| Magliane Samasow: "In Teufels Küche" |
| Männliche Klischees in Frauenkleidern | |
Eine Trainerin in der Kunst der Selbstverteidigung ist für einen Kurs für Frauen in einem ländlichen Volkshochschulheim engagiert worden. Sie ist lesbisch und bekennt sich dazu, sucht in diesen Kursen auch mal nach einem neuen Gesicht, obwohl die Arbeit im Mittelpunkt steht. Schon die Anfahrt mit dem Zug ist stressig, und kaum hat sie noch abends ihre Frauengruppe begrüßt, wird sie beim Betreten ihres Zimmers von einem Mann mit mörderischer Absicht angefallen. Ihr Beruf ist sein Pech. Sie fesselt den kurzzeitig Bewußtlosen und schleift ihn ins Foyer hinter die Theke, nur um am nächsten Morgen zu erfahren, daß er tot im eigenen Blut liegt. Noch während sie mit und ohne Polizei über den Grund nachgrübelt - hier kennt sie keiner und ein Motiv ist auch nicht zu erkennen - wird der zweite Mordanschlag auf sie verübt, den sie ebenfalle erfolgreich abwehrt.
Jetzt beginnt sie, zusammen mit der Polizei die Sache methodisch zu untersuchen, und erhält als Personenschutz eine attraktive(!) junge Polizistin.
Damit ist das Plot gestellt und die Auflösung kann ihren Gang bis zum natürlich erfolgreichen wenn auch knappen Ende nehmen. Kriminalistisch ist die Handlung nicht besonders originell und läßt sich auf das alte Motto "Cherchez la femme" - pardon - "l´homme" reduzieren. Aufschlußreich wenn auch nicht unbedingt ein Zeichen von Qualität ist die Tatsache, daß die Autorin im Kielwasser genau der männlichen Krimi-Masche fährt, die sie kritisiert. Der Ton ist leicht schnoddrig-"machistisch", wenn der Ausdruck hier erlaubt ist. Die Sprüche sind eher kalt als cool, folgen aber dem einschlägigen Trend. Nicht ihr Spott und ihre Verachtung der Männerwelt ist ihr anzukreiden, sondern daß sie deren Mechanismen übernimmt. Auch bei der Beschreibung und Bewertung der jungen Polizistin und der anschließenden Liebesbeziehung verfährt sie wie Legionen scheinbar abgebrühter kriminalistischer Alleingänger. Die Frau wird nach Busen und Beinen beurteilt, das altbekannte Programm aus strahlenden Augen und weiblicher Einmaligkeit abgespult. Wie bei all den literarischen(?) Männerträumen verliebt sich diese einmalige Frau natürlich ausgerechnet in die Protagonistin......
Da bleiben Schnitzer wie schlampige Zeichensetzung - keine neue Rechtschreibung! - und der Schnitzer, den Bodensee vom norddeutschen "Bodden" abzuleiten - kennt sie nicht Bodan am Westufer? - eher zweitrangig.
Wer nichts anderes zur Hand hat, kann mit diesem Buch einige Stunden totschlagen. Es ist im Klein & Blechinger Verlag unter der ISB 3-89711-033-4 erschienen und kostet 15,90 DM.
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