| Uwe Götze: "Valentinstag" |
| Frankfurter Satire um Mord und Totschlag | |
Ein bekanntes Literaturgesetz lautet, dass man der heutigen Realität nur noch mit der satirischen Groteske bzw. mit der grotesken Satire beikommen könne. Der Autor Uwe Götze hat diese Regel wörtlich genommen und breitet in seinem Roman ein wirklich groteskes Panorama des heutigen Frankfurts aus.
Ein von der Anklage des Brudermordes dank winkliger Advokatentricks freigesprochener, aber dennoch enterbter Immobilien-"Hai" gerät unversehens in die Fänge einer russischen Autoschieberbande und schwingt sich dank schnell erlernter Bräuche zu deren Chef auf. Daraufhin teilt sich die Bande und wählt die Frankfurter Innenstadt für den finalen "Showdown". Großformatiger Bandenkampf am Hauptbahnhof!
Zwei zu Routinetätigkeiten degradierte (warum eigentlich?) Polizisten mit Namen Lutz und Obermeier - "Tatort", ick hör die trapsen - zeichnen sich durch permanente Unfähigkeit aus und parodieren die paarweise auftretenden Fernsehkommissare. Ein entlassener Schlachthof-Geschäftsführer mit dubiosen sexuellen Neigungen und einige Vertreter der journalistischen Zunft vervollständigen das Personal.
Die Handlung ist den üblichen Berichten über die organisierte Kriminalität entlehnt und ins Groteske überzeichnet. Dabei spart der Autor auch nicht mit vielen mehr oder weniger geistreichen Gags. Das fängt mit einer bewußt geschraubten Sprache an, die mit hochangesetzten Stilmitteln triviale und brachiale Tatsachen und Vorgänge beschreibt. Dabei bewegt sich Götze leider zu oft im Bereich des Kalauers, frei nach dem Motto: "Für ein Bonmot mache ich alles".
Weiterhin mischt sich der Autor immer wieder im Fließtext oder in fiktiven "Anmerkungen" in die Handlung ein. Dieses an sich gerechtfertigte ironische Element der Distanzierung und Entlarvung des Fiktiven strapaziert er jedoch bist zum klamottenhaften "running Gag". Oftmals gewinnt das Buch die Qualität eines satirisch-kalauernden Schülerartikels, dem es mehr um die plakativ-satirische Einebnung seiner Umgebung als um treffsichere Satire geht. Weniger wäre hier mehr gewesen.
Wer gerne Krimis mit unmissverständlichen Seitenhieben auf ALLE Institutionen liest und nicht unbedingt Wert auf feinsinnige Ironie und hintergründige Satire legt, wird an diesem Buch sicher einigen Spaß haben.
Das Buch ist im Verlag Frieling & Partner, Berlin, unter der ISBN 3-8280-0879-8 erschienen und kostet 16,80 DM.
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