| Bernard Clavel:"Strom des Lichts" |
| Ein Bericht über Arroganz und Ignoranz des Weißen Mannes | |
Seit Menschengedenken leben im Norden Kanadas an der James Bay zahlreiche Indianer-Stämme. Sie ernähren sich von Fischfang, jagen Wild und bestatten seit Urzeiten ihre Toten an der selben Stelle. Sie leben im Einklang mit der Natur, sind sozusagen ein Teil von ihr.
"Als die ersten Europäer nach Kanada kamen, teilten die Indianer ihre Nahrung und ihr Wissen mit ihnen, damit der Weiße Mann überleben konnte" schreibt Pierre Elliot Trudea im April 1980.
Bernard Clavel schildert in seinem Roman eindringlich die Lebensgewohnheiten der Wabamahigan, die auf der "Longue Ile" seit Jahrtausenden ihren alten Traditionen folgen. Sie sind so genügsam, daß sie die sie umgebende Natur kaum beeinträchtigen. Da sie von der Wildnis und den dort lebenden Tieren, z.B. den Karibus, abhängig sind, achten sie immer darauf, die Tiere nicht durch unbedachte Eingriffe in die Natur zu vertreiben. Ihre Stammestraditionen, ihr Erziehungssystem, alles fußt auf dem über Jahrtausende bewährtem Wissen und wird von Generation zu Generation weitergegeben.
So hätte es vielleicht noch lange weitergehen können, wenn nicht die weißen Pioniere in das indianische Refugium eingedrungen wären. Sie bringen eine neue Religion, die keiner braucht, und bauen Schulen, um die Kinder der "Wilden" auf die Lebens(un)art des Weißen Mannes zu trimmen. Schließlich greifen sie sogar massiv in die Natur ein. Sie bauen Staudämme gigantischen Ausmaßes, Städte, Flughäfen und Fabriken entstehen. Bis 1971 - ja, dies geschah NICHT im 19. Jahrhundert! - werden viertausend Arbeitskräfte eingestellt, und zwanzig Jahre später wird Quebec für einen großen Teil des amerikanischen Kontinents die Elektrizität liefern.
Die Indianer werden von der Schnelligkeit und Gigantomanie des Projektes förmlich überrollt. Sie verfügen nicht über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten, sich gegen die Weißen zu wehren. Als eines Tages der erste Staudamm geöffnet wird und zwanzigtausend Karibus den Tod finden, besteigt Mestakoshi, der Häuptling der Wabamahigan, zum ersten Mal ein Flugzeug, um vor Journalisten über diese Naturkatastrophe zu berichten.
Clavels Erzählung schildert sehr sachlich die Philosophie der Indianer im Gegensatz zur Profitgier der Weißen und macht gerade durch seinen Verzicht auf eine plakative Schuldzuweisung an die Weißen betroffen. Der Leser kann sich sein zwangsläufiges Urteil auch ohne den moralischen Zeigefinger bilden.
Fazit:
Ein Bericht - wir wollen hier bewußt auf den fiktiven Charakter des Begriffs "Roman" verzichten -, der gerade wegen seiner betonten Sachlichkeit zum Nachdenken über das Profit- und Konsumdenken der weißen Rasse anregt.
Das Buch umfaßt 350 Seiten und ist im Schneekluth-Verlag unter der ISBN 3-7951-1564-7 erschienen.
|