| Friedrich Schiller: "Ausgewählte Werke" |
| Neue Auflage des Klassikers im Aufbau-Verlag | |
Von Zeit zu Zeit sollte man sich wieder einmal einen Klassiker zu Gemüte führen. Wer ein heute so selten aufgeführtes Werk wie "Die Räuber" mit Bedacht liest, wird erstaunt sein, wieviel zeitlose Erkenntnisse und immergültiger Protest gegen die "Verhältnisse" in diesem Drama stecken. Natürlich sind auch sentimentale - je beinahe kitschige - Elemente nicht zu verkennen, so wenn der totgeglaubte Vater wieder aus dem Turm auftaucht. Doch trotz dieser zeitbedingten "Gefühligkeit" besticht das Werk immer noch durch seinen temporeichen Duktus und die kompromißlose Aussagen, z.B. in dem zynischen Monolog Franz Moors.
Der Aufbau-Verlag hat in einer dreibändigen Neu-Auflage neben den "Räubern" nahezu alle wichtigen Dramen zusammengestellt: "Wallenstein", "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua", "Kabale und Liebe", "Don Carlos", "Maria Stuart", "Die Jungfrau von Orleans" und "Wilhelm Tell". Eine Sammlung ausgewählter Gedichte - wer kennt sie nicht, die "Kraniche des Ibykus", "Die Bürgschaft", "Das Lied von der Glocke" - leitet den ersten Band ein. Hier kann der sprichwortverliebte Leser wieder einmal sein Repertoire aufladen und erstaunt erkennen, wem er all die schönen Sprüche unserer Umgangssprache zu verdanken hat. Allerdings bieten die gedichte neben dieser Sprichwortsammlung noch Einiges mehr....
Die einzige Schwäche dieser Neuauflage besteht im Fehlen jeglicher biographischer oder geschichtlicher Hintergrundinformationen. Nicht bei jedem leser darf man das Wisse um Schiller und seine zeit voraussetzen.
Die Sammlung ist im Aufbau-Verlag, Berlin, unter der ISBN 3-7466-6037-8 erschienen.
|