Eva Maaser: "Der Moorkönig"

Ein ferner Nachklang von Schlafes Bruder
 

Der Roman erzählt die Geschichte des Jan Droste Tomberger, der die Gabe oder den Fluch des Hellsehens besitzt. Schon seine Geburt wird von Gewittern und fürchterlichen Schmerzen der Mutter begleitet. In der dumpfen, abergläubischen Welt seines Dorfes zeigen die Geburtsumstände an, dass es mit dem Kind etwas Besonderes auf sich hat. Der Junge lernt sehr spät laufen und sprechen. Die Tiere des Dorfes gehen in seiner Nähe auf Distanz und auch den Menschen ist der Junge irgendwie unheimlich. Sogar der alte Dorfschullehrer piesackt ihn wegen seiner Andersartigkeit. 

Jan fühlt sich am wohlsten, wenn er im Moor ist. Dort tritt er niemals fehl und geht schon als kleiner Bub auf Erkundungstour. Hier findet er Ruhe, kann seinen Gedanken nachhängen und sich in seine Gesichte vertiefen. Als er älter wird, tritt ein junger Dorschullehrer in sein Leben und erkennt die überdurchschnittliche Intelligenz des Jungen, aber auch den Fluch der Hellseherei. Er versucht, den Jungen durch die Beschäftigung mit der Philosophie auf neue Gedanken zu bringen. Im Dorf jedoch wird für Jan das Leben immer mehr zum Spießrutenlauf. Alle Unglücke werden dem "Spökenkieker" angelastet. Seine Andersartigkeit paßt einfach nicht ins Bild der Dörfler. So ist er schließlich gezwungen, sein Dorf zu verlassen. Bei einem Großonkel findet er Aufnahme und vielleicht einen Weg, das Leben zu lieben. 

Der Roman beschreibt neben dem Schicksal des Jan Droste auch das bäuerliche Leben in Westfalen vor dem Hintergrund der napoleonischen Kriege zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Neue preußische Gesetze setzen der Leibeigenschaft ein Ende und ebnen den Weg für mehr Freiheit und Selbstbestimmung des Einzelnen. 

Das Buch ist anfangs recht packend geschrieben, leidet aber im zweiten Teil unter Längen. Gerne hätte man mehr über die Gedankenwelt des Jungen erfahren. Der Inhalt beschränkt sich jedoch im Wesentlichen auf eine oberflächliche Beschreibung des Dorflebens. 

Fazit: 

Gut lesbar, aber sprachlich und inhaltlich nicht besonders beeindruckend. 

Das Buch umfaßt knapp 302 Seiten und ist im Verlag Rütten & Loening unter der ISBN 3-352-00518-4 erschienen.