er nicht von einem professionellen Team nach den vorgegebenen Regeln des "Standard"-Thrillers sondern von einem literarisch versierten Autor geschrieben wurde. Die Geschichte steckt trotz Tempo und der üblichen Spannung voller ernstzunehmender Gesellschaftskritik, satirischem Humor und literarischer Anspielungen. Die Personen sind authentischer und glaubwürdiger als in den meisten Thrillern amerikanischer Machart und vor allem ohne die üblichen sentimental-kitschigen Charakterzüge.

Der Roman beginnt mit dem dubiosen Tod einer jungen Frau lockeren Lebenswandels aus reichem Hause, die sich nach einem Rendezvous mit einer Zufallsbekanntschaft ausgerechnet in einem Bordell offensichtlich das Leben genommen hat. Der Leser und der verantwortliche Polizist ahnen sofort, daß hier etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, letzterer jedoch erkennt aufgrund der Nähe der Toten zu einflußreichen Bürgern und seiner Karriere zuliebe schnell auf Selbstmord....

Zehn Jahre später bittet ein Unbekannter eine junge Frau, die den gewaltsamen Tod ihrer Mutter gegen alle Widerstände aufgeklärt hat, den Fall noch einmal zu untersuchen, angeblich, weil er die Tote einmal geliebt hat und die Wahrheit herausfinden möchte. Die junge Universitäts-Dozentin läßt sich nicht zuletzt von dem großzügigen finanziellen Angebot verlocken, daß in keinem Verhältnis zu den scheinbar belanglosen Recherchen steht. Dies erweist sich jedoch bald als folgenschwerer Irrtum...
Schnell entdeckt sie bei Ihren Befragungen Unstimmigkeiten und Merkwürdigkeiten, bis eines nachts plötzlich zwei Autos ihr auf einer einsamen Straße den Weg versperren....

Wie die junge Frau langsam aber stetig der Wahrheit auf die Spur kommt und schließlich die schuldige Person überführt, soll hier nicht näher ausgeführt werden, um interessierten Lesern nicht die Spannung zu rauben. Smith entwickelt die Geschichte mit viel Tempo und ohne überflüssige Schnörkel, die Aufdeckung der Hintergründe aus Macht- und Geldgier und die Verlogenheit eines habgierigen, gewissenlosen "Geldadels" stehen im Vordergrund. Wenn auch die Handlung eher im Rahmen konventioneller Thriller abläuft, sticht sie von diesen doch durch mehr sprachliche und inhaltlich Substanz ab. Diesen Thriller dürfen auch Intellektuelle lesen, ohne deswegen unter größeren Gewissensbissen zu leiden. 

"Im Glashaus" ist im Schneekluth-Verlag unter der ISBN 3-7951-1635-X erschienen.